Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
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und Rüſtungen in den Straßen auf, durch welche der König einziehen ſollte. Der Magiſtrat der Stadt, die vornehmſten Bürger und eine anſehnliche Zahl Reiter in hellfunkelndem Waffenſchmuck zogen hinaus vor das Frauenthor, um den König zu empfan⸗ gen. Endlich erhoben ſich in der Ferne Staubwolken; nach wenigen Minuten hielt der König vor dem feſt⸗ lichen Zuge, der ihm entgegengekommen war. In ein⸗ facher Rüſtung ſaß der Held hoch auf ſeinem ſtolzen Streitroſſe; neben ihm ritten der vertriebene Pfalz⸗ graf Friedrich, König von Böhmen, und viele andere Fürſten und Grafen. Sein ganzes Heer folgte ihm nach und zog hart unter den Mauern Nürnbergs weg nach Schwabach. Unter lautem Jubelrufe bewegte ſich der Zug durch das Frauenthor in die Stadt. Unbeſchreiblich war das Frohlocken, welches den König hier empfing. Thränen der Freude rannen über die Wangen der Bürger, als ſie die heldenmüthige Ge⸗ ſtalt des herbeigekommenen Retters erblickten. End⸗ lich gelangte der Zug auf den Marktplatz. Der Kö⸗ nig ſtieg von ſeinem Roſſe und begab ſich mit den Vornehmſten aus ſeinem Gefolge und dem Magiſtrat in das Rathhaus. Hier wurde er in feierlicher Rede von den Rathsherren begrüßt und beglückwünſcht. Zwei derſelben überreichten ihm prachtvolle Geſchenke, Beweiſe des Reichthums und der Kunſtfertigkeit der Stadt, unter welchen ſich zwei kunſtreiche ſilberne, reich vergoldete Trinkgeſchirre, Erd⸗ und Himmelsgloben darſtellend, auszeichneten. Guſtav Adolph nahm die Geſchenke freundlich auf und ſprach: V

Ich bedanke mich für das Geſchenk, welches Ihr mir verehrt habt; doch könnt Ihr mir nichts Beſſeres verehren, als Beſtändigkeit bei dem allgemeinen evan⸗ geliſchen Weſen. Ich bitte, Ihr wollt Euch ja nicht davon abſchrecken laſſen, nicht durch Furcht oder Schre⸗ cken, nicht durch Verheißungen oder Drohungen, nicht durch Eitelkeit oder andere Leidenſchaften. Nach vielen andern herrlichen Worten ſchloß der König: Wunderbar hat Euch Gott erhalten, wie er mich denn auch zu dieſem Werke berufen. Denn ich hätte mich eher des jüngſten Tages verſehen, als daß ich nach Nürnberg kommen ſollte. Mein armes Land und Leute und was mir lieb iſt, habe ich verlaſſen und manchen treuen Helden mit mir herausgeführt, welche ihr Leben neben dem meinigen gewagt. Duldet und leidet noch etwas, bleibet treu, ſo wird auch Gott ferner ſeine Gnade geben, daß dieſe Stadt grüne, blühe und zunehme, damit Euer Ruhm in der ganzen Welt ſich ausbreite. 8

Mit unausſprechlichem Jubel wurden dieſe Worte vernommen; Aller Herzen ſchlugen dem Könige ent⸗ gegen. Man gab ihm die Verſicherung der Treue und

Novellen⸗Jeitung.

Anhänglichkeit und verſprach in dem großen Kampfe muthig auszuharren.

Der König und die Vornehmſten ſeiner Begleiten

wurden hierauf fürſtlich bewirthet, während das an⸗ dere Gefolge des Königs von den Bürgern mit Jubel aufgenommen wurde.

Dem Rathhauſe gegenüber, zur Rechten des ſchönen Brunnen, ſtand ein hohes mit einem Thürn⸗ chen verziertes Haus; es gehörte dem berühmten Ge⸗ ſchlecht von Leubelfing. Der Beſitzer des Hauſez, Baron Otto von Leubelfing und Stadtoberſter, ſaß in einem großen, mit kunſtreichem Schnitzwerk verzierten Lehnſtuhle am Fenſter des Erkers. Helle Freude glänzte aus ſeinen Augen und ließ ihn die ſchmen⸗ hafte Krankheit vergeſſen, welche ihn heimgeſucht hatte. Es war die Freude über die Ankunft des Schweden⸗ königs, welche ſein Herz bewegte. Da wandte er ſich verwundert an ſeinen Sohn und ſprach:Aber Auguſt, Du biſt ja bei all dieſem Jubel und dieſer Herzens⸗ freude ganz ſtumm? Was iſt Dir denn Leids wi fahren? Heute ſoll Niemand ein unwirrſch Geſt zeigen.

Auguſt von Leubelfing, kaum neunzehn Jahre zäͤß⸗ lend, aber ſtolz und kräftig aufgewachſen, antworteten Vater, Ihr ſollt es wiſſen, was in meiner Bruſt vorgeht. Ach, wenn es Euch nur nicht betrübt! Aber nein, es kann Euch nicht betrüben. So wiſſet denn. mein Entſchluß ſteht feſt, auch ich ziehe mit hinaus in den großen Kampf. O, hättet Ihr ihn ſprechen hören, den großen König, drüben auf dem Rathhauſe, wie er Aller Herzen gewann! Gebt mir einen Degen, laßt mich mit ihm ziehen! Mit dieſen Worten knieie der begeiſterte Jüngling vor dem greiſen Vater nieder. umſonſt waren alle Vorſtellungen des Vaters. Auguſt

beharrte auf ſeinem Entſchluß.Glaubt mir, Vater,

rief er,es iſt Gottes Ruf und Stimme, die mich von dannen treiben. Laßt mich mit ihm ziehen, wir ſtehen ja Alle in Gottes Hand.

Mit gerührter Sttmme und thränenden Augen

entgegnete der Vater: dann ziehe hin und folge dem Rufe,

der an Dic

men und Deinen Ahnen Ehre.

Fröhlichen Herzens erhob ſich der Jüngling und eilte hinüber zu dem Könige. Mit Mühe gelang 88 ihm, durch das Gedränge in die Nähe Guſtav Adolphes zu gelangen. Endlich ſtand er vor dem Helden, beugte ſeine Kniee und brachte in wohlgeſetzter Rede ſein Au⸗ liegen vor. Aufſtehen und ſprach:Stehet auf, Junker, es ziem ſich nicht, vor einem Menſchen das Knie zu beugen,

dieſe Ehre gehört Gott allein. Euer Weſen gefällt

Wenn es ſo mit Dir ſteht

ergangen. Ziehe mit Gott und mache Deinem Na⸗

Der König reichte ihm die Hand zun

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