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„Sie theilen das Schickſal von Tauſenden braver Soldaten,“ tröſtete Rothenſee.
„Nein, nein,“ rief Schill,„lieber ein Ende mit Schrecken, als Schrecken ohne Ende! O mein armes Vaterland— o meine edele, hochherzige Königin!“
„Sie waren alſo während der Schlacht detachirt?“ fragte der Graf.
„Man hatte mich hier am Eckartsberge, auf die⸗ ſem abgelegenen Poſten, zur Feldwacht commandirt. Kurz vor Ihrem Erſcheinen wurde ich angegriffen und von meinen Dragonern getrennt und verſuchte nun allein, ſo gut ich konnte, mich meiner Haut zu wehren.“
„Hier iſt ein Braver Ihres Regiments,“ ſagte Rothenſee, auf unſeren Bekannten zeigend,„wir haben auf dem Schlachtfelde mit einander Bekanntſchaft ge⸗ macht und Freundſchaft geſchloſſen.“
„Werdau!“ rief Schill bewegt, indem er dieſem liebevoll die Hand entgegenſtreckte,„ein trübes Wie⸗ derſehen, mein armer Junge, das einem braven Mann das Herz wohl bis auf's Innerſte erſchüttern kann.“
Dann aber griff er nach ſeinem neben ihm lie⸗ genden Hute und ſagte:
„Sollſt mir von nun an ein theures Andenken ſein an dieſe Stunde!... Ja, meine Herren,“ fuhr er fort,„dieſer Hut rettete mir das Leben, und wiſſen Sie, wie das kam?— Als unſer Regiment ſich im vorigen Jahre auf dem Marſche nach Thüringen be⸗ fand, und daſſelbe auch Charlottenburg paſſirte, hatte die Königin die Gnade, uns Officiere zur Tafel zu ziehen. Zu dieſem Zweck ſchafften wir uns neue Hüte an, und bei der Eile, mit welcher dies geſchah, erhielt ich einen, der mir zu groß war und den ich deshalb tark auswattiren laſſen mußte. Heute nun hat dieſe eihre Dienſte gethan, denn ihr verdanke ich es ie franzöſiſchen Klingen nicht ſo tief in gedrungen ſind, als dies wohl a wäre.“ echen angegriffen, ſchloß der r die Augen und lehnte von pft an den Stamm des Bau⸗ ß. enfalls aus mehreren Wun⸗ und tauſchten mit einander das ſtumme Verſprechen den unter keinen Umſtän⸗
der Bruſt Schill's ein und ſeine matten Blicke en aufſchlagend, ſagte er: Das Unglück des Va⸗
Novellen⸗Zeitung.
für mich ſeinen Werth verloren. Laßt mich hier lie gen, bis es Gott gefällt, meine Augen für immer zü ſchließen, denen es dann wenigſtens erſpart werden wird, die Schmach mit anzuſchauen, welche ich ſchan im Geiſte von allen Seiten hereinbrechen ſehe.“
„Nein,“ antwortete Rothenſee,„verlaſſen werdein wir Sie unter keinen Umſtänden. Können Sie nicl 5 weiter, nun, ſo theilen wir Ihr Loos. Aber d Verzweiflung darf ſich eine ſo ſtarke Seele, wie dgs. Ihrige, nicht hingeben. Das Vaterland bedarf ſeim Söhne jetzt nöthiger als je, und was ſollen die Zwe felhaften thun, wenn die Muthigen verzagen 27
„Das iſt wahr,“ ſagte Schill nach kurzem 1
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denken,„der mich marternde Schmerz ließ mich a einen Augenblia in Schwäche verfallen. Aber i will wieder ſtark ſein,“ fuhr er entſchloſſen fort, inde er ſich emporraffte,„ich will den Blick wieder hoffen in die Zukunft richten, ich will an eine Vergeltun an eine Auferſtehung glauben!.. Wiſſen Sie, woht mnn ſich der König gewendet hat?“ md „So viel mir bekannt, nach Magdeburg, wo ſa i! die Armee wieder ſammeln ſoll.“ dhen „Wohlan, ſo verlaſſen wir dieſen unheilvollſiulc Ort und ſuchen auch wir uns dorthin durchzuſchlgho gen.“ gider Der Schwerverwundete erhob ſich bei dieſen Waſt S ten mit einer Kraft, welche ihm nur die Energie ſe nes Geiſtes verleihen konnte. Er verſuchte ſogar Lüdte, lacheln, aber ſein ſchwankender Schritt ſtrafte dieſäsfef Lächeln Lugen. Dennoch gelang es ihm mit Hülſoren ſeiner Gefährten das Pferd zu beſteigen, welches iüpedin mit ſeinem Kopfe ſchmeichelnd verührte, als er ſit ihm näherte. liene „Bald wird es Tag ſein,“ ſagte Rothenſee, aſeen alle Drei langſam vorwärts ritten,„und dann könnſt wir uns orientiren; einſtweilen glaube ich aber, deßrpe wir uns auf dem richtigen Wege vefinden, und dſean wir nicht mehr fern von Weißenſee ſein können.“— Der Graf hatte richtig vermuthet. Nach Verlacay einer Stunde erblickten ſie die erſten Häuſer dieſſet Städtchens, ſie hatten aber auch nun das ganze Bihg. der Auflöſung, die ſich der fliehenden Armee vemäge rigt, vor ſich. hf Unaufhörlich wälzten ſich auf der Heerſtraßer theils größere, theils tleinere Abtheilungen Infantelthn und Cavallerie in buntem Gemiſch vorwarts. 2 Disciplin war nicht mehr zu deuken, nur ſelten ſſte man noch hier und da ein Bataillon oder eine Schupte dron einigermaßen in Ordnung vorüberziehen. lMpaon berall ein buntes Chaos, eine gahrende, regell Maſſe, die möglichſt ſchnell vorwärte zu kommen ſuchfſ n
bchen— das Leben hat
Schill ſchüttelte traurig mit dem Kopfe und fſ


