Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
777
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vierte Folge.

childert, hat er ſich die Aufgabe geſtellt, zugleich die

heſens in ihren Wechſelbeziehungen zu enthüllen.

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ſteller, die in dem Grade an Gedankenarmuth leiden, Larrière im Gebiete der Induſtrie und des Fabrik⸗

Dieſes Beſtreben, worin viele Detailkenntniſſe hervor⸗

neten, theilt ſich mit dem nach⸗Charakterzeichnung.

Die weibliche Welt hat Giſeke in ſeinem Stoff

Helegenheit gefunden mit bitteren Blicken anzuſehn. zo verfällt er gewiß nicht in den Fehler, ihr Schön⸗ naler zu werden. Die Handlungen eines jungen Mädchens, Ulrike, die zuerſt die zweite Hauptfigur und jigentlich die Hebelkraft bandlung iſt, findet man in den Linien raffinirter Verdorbenheit entwickelt.

Doch gehört es zu den guten Seiten des Ro⸗ mnans, daß die geldhabenden Kreiſe darin ſchonungslos und ohne die vermittelnde Verſöhnung betrachtet ſind, welche ſich der Reichthum durch ſeine glänzende Außen⸗ ſiite ſo leicht in den Augen der Welt erringt.

Der Held der Erzählung ſchwingt ſich von einem ſewöhnlichen Schloſſergeſellen zu einem einflußreichen zabrikbeſitzer, der über Millionen gebietet, empor, in Geſchick, das ſo beneidenswerth ſein würde, als s ſelten iſt, wenn der Inhaber jener Schätze ſich nicht in ſeinem Innern durch mißtrauiſche Entfremdung von der Welt vereinſamt und ſich in der Blüthe ſeiner zahre die Sinne des frohen offenen Genuſſes ver⸗ chloſſen hätte. Erſt in ſeinen Alter ergiebt ſich ihm jie richtige Auffaſſung des menſchlichen Strebens.

Nicht ſelten

werden Sie

vom ſpäteren Gange der

treffende Gedanken

zusgeſprochen finden, von denen einige wohl hervor⸗

ſehoben zu werden verdienen:

Die ſchmerzliche Erfahrung im Keben iſt die, ſolche Spielſchuld in natura ausgezahlt werden müſſen?

uns Diejenigen, die äußere Güter uns rauben, mit jieſen auch das innere Glück uns ſtehlen und zugleich mie Achtung vor der Welt für ſich gewinnen.

Gemüth haben iſt eine Tugend; Gemüth zeigen ſt eine Gabe. Sollte eins ohne das andere beſtehen, p wird das letztere die Anerkennung gewinnen, die is andere verdiente.

Alle Menſchen wohl, die im Leben etwas Un⸗ ſewöhnliches erreichen, ſind abergläubiſch. Mit wel⸗ her Energie ſie auch ihr Lebensziel verfolgen, ſie ſängen in ihren einzelnen Entſcheidungen doch vom Momente, von der Unberechenbarkeit der Eingebun⸗ jen ab, fortgeriſſen von der geſammten Wucht ihrer Eutfaltung, ſie mögen dieſelbe nun ihrer Will aft oder ihrem Schickſal anzuvertrauen meinen.

Es iſt oft viel leichter, eine ſtofflich ſpannende

bfindung zu liefern, als ein paar Ideen von wirk⸗ lich gediegenem Werth in reiner Ausdrucksweiſe darzu⸗

ellen. Unſere modernen Roman⸗ und Novellenſchrift⸗

als ſie oft Reichthum an materialiſtiſcher Phantaſie beſitzen, ſind ſich dieſer Wahrheit in der Regel nicht bewußt.

In den Novellen von Ernſt Fritze, welche drei Bände füllen und in jedem Band eine Erzählung bieten, treffen Sie jene materielle Phantaſie, die auf romantiſche Unterhaltung des Leſers ausgeht, in vollem Maße an.

Bewegung, Intrigue, fortſchreitende oder ſich verwickelnde Handlung dominiren hier, beſonders mit Eifer entfaltet in der Geſchichte:Zug um Zug. Sie führt in jene naheliegende Zeit zurück, wo der Adel noch das Gefühl hegte, aus beſſerem Holze als der Bürgerliche geſchnitzt zu ſein. Zum Schaden der Novelliſten wird es unſerer Gegenwart ſchwer, ſich in ſolche Auffaſſungen, denen wir durch Bildung entfrem⸗ det ſind, hineinzudenken.

Leichteren Zugang findet man zu der Erzählung Berg oder Burg. Sie verbindet mit der etwas monſtröſen Charakterſchilderung eine gewiſſe heitere Liebenswürdigkeit und Elaſticität.

Die dritte Geſchichte:deutſches Leben vor fünf⸗ zig Jahren geht auf die bewegten Tage unter dem franzöſiſchen Kriegsleben zurück und behandelt unter andern den oft von Romanſchreibern gebrauchten Effect, daß ein Mann ſeine Frau verſpielt. Es iſt ſtark, dieſe Unthat des Leichtſinns ſo zu behandeln, als ob ſie in der That ernſte Conſequenzen haben könnte, im Fall wirklich ein wahnſinniger oder blödſinniger Ehe⸗ mann darauf kommen ſollte, ſeine Frau auf eine Karte zu ſetzen. Unter welcher Geſetzgebung könnte eine

und ſelbſt Kriegszeiten angenommen, welches Officier⸗ corps von etwas auch nur äußerlicher männlicher Ehre würde die Eintreibung jenes lebendigen Gewinnes dulden oder gar begünſtigen? Die Gattin gehört dem Manne als Weib, aber nicht als verkäufliche Sache, und unter allen exiſtirenden Rechtszuſtänden der civi⸗ liſirten Welt kann er ſie ebenſowenig auf die Karten ſetzen, als die Krone des Koͤnigs von Japan, über welche er gleichfalls keine Gewalt hat. Verſucht er ſolche Al⸗ bernheit, ſo blamirt er ſich eben ſo wie ſein Mitſpie⸗ ler, der dieſe Pointirung nimmt. Geſetzt den Fall, ein berauſchter General wollte ſeinen Generalspoſten an einen Lieutnant oder Bürgermeiſter verſpielen: würde es der Staat zugeben, daß er ſeine Charge, deren Verwaltung ihm perſönlich verliehen iſt, wirklich an den Gewinner abträte? Ebenſowenig kann er mit ſeiner Frau bezahlen, denn dieſe iſt ihm auch nur perſönlich von ſtaatlichen Einrichtungen zuertheilt. Es iſt eine Beleidigung für die Ehre und Selbſtſtän⸗

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