Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
750
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75⁰ Novellen

ſchuf ein kaiſerliches Decret für ihn ein ganz beſonderes Por⸗ tefeuille, das des Staatsminiſteriums, wodurch er nicht blos zu einer Art von Premierminiſter gemacht wurde, ſondern auch ferner in den beiden großen Staatskörpern die bisherige Rolle des Sprechminiſters beibehalten ſollte, als nach einer ganz kurzen Krankheit, von der er ſich ſelbſt geneſen glaubte, ein Lungenſchlag oder eine Herzlähmung ihn ganz plötzlich dem Leben entriß.

Billault wurde im Jahr 1840 von Ludwig Philipp zum Ritter der Ehrenlegion ernannt; der Kaiſer Napoleon III. beförderte ihn am 8. December 1852 zum Commandeur und am 30. December 1855 zum Großofficier. Ganz neuerlich verlieh ihm der Kaiſer als Belohnung der ihm erwieſenen großen Dienſte das große Band der Ehrenlegion.

Billault's Leichnam wurde auf ſeinem Gute Greſillière bei Nantes, wo er geſtorben iſt, einbalſamirt und nach Paris ins Hôtel des Staatsminiſteriums gebracht und am 17. Octo⸗ ber Morgens auf Koſten des Staats außerordentlich feierlich auf dem Gottesacker des Mont Parnaſſe beerdigt. Zu Ehren dieſes Leichenbegängniſſes wurde vor dem Invalidenhötel am Beerdigungstage von Morgens 7 Uhr jede Stunde ein Kano⸗ nenſchuß gelöſt, dagegen, als der Leichenzug ſich von dem Hötel des Staatsminiſteriums aus in Bewegung ſetzte, und eben ſo in dem Augenblick, als der Sarg der Erde anvertraut wurde, ertönte eine Salve von funfzehn Kanonenſchüſſen. Am Grabe hielt der Juſtizminiſter Baroche eine Rede, worin er den Verluſt hervorhob, den der Kaiſer und Frankreich in dieſem Staatsmann erlitten hätten, und ſchließlich ſagte er mit einer ſehr bewegten Stimme dem bisherigen Collegen und Freunde ein letztes Lebewohl. C.

Aus der Culturgeſchichte.

Daß im frühen Mittelalter das Geld gegen den heuti⸗ gen Werth deſſelben unendlich hoch und die käufliche Waare dagegen ungemein tief ſtand, iſt allgemein bekannt, und wir haben darüber ſchon in den beiden letzten Jahrgängen unſeres Blattes einzelne Belege gebracht, die vielleicht nur wenigen Forſchern bekannt waren.

Als Kaiſer Friedrich Barbaroſſa um 1188 auf dem Wege zu ſeinem Kreuzzuge durch Ungarn kam, konnte er vier Ochſen um eine Mark Silber kaufen. In Deutſchland war das Fleiſch theurer, wenn auch noch lächerlich wohlfeil gegen jetzt. In unſerm Vaterlande herrſchte auch damals ſchon eine höhere Cultur, als man gewöhnlich glaubt. Faſt jedes deut⸗ ſche Städtchen hatte im Mittelalter ſein eigenes Gebäck und ſeine eigene Benennung; die meiſten davon haben ſich noch erhalten, ſo die Salzwecken und Semmeln in Sachſen, die Weihnachtsſtollen in Thüringen, die Maulſchellen in Erfurt, die Geigen in Ulm, die Hörnchen in Augsburg, die Brezeln und Kringeln in Mitteldeutſchland, die Wecken in Nürnberg, der Pumpernikel in Weſtphalen. Die Reichen in Rom aßen kein anderes als deutſches Brod, und deutſche Bäcker waren von Alters her nicht nur in Rom, ſondern auch in Venedig und vielen andern Städten Italiens heimiſch.

Mit dem Anbau der Städte erblühten die Gewerbe überhaupt. Am früheſten hören wir von Brodbänken, Fleiſchbänken, Weinbänken, Bierbänken, Lederbänken und Schuhbänken. Der Händler, der eine ſolche Bank benutzte, zahlte für die Erlaubniß, hielt aber darauf, daß ihm immer dieſelbe, ſeinen Kunden bekannte Bank verblieb. Endlich

Zeitung.

Recht. In Köln waren die Gewölbe und Läden bereits um das Jahr 1180 erblich, wie ſich aus einer Urkunde des Kaiſers Friedrich I. ergiebt. In Worms hatten ſchon 1106 23 Fiſcher den Fiſchhandel erblich an ſich gebracht. Am ſpäteſten bildeten ſich die Handwerke der Leinweber und Schneider aus. Von den Aegyptern bis zu den Römern finden wir keines beſondern Standes der Schneider erwähnt, denn die Verfertigung der Kleider vom Geſpinnſt bis zur vollendeten Form war Sache der Frauen undihrer Dienerinnen und Sclavinnen. Nie führt uns Homer in ein Haus ein, worin nicht alle Frauen, Fürſtinnen und Sclavinnen an der Spin del oder am Webſtuhl ſtehen, und ſelbſt am Hochzeitsfeſte ihren Tochter läßt Helena die Spindel nicht ruhen.

Früher wie ſpäter war die Kleidung der Männer in Griechenland durchgängig von Schafwolle. Die Frauen trugen auch Leinen. In Achaja wuchs zwar vortrefflicher Flachs, aber die davon gemachten Kleider wurden faſt mit Gold aufgewogen. Baumwolle und Seide kamen erſt nach der Eroberung des perſiſchen Reiches durch Alexander den Großen nach Griechenland. Ueberhaupt waren die griechi⸗

leichtfertige Frauen trugen ſich bunt.

Nach der Eroberung Aſiens kamen Baumwelle und Seide auch nach Rom. Doch hielt man den Gebrauch der erſteren bei Männern für ein Zeichen der Weichlichkeit

Aurelian verboten wurde, bis ſie im 4. Jahrhundert ſo ſent

gen wurde.

Schneider.

Alpheus als des kunſtreichſten Schneiders ſeiner Zeit. Spinnen und Weben war auch bei den Deutſchen von

niedrigſten Magd bis zur vornehmſten Herrin. Dies wan noch zu den Zeiten Karl's des Großen der Fall, der nur in Kleidern ging, die ihm ſeine Gemahlin und Töchter geſponnen hatten. Als ſpäterhin das Gewerbe einen goldenen Boden hatte, war dieſes freilich ganz anders geworden; in jenen Tagen konnte Kaiſer Karl V. beim Anblick des königlichen Schatzes in Paris mit Recht ſagen:Alles das kann ein Augsburger Leinweber mit Gold bezahlen. 1

Der General Lee.

Ueber dieſen jetzt ſo viel genannten Mann ſpricht ſit Blackwood's Magazine in folgender Art aus:Generah Lee iſt beinah ohne Ausnahme der hübſcheſte Mann ſeine Alters, den ich je ſah. Er iſt 56 Jahr alt, ſchlank, breit ſchulterig, ſehr gut gebaut, von guter Haltung in ſeiner ganzen Erſcheinung Soldat; dabei ſind ſeine Manieren die höflichſten, während er gleichzeitig voller Würde iſt. Er iſt in jeder Rückſicht ein vollkommener Gentleman. Ich bilde mir ein, Niemand hat ſo wenig Feinde oder iſt ſo allgemein geachtet wie er. Im ganzen Süden ſtimmen

wie nur ein Mann es ſein könne. Er habe keins der kleinen Laſter wie Rauchen, Tabakkauen, Trinken, Schwören und ſeine bitterſten Feinde hätten ihn nie irgend eines größern beſchuldigt. Gewöhnlich trägt er eine ihm gut ſtehende lange Jacke, einen hohen, ſchwarzen Filzhut und blaue Beinkleid

wurde der Beſitz eines Ladens für den Inhaber ein erbliches

über denen ſeine Wellingtonſtiefel ſich ſchließen. Ich ſah

ſchen Kleider, auch die der Frauen, von größter Einfachheit wenn auch öfters am Saume geſtickt und gemuſtert; nur an

den allerälteſten Zeiten her das Geſchäft der Frauen von dar

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Seide aber war ſo theuer, daß ſie im Jahre 274 vom Kaiſa e

in Preiſe fiel, daß ſie ſogar von den unteren Ständen getta⸗ egr. Dort bildete ſich erſt ſpäter der Stand dar Horaz gedenkt in einem ſeiner Gedichte eines aaidid

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