782 Novellen⸗Zeitung.
treten, und das Zimmer nicht nur zu erwerben, ſondern auch V gende Notiz:„Herr Karl Wilhelm J eruſalem, hochfürſt⸗ auf eine würdige Weiſe zu reſtauriren und mit den Reliquien lich herzoglich Braunſchweigſcher Legations⸗Secretair, ein⸗ aus der Zeit der Lotte zu ſchmücken. Beides gelang, und ziger Sohn Sr. Hochwürden Herrn Abts Jeruſalem in viele Hände Werkverſtändiger waren thätig für das aus dem Braunſchweig, ſtarb den 30. Oct. durch einen tödtlichen. Dunkel der Vergangenheit in's Leben gerufene Lotte⸗ Schuß. Begraben eodem in aller Stille, alt circa. Zimmer. 24 Jahre!“ In fidem extractus etc. Es iſt ein nach Nordoſt gelegenes, mit vielen Fenſtern verſehenes Eckzimmer, deſſen Wände unwiderſprechlich von
ſeinem Alterthum Kunde geben.— Da nun ein anſehnlicher
Fond ſich gebildet hat, ſo brauchen Koſten zur Herſtellung Starrſinn und Kaltblütigkeit eines preußiſchen nicht geſcheut zu werden. Der Maler Stuhl und andere Officiers.
Werkverſtändige übernahmen die Reſtauration der Wände, Die Schlacht bei Reichenbach war bekanntlich nicht zum
die mit größter Vorſicht ausgeführt wurde. Es fand ſich, Vortheil der Verbü 1. 64 ncke daß das Zimmer mit einer dunkeln Wachstuch⸗Tapete war Mantſeennededeaen d wehedeſcheelh decorirt geweſen, wovon ſich noch Spuren vorfanden. Zwi⸗ Raſt noch Ruhe. Schon am folgenden Tage hatte das lithauf⸗ ſchen den Fenſtern waren aber Gemälde von mehreren Fuß V ſche Dragoner⸗Regiment bei Waldau, wo es zur Deckung einer Höhe, mythologiſche Figuren und antike Urnen, auf die Tapete Batterie aufgeſtellt war, ein hitziges Gefecht zu beſtehen. gemalt geweſen, die ſich noch erhalten haben. Denn wie es Die Kugeln ſchlugen ohne Unterlaß in die Escadrons ein. ſcheint, war die Tapete ſchadhaft geworden, daher abgeriſſen, Deswegen wollte der Major von Platen etwas zurückgehn, die Gemälde aber waren herausgeſchnitten und auf ihre um aus der Schußlinie zu kommen, da das Regiment ſeinen Veroſen Plätze befeſtigt worden. Die Felder wurden mit Zweck dort eben ſo gut erfüllte. Da der Brigade⸗Chef, General buntfarbigen Rahmen umfaßt, und die Zwiſchenwände licht⸗ Corswandt, dieſe rückgängige Bewegung weder befohlen hatte, blau angeſtrichen, ſo daß das ganze Zimmer blau erſcheint. noch darum befragt worden war ſo rief er:„Major Platen Alſo hat ſich daſſelbe erhalten, und Verletzungen ſind mit wo wollen Sie hin? Es drängt Sie ja Keiner.“—„Gut, größter Vorſicht ausgebeſſert worden. 3 Heerr General, wir werden ſtehen bleiben,“ erwiderte Platen, . Das Comité beſchloß nun auch, das ehemalige Prunk⸗ der ſich nun zu den Dragonern wandte und zu ihnen ſagte: zimmer der Lotte mit Geräthen aus jener Zeit, womöglich Heute iſt ſchön Wetter, nehmt die Pfeifen heraus und raucht mit ſolchen, die aus der Buff'ſchen Auction herrührten, aus⸗ bei ſchönem Wetter ſchmeckt das prächtig!“ i
zuſchmücken, welches auch durch den Eifer und die Nachfor⸗ Bald dampften die Pfeifen und Alles ſchmauchte ſo ru⸗
ſchung mehrerer Bürger glückte, ſo daß man bei dem Eintritt in hig weiter, als ob die unaufhörli ſj
; 4 1 Gern gn W 4 hörlich fallende Kugelſaat ſie gar das Zimmer überraſcht wird und ſich in die Rococo⸗Zeit nihts anginge. Schon waren alle Truppen von dem ge⸗ verſetzt glaubt. Am denkwürdigſten iſt wohl das Clavier fährlichen Punkte zurückgezogen, nur der Major Platen rührte
der Lotte, das ein Bürger, deſſen Großvater es in der Buff'⸗ ſich mit ſeinem Regimente nicht von der Stelle. Die Frau⸗
ſchen Alütelion gekauft hatte, der Geſellſchaft überließ. Ein zoſen kamen immer näher, ſchoſſen auf das Regiment mit anderer Bürger übergab folgende Reliquien der Lotte, die Kartätſchen und waren in dem Walde, durch welchen der eine Verwandte des Buff'ſchen Hauſes, als ſie Wetzlar ver⸗ Rückzug ging, mit der Infanterie ſchon handgemtein geworden, ließ, ihm als Andenken geſchenkt hatte: 1. eine reich geſtickte als der General zuerſt durch eine Ordonnanz, dann durch kleine Arbeitstaſche, 2. ein Käſtchen mit ſehr breiten alt⸗ einen Adjutanten zum Abzuge Befehl geben ließ. Platen modigen goldenen Ohrringen, 3. eine zierliche mit ſilber⸗ blieb. Endlich ſprengte der General ſelbſt heran und ſchrie hnen ſ ausgelegte Nadelbüchſe, worin noch Nadeln ſchon von weitem:„Aber, mein Gott, Herr Major, warunn enthalten ſind. 3 ehen Sie nicht zurück?“—„Sie hatten uns im Verdacht,“
Der Maler Stuhl lieferte Lit ſchönes Stück. Er fand da Platen genchſen zur Antwort, 4 fehle es uns an Cen⸗ auf einer Reiſe bei dem Pfarrer Metz zu Weirich am Huns⸗ rage; ich mußte unſre Ehre retten; überzeugen Sie ſich ſelbſt, rück das Zeichenbuch der Lotte mit ihrer eigenhändigen Auf⸗ Herr General, ob ein Dragoner Miene macht, wegzureiten.“ ſchrift:„Charlotte Buff“. Es iſt ganz gefüllt mit zierlich neirane hatte ſich jenſeit des Waldes die Arrisregardt
gezeichneten Blumen und Arabesken. Die Frau des Pfar⸗ wieder aufgeſtellt, mußte ſich aber, als die Franzoſen ſchnell rers, die aus Wetzlar gebürtig war, brachte es von da mit folgten, über die Queis durch Siegersdorf zurückziehen. Statt und verwabrte es als ein Andenken. Sie war richt mehr ihr zu folgen, blieb Platen, der ſeinen Aerger noch immet ain Leben, und der Pfarrer ſchenkte es dem Herrn Stuhl. nicht verſchmerzen konnte, abermals mit dem Regimente halten.
Eine Hausuhr vom hellſten Schlag, und von der wun⸗ Glücklicherweiſe meldete ein Officier dem ſtarrköpfigen Manne derlichſten Compoſition, die auf hohes Alter ſchließen läßt, daß die Waſſermühle dicht an der Brücke in Siegersdorf in fand man auf dem Speicher des Buff'ſchen Hauſes, wo ſie Brand geſetzt ſei, und daß er mit dem Regimente ſchmählich
als werthlos von allen Miethern war liegen gelaſſen worden. in Gefangenſchaft gerathen müſſe, wenn er noch einen Au. we
Sie iſt nun auch wieder in Gang gebracht und aufgeſtellt genblick zögere, zumal auch die Brücke wohl bald brennen worden. ſwerde. Auch die Schwadron⸗Chefs ließen es an Vorſtellun⸗ Man iſt noch immer bemüht, Reliquien aus jener Zeit gen nicht fehlen, und ſo gelang es endlich, das tobende Ge— in alten Bürgerhäuſern aufzufinden.——— müth des„tollen“ Platen zu beruhigen. In geſtreckten Die noch immer gangbare Sage, daß der Pſeudo⸗Wer⸗ Galopp ging's nun zurück und zu Zweien über die Brücke, ther in Garbenheim(Wahlheim) begraben liege, wird durch während Funken und Feuerbrände von der Mühle zwiſchen folgenden Auszug aus dem Wetzlarſchen Kirchenbuche gründ⸗ die Reiter niederſtürzten. 3 lich beſeitigt. Das Kirchenbuch der evangeliſchen Gemeinde enthält unter der Rubrik„Verſtorbene aus dem Jahre 1772“ fol⸗
au
wem
dung Zeit
won War durz dion, ſichen


