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leiſen Roth, ihr Athem wurde ſtärker und eine Be⸗ wegung ihres Körpers verrieth, daß ihr Bewußtſein zurückgekehrt ſei.
Anfänglich wollte ſie leiſe aufſchreien, wie ſie die ſonderbare Lage, in welcher ſie ſich befand, erkannte, als aber Werdau ſie ſanft in die Arme ihres Vaters legte und mit bewegter, vor Erregung zitternder Stimme zu ihr ſagte:„Beruhigen Sie ſich, Mademoi⸗ ſelle, Sie ſind unter Freunden— erkennen Sie mich denn nicht?..“ und als der Kanzleirath, ihr ſanft über das Haar ſtreichend, begütigend hinzuſetzte:„Es iſt Werdau, der uns gerettet hat,“ da füllten ſich ihre Augen mit Thränen, und mit einem Ausdruck innerer tiefer Bewegung ſtreckte ſie ihm ihre Hand entgegen, die dieſer gerührt an ſeine Lippen zog..
„Wir ſind auf der Flucht,“ ſagte das holde Mädchen, welches ſich immer mehr zu erholen begann, „in Berlin herrſcht grenzenloſe Verwirrung, und faſt alle Miniſter haben die Hauptſtadt verlaſſen, um ſich in Stettin wieder mit dem König zu vereinigen.“
„Ja,“fügte der Kanzleirath hinzu,„und Gott ſei Dank, meine Acten ſind den Strauchdieben nicht in die Hände gefallen, und ich denke, der Dienſt, welchen dieſe Unglückstage unterbrochen haben, wird bald wieder ſeinen ungeſtörten Fortgang nehmen können.“
Werdau überhörte dieſe Worte, denn ſeine Au⸗ gen hingen noch immer an Hedwig, deren ſanfte Blicke den ſeinigen begegneten und nun plötzlich Empfin⸗ dungen bei ihm hervorriefen, von deren Vorhan⸗ denſein er ſich bisher nur eine unklare Rechenſchaft abzulegen vermocht hatte.
„Auch wir wollen nach Stettin,“ ſagte er endlich, „und ich denke, Sie werden Ihrer Sicherheit wegen nichts dagegen haben, wenn wir Sie begleiten.“
„Und in Stettin?“ fragte Hedwig, und in ihrem Blick lag Etwas, als wenn ſie hätte hinzuſetzen wollen: werden wir uns dort abermals trennen, nachdem wir uns kaum wiedergefunden haben?
„In Stettin,“ entgegnete der junge Mann,„wird ſich meine Zukunft weiter entſcheiden. Ich erwarte dort Jemand, der mir theuer und werth iſt und an deſſen Schickſal ich mich unauflöslich gekettet fühle.“
Ein Ausdruck des Schmerzes und der Enttäu⸗ ſchung malte ſich jetzt in dem Geſicht des jungen Mädchens.
„Es iſt alſo ein verabredetes Rendezvous?“ fragte Hedwig mit ſchüchterner Stimme, wobei ſie aber kaum die Augen aufzuſchlagen wagte.
„Ja, ein Rendezvous,“ entgegnete Werdau gleichgültig,„aber es hat damit keine Eile, ich komme
Novellen⸗Zeitung.
Sicherheit iſt natürlich jetzt dasjenige, was mich zu nächſt beſchäftigt.“
Hedwig machte eine Verbeugung, aber diesml zwang ſie ſich, die Schranken kalter Höflichkeit einza⸗ halten.
hätte ſie mir doch wohl danken können. Wenn man für eine Frau ſein Leben in die Schanze ſchlägt, ſe iſt man doch wohl berechtigt, auf eine kleine Ana⸗ kennung zu zählen. Es iſt alſo klar, ſie fühlt nicht für mich, und die Thränen, welche ihr vorhin in de Augen traten, galten nicht mir, ſondern waren nu eine Wirkung der Angſt und Betäubung, in welch ſie durch dieſen plötzlichen Ueberfall verſetzt wurde“
Hedwig hingegen, die ſich in ihr Umſchlagetuſ gehüllt und in eine Ecke des Wagens zurückgele hatte, meinte:
„Eine ſolche Unzartheit hatte ich ihm nicht zug traut. Er verſicherte mir in Berlin, die Bekanntſchan mit dem jungen Mädchen abgebrochen zu haben, un
hen. Denn wen anders als Roſalie kann er unte dem„Jemand“ meinen, der ihm theuer und wect iſt und an deſſen Schickſal er ſich unauflöslich geltt tet fühlt?“
Während die beiden jungen Leute auf dieſ Weiſe im Stillen ihre Betrachtungen anſtellten, holt der Kanzleirath, welcher ſich inzwiſchen wieder gun erholt hatte, ſeine Doſe hervor und ſagter halb ſcher zend, halb ermahnend:
„So, ſo, man giebt ſich alſo Rendezvous!. Hm, iſt auch ſo Etwas, das uns die Herren Franze⸗ ſen in's Land gebracht haben!.. doch im Grunde was geht's mich alten Mann an, wie's die jüngel Herren jetzt treiben!.. Alſo nichts für ungut, di Welt iſt einmal nicht mehr die alte.“
„Beruhigen Sie ſich, Papachen,“ ſagte Werdal „bei dem Stelldichein, welches ich habe, handelt es 1 blos darum, mit ein paar wackeren Cameraden fie ſammenzutreffen, mit denen ich auf dem Schlachtfeld Waffenbrüderſchaft ſchloß.“
Jetzt horchte Hedwig hoch auf, und ihr Geſitt ſoeben noch von Schmerz und Enttäuſchung erfüll nahm einen Ausdruck an, als wenn ihr ein Steit vom Herzen gewälzt worden wäre.
„Ja ſo, das iſt etwas Anderes,“ ſagte der Kant
lige Zuſammenkunft— hm, hätte mir auch leid gethat
immer noch zur rechten Zeit, und die Sorge um Ihre
meine gute Meinung ändern zu müſſen.“
„Hm,“ dachte unſer Bekannter,„etwas wärme
jetzt genirt er ſich nicht, die Fortſetzung dieſes Ver hältniſſes mit der größten Unbefangenheit einzugeſten ater
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