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und die moloſſiſchen(albaneſiſchen) waren beſonders ge⸗ ſchätzt, da ſie ſelbſt Löwen angriffen und ſie überwältigten. Alexander d. Gr. erhielt einen ſolchen Löwenhund vom Mo⸗ loſſerkönig geſchenkt, ließ ihn aber tödten, weil er Haſen, Eber und Hirſche nicht angriff. Da belehrte der Moloſſer ſeinen Freund, daß ſeine Hunde nur auf Löwen und Elephan⸗ ten gehen. Alexander war ſo erfreut über einen zweiten ſol⸗ chen Hund, welchen er erhielt, daß Lyſippos deſſen Bild in Erz gießen mußte, und da man dieſes Bild häufig in Mar⸗ mor nachbildete, ſo ſind Gypsabgüſſe heute noch häufig. Die Spartaner beſaßen Wind⸗ und Wolfshunde.
Uebrigens galten die indiſchen Hunde, deren ſich die Perſer zum Jagen bedienten, für die größten und ſtärkſten. Die Römer ſcheinen nur Spitzhunde beſeſſen zu haben, denn erſt unter Auguſtus brachten ſie Pudel und Jagdhunde, Wachtelhunde aus Spanien, Doggen aus Britannien und ſtellten, gleich den Aegyptern, Hunde gern in Bildern und Moſaiks dar. Große weiße Schäferhunde bewachten die Heerde, und Damen hielten ſich Bologneſer oder Malteſer Schooßhündchen, Affen und Schlangen, nahmen die Letzteren der Kühlung wegen gern in's Bett, indem ſie dieſelben als Kette um den Nacken legten, oder trugen ſie im Buſen unter dem Kleide.
Die alten Germanen beſaßen große wilde Hunde, deren ſie jedenfalls zur Bewachung der Heerden und bei der Jagd bedurften. Als die gefürchteten Cimbern dem Marius bei Verona eine Verzweiflungsſchlacht lieferten, in welcher die mit Ketten an einander gebundenen Männer fielen, die Frauen ſich und ihre Kinder erdroſſelten oder in die römiſchen Schwerter ſtürzten, ſo wollten auch die Hunde das Gepäck, welches ſie bewachten, den Römern nicht überlaſſen, ſondern vertheidigten es mit grimmer Wuth, bis ſie niedergehauen wurden. Gleich tapfre Hunde beſaß man noch zur Zeit Karl's d. Gr., welcher deren einige als Gegengeſchenk nach Bagdad an den Kalifen Harun al Raſchid ſandte, welchen ihr Muth in große Verwunderung ſetzte, denn die Hunde griffen unverzagt Löwen an und hielten ſie ſo lange feſt, bis ſie vom Jäger erlegt wurden.
Noch bleibt die Frage unentſchieden, ob der Hund vom Wolf oder Schakal, oder aus einer Miſchung beider ab⸗ ſtamme, oder von dem nordindiſchen Hunde, welchem Spitz und Schäferhund gleichen. 6.
Worte für Welt und Haus.
Unter dieſem Titel iſt kürzlich von Otto Banck(bei Carl Fried. Fleiſcher in Leipzig) ein Werkchen erſchienen, über das wir in der Lage ſind, mit Ausſchluß jeder wirklichen Kritik nur objectiv referiren zu können, da der bekannte Ver⸗ faſſer deſſelben eine unſerm Blatte zu nahe ſtehende litera⸗ riſche Perſönlichkeit iſt.
Der weittragende Titel„Worte für Welt und Haus“ bekundet, daß der Inhalt des Buches allen Leſerkreiſen gewid⸗ met wurde. Es bildet eine Art Hausbrevier, eine Lectüre für frohe und trübe Tage, für ſchwere und heitere Zeiten, und ſowohl der Fürſt wie der Diplomat, der Bürger wie der Soldat, der Künſtler und Handwerker wie der Philoſoph und Fachgelehrte findet darin Ausſprüche, Beobachtungen und Erfahrungen ernſten oder witzig humoriſtiſchen Gehalts, die direct in ſeinen Lebenslauf einſchlagen und die wieder im allgemeinen Urgrund des Menſchenherzens und Menſchen⸗
Zeitung.
He
für Hoch und Niedrig, und auf die Lebensintereſſen des wäib⸗ 6 7 llchen Geſchlechtes ſcheint uns dabei nicht minder als amf 11'6s die des männlichen Rückſicht genommen. wren J Wir glauben nicht, daß die anregende, ja wegen der Ma vielen wichtigen Themen vielleicht oft aufregende Lectüre die uten,
ſes Werkes bei den Leſern irgend eine Ermüdung hervorrm⸗ en we fen könne, wie ſie ſonſt oft Blumenleſen einzelner Gedanken 7 Annt zur Folge haben. riel
Obgleich man ſo oft gewöhnt iſt, eine trockene Abstrac⸗ 3 Effe tion hervortreten zu ſehen, iſt hier immer ein bilderreichen, der lebendiger Ausdruck erzielt, der jedem Laien verſtändlich MMr werden muß. neani Banck ſagt in einem Nachwort einiges zur richtigm Mu Auffaſſung Beitragende, das wir hier folgen laſſen: ket „Während der freundliche Leſer daran gewöhnt iſt, im ugf ähnlichen kleinen Werken eine Auswahl von Sentenzen und Wend Betrachtungen verſchiedener Autoren zuſammengeſtellt zu ir 7 finden, wagt es im vorliegenden der Verfaſſer, lediglich müt l gehe ſeinen eigenen Gedanken vor die Oeffentlichkeit zu tretem. 3 5 Er blickt dabei mit Vertrauen auf jene Kreiſe, welche nicht. hug blindlings nur auf Autoritäten ſchwören, ſondern ſich dem e a Muth eines eigenen Urtheils und die Erkenntniß errungen 0 ſch haben, daß jeder ſein Leben ſelbſt zu leben, ſelbſt zu vertrt⸗ n ten und ſelbſt zu durchdenken hat. Gewiß iſt es dabei ein auded billiger Wunſch des Allgemeinwohls, daß die theuer erkauf⸗ ſch ten Erfahrungen des Einzelnen auch für Andere zu beliebi⸗ Gei ger Verwendung eröffnet werden. a 21 So möge denn das Publicum vorurtheilslos entgegan⸗a nehmen, was hier in buntem Wechſel aus ernſten und hä— 1 tern Lebensſtunden ausgebreitet liegt, ſei es nun eine Blütge der Erinnerung und Selbſtbetrachtung auf einſamen Wegen, 89 eine Aehre zwiſchen den Garben auf dem geſchäftigen Markte* des Verkehrs oder ein unerbittliches Ideenreſultat aus die ir verborgenen und öffentlichen Schickſalskämpfen in der Mer Bn ſchenbruſt.“— Beu Mit dieſen kurzen Andeutungen übergiebt der Auker 15 ſeine Ideen der deutſchen Leſerwelt. Ohne Zweifel wird ſu 1* einer großen Verbreitung derſelben die auffallend eleganen 5 Ausſtattung des Druckes und des Einbandes nicht wenig ba⸗ e tragen. Der letztere iſt mit einer von Künſtlerhand gezeich⸗ 11 14 neten überaus graziöſen Vignette verſehen, und es dürfte ſich 11 d ſchon des ſchönen Aeußern wegen nicht leicht ein Buch ſoi gut wie das vorliegende zu Geſchenken bei jeder beliebigen e Veranlaſſung eignen. Es wird unſern Leſern hoffentlich angenehm ſein, wenn n wir unſere Ankündigung hier durch einige Mittheilungen aut 1b dem Werke ſelbſt ſchließen. Die verſchiedenen Abtheilungm e g ſind überſchrieben:„Aus der Schule des Lebens“;„Staats⸗ u witz und Volksſinn“;„Im Treiben der Menge“;„Seele, Natur und Univerſum“;„Poeſie, Literatur und Kunſt. Wir entnehmen denſelben in beliebiger Reihenfolge Nach ſtehendes: V es „In einem Staate von wahrhafter Moral muß der 5 Denunciant ein verachtetes Individuum ſein. Mit denſel a ben Worten, mit welchen man ihn willkommen heißt, ſag. ½ man der ſittlichen Ehre Lebewohl.“ an „Wie ungezügelte Naturen ſich in der Regel ungezügel eim benehmen werden, ſo werden auch unumſchränkte Herrſcher 5 gern unumſchränkt herrſchen und unverantwortliche Minieti ſter leicht unverantwortlich handeln,— alle ganz ſo, wi duen es ihnen ihre Machtvollkommenheit erlaubt. Das Gegen theil wird nur ſeltene individuelle Ausnahme ſein, und es if 7
ii vieſen
geiſtes wurzeln. Darum paſſen ſie auch für Reich und Arm,
traurig, wenn ſich eine fortſchreitende Staatsbevölkerung auf


