748
als zwei oder drei Schläge auszutheilen. Auch iſt er leicht todtzuſchießen und hat kein zähes Leben. Viele andere Thiere entlaufen mit mehreren Kugeln, der Löwe bekommt aber nach einer Verwundung ſehr leicht das Erbrechen und wird unvermögend zu ent⸗ fliehen.
Sowie die wilden Thiere zahlreicher waren, gab es auch damals im ſüdlichen Afrika noch viel mehr ſogenannte Buſchmänner als jetzt, ein unglückliches Volk, deſſen Ausrottung den Europäern durch Schieß⸗ waffen und andere Kriegsliſten natürlich leichter wird, als die der beſſer organiſirten Kaffern.
Furchtbar blutige und grauſame Menſchenjagden werden noch heutigen Tages auf die beklagenswerthen Stämme angeſtellt, da man der diplomatiſchen Mei⸗ nung iſt, ſie könnten bei der Niedrigkeit ihrer Bildung nicht als rechtmäßige Beſitzer eines Landſtriches an⸗ erkannt werden. So werden dieſe Heiden entweder von den alleinſeligmachenden Chriſten erſchlagen, um nicht zu ſagen ermordet, oder in ſo unfruchtbare Gegenden zurückgedrängt, daß ſie darin ausſterben müſſen. Es wäre intereſſant, von der Moral der chriſtlichen Politik zu erfahren, wie viel Cultur nö⸗ thig iſt, um ein Landeseigenthum beſitzen zu dürfen.
Sparrmann hält die Buſchmänner für einen Zweig der Hottentotten. Schon damals ſchlugen die Europäer lieber einen ſolchen Menſchen, als eine Hyäne todt. Zur wirklichen Cultivirung wilder Stämme hat man bis jetzt wenig mit Aufrichtigkeit beigetragen und es in der Regel beim Taufwaſſer und dem begriffsloſen Auswendiglernen kirchlicher Formeln bewenden laſſen. Die Buſchmänner ſchießen mit kleinen, nachläſſig bereiteten Bogen von mangel⸗ hafter Schnellkraft vergiftete Pfeile, wodurch ſelbſt Büffel und Löwen bei einer unbedeutenden Wunde in wenigen Minuten getödtet werden. Der Magen dieſer Wilden würde ſich indeſſen ſehr zur Theilnahme an den vielen Zweckeſſen eignen, welche jetzt allenthalben in Deutſchland ſervirt werden. Seine Verdauungskraft iſt ſo gewaltig, daß er mit dem lächerlichſten Ueber⸗ fluß von Nahrungsmitteln fertig wird und ſeinen Mann, der heute noch einem ganz vertrockneten ab⸗ gezehrten Geſpenſte gleicht, in wenigen Wochen mit einem Achtung gebietenden Embonpoint bekleidet.
Wie außerordentlich hohl und bedenklich die Fort⸗ ſchritte ſind, welche das Chriſtenthum der Herren Miſſionäre unter den im Ganzen gutmüthigen und umgänglichen Hottentotten gemacht hat, werden unſere Leſer aus den Worten eines neuen Reiſenden, des Engländers Cole erſehen. Derſelbe ſagt: Ich wage zu behaupten, daß ſich von je 100 chriſtlichen Hotten⸗ totten gewiß 99 über das wahre Verhältniß eines
mehr
Novellen⸗Zeitung.
zukünftigen Zuſtandes in vollkommener Unwiſſenheit befinden. Ich ſpreche aus Erfahrung, ich habe oſt Hottentotten ſterben ſehen. Einen derſelben, der ein regelmäßiger Beſucher der Miſſions⸗Kapellen geweſen war, fragte ich, ob er auch Furcht vor dem ihm nabze bevorſtehenden Tode habe. Er lächelte und ſagte: „Nein!“ Ich fragte ihn weiter, ob er denn glaube, i in den Himmel zu kommen, und er antwortete wieder f „Nein!“„Wohin denn?“—„Nirgends.“ Jo te ſuchte ihm zu erklären, daß ſein Geiſtlicher ihm dos die Lehre von dem zukünftigen Zuſtande der Beloh⸗ nü nungen und Beſtrafungen müßte mitgetheilt haben ſot Er lachte hierauf und ſagte, daß dem vielleicht ſi vi ſein möchte,„für die Herren, aber nicht für ihn; ei lege ſich hin und ſterbe, damit wäre es aus und—f d das ſei auch genug.“ Daſſelbe will Cole auch von den Lieblings chriſten der Miſſionäre, ihren Muſtermännern, auf t die ſie Beſuchende hinwieſen, und über die ſie lange Berichte ſchrieben, immer und immer wieder gehäct 1 haben. Nach ſeiner Meinung werden die Hottentotten, 1 wie bei uns die Juden, nur aus zwei Gründen Chu⸗in ſten, einmal um gewiſſe materielle Vortheile zu erzit⸗des len, und dann, um für mehr zu gelten, als ſie wirkotgan werth ſind. Sie wurden auf den Stationen, berichtet fln er, zu Dutzenden gehalten, aber nur um gezeigt zuger werden; ſie ſeien die ärgſten Faulenzer, die man ſichrre denken könne, und ſelbſt für großen Lohn nict 3. zu den geringſten Arbeiten zu bewegen. Die Miſſie⸗ 8 näre ſelbſt verſuchten und vermöchten es nicht, ſteang. ihrer Gewohnheitsträgheit zu entziehen. Deßhalt errege bei dem Farmer auch Nichts größeren Schre⸗ beit ken, als die Nachricht, daß in ihrer Nähe eine Mi⸗g ſions-Anſtalt errichtet werden ſolle. Denn er wiſ, 9, daß ihm alsbald ſeine Dienſtboten weglaufen würdeln di um ſich auf der Station als„Chriſten“ annehmen ſtne und ohne Arbeit füttern zu laſſen! de Vielleicht würde es beſſere Früchte tragen, wemt 14 man den Wilden, ſtatt ihnen blos Religion zu lehrene 7 erſt die Elemente allgemeiner Bildung und Auftl⸗ ſhn. rung beibrächte und dann auf dieſen guten Grund. die Religion zu erbauen ſuchte. Was Recht und Unrecht, Tugend und Sünde iſt, kann der Menſchei⸗ f ſeele auch ohne bibliſche Beihülfe deutlich gemadt u werden. Völker, welche weder wie wir das jüdiſche dane Glaubensgebäude noch überhaupt den Monotheismus in hatten, beſaßen oft trotzdem doch die edelſten Moral 1 begriffe. an — All Kuile ia dun


