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Auerſtädt entronnen waren und nun hier unter den Wällen der Feſtung Schutz ſuchten. Der König, wel⸗ cher an dem verhängnißvollen Tage perſoͤnlich Wun⸗ der der Tapferkeit gethan und dem man ein Pferd unter dem Leibe erſchoſſen hatte, war ſchon am 17. October in dieſer Stadt eingetroffen, und man glaubte einen Augenblick, er werde die Armee hier ſammeln und dem Feinde den Uebergang über die Elbe ſtreitig zu machen ſuchen. Da er jedoch hörte, daß derſelbe bereits bei Deſſau dieſen Fluß überſchritten hatte, ſo übertrug er dem Fürſten von Hohenlohe den Ober⸗ befehl über das zerſprengte Heer, befahl ihm, daſſelbe auf das rechte Ufer der Oder zu führen, und ging. ſelbſt, nur von dem General von Köckeritz und wenigen Officieren begleitet, bei Tangermünde über den Elb⸗ ſtrom.
Magdeburg blieb jetzt ſich ſelbſt und der Ver⸗ theidigung ſeines Gouverneurs, des Generals der In⸗ fanterie, Grafen von Kleiſt, überlaſſen.
Es hatte noch immer eine Beſatzung von 23,000 Mann, war hinreichend mit Proviant verſehen und wohl im Stande, eine nachhaltige und dauernde Be⸗ lagerung auszuhalten.
Herr von Kleiſt hatte auch geſchworen, ſich ſo lange zu vertheidigen,„bis ihm das Schnupftuch in der Taſche brenne“, und ließ wirklich, als Marſchall Ney nun mit 7000 Mann vor der Feſtung erſchien, als Antwort auf die von ihm ergangene Aufforderung zur Uebergabe, den am„rothen Horn“ gelegenen Elb⸗ arm durchſtechen und eine Anzahl in der Vertheidi⸗ gungslinie liegender Windmühlen und Gebäude nieder⸗ brennen.
Herr von Schill hatte, wie wir wiſſen, in der am alten Markt gelegenen Wohnung des Sprachleh⸗ rers Berr ein Unterkommen gefunden. Er litt ſchwer an ſeinen Wunden, aber Jugend und ſorgfältige Pflege entriſſen ihn dem Tode, und jetzt befand er
ſich wieder auf dem Wege der Beſſerung, wenn auch
ſeine Kräfte noch nicht zurückgekehrt waren.
Rothenſee und Werdau ſaßen an ſeinem Bett, zu welchem von Zeit zu Zeit Madame Berr trat, um uhrem leidenden Gaſt einen neuen Verband anzulegen, oder durch irgend ein freundliches Wort ein ſchwer⸗ müthiges Lächeln auf ſeine bleichen Lippen zu rufen, denn wenn ſein Körper Schmerzen empfand, ſo ſchien ſeine Seele von nicht minderer Pein befangen.
Eines Tages traten die beiden Freunde in gro⸗ ßer Aufregung in das Zimmer des Kranken.
„Was giebt es?“ fragtendieſer,„denn ich ſehe es an Eueren beſtürzten Geſt tern, daß ſich etwas Außergewöhnliches ereignet hat.“
„Was ſoll es geben!“ antwortete Rothenſee, auf⸗ 4
Novellen⸗
Zeitung.
geregt auf⸗ und abſchreitend,„maßloſen Verrath gie bt es, der ja jetzt überall an der Tagesordnung iſt; as unterliegt jetzt keinem Zweifel mehr, daß wir uns nunmehr auch hier täglich auf eine ſchmähliche Ueher⸗ gabe der Feſtung gefaßt machen können.“
Schill ſeufzte bei dieſer Aeußerung tief auf, wäh⸗ rend er gleichzeitig krampfhaft ſeine Hände zuſammen
preßte.
„Dieſen Morgen,“ fuhr Rothenſee fort,„hah Herr Kleiſt die Unterhändler des franzöſiſchen Gener lcher das Belagerungscorps commandirt in ſein ohnung empfangen. Nach einer mehr ſtündigen Unterredung ſcheute er ſich ſogar nicht, die ſelben mit der größten Zuvorkommenheit bis an der Wagen zu begleiten, welcher ſie wieder über den Rayon der Feſtung hinausbringen ſollte.“
„Es iſt empörend!“ ſtöhnte Schill, während ſic
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ſiort, Mäu
in ſeinem Geſicht der Kampf ſeines Inneren abſpit gelte.
„Und wen glauben Sie wohl, daß wir unter d ſer ſonderbaren Geſandtſchaft erblickt haben?“ fügte Werdau hinzu.
„Nun?“
„Sie erinnern ſich doch noch, daß wir Ihnen ven einem gewiſſen Herrn Schulze aus Berlin und deſſn. Tochter erzählten, in deren Wohnung ich eines Tages hier mit dem Grafen in ſo ſonderbarer Weiſe zuſame mentraf.“
„Allerdings.“
„Nun, Herr Schulze, der caſſirte preußiſche Be⸗ amte, der geweſene Winkeladvocat, erſchien als fran⸗ zöſiſcher Dolmetſcher, und Mademoiſelle Tochter hal ſich das Vergnügen gemacht, den Herrn Papa en grande toilette zu begleiten.”“*)
„Die Geier wittern den Fraß,“ ſagte Schill mit großer Bitterkeit.„Haben Sie geſprochen?“
„Mit ihm ſelbſt nicht, aber mit ſeiner Tochte
die mich beim Einſteigen in den Wagen erkannte und mich mit der größten Unbefangenheit anredete. Sit erzählte mir, ihr Vater ſtehe jetzt in taiſerlichen Diegt ſten, ſie ſelbſt ſei die Braut eines franzöſtſchen Capt⸗ tains, und ſobald nur die Uebergabe der Feſtung ſtattgefunden habe, welche man jeden Tag erwarte, werde ihr Vater die Leitung der Polizei übernehmen
„Genug!“ rief Schill,„von einem Subject wie dieſer Herr Schulze iſt, kann man wohl nichts Beſſe res erwarten, aber immer flößt es Ekel ein, überal
*) Ein ſolches Subject Namens Schulze, ein ehemaliger
Kriegsrath aus Breslau, ſtand während der Zeit, wo Meagdedu 1 in franzöſiſchen Händen war, dort an der Spitze der geheimen
Polizei.
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