Novellen⸗-Zeitung.
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Von Auerſtädt bis Berlin.
1 Hiſtoriſche Erzählung
von Carl von Keſſel. (Fortſetzung.)
Wieder ging es in ſcharfem Trabe durch das dunkel der Nacht. Plötzlich hielten beide Reiter wie af Commando die Pferde an.
„Hörten Sie nichts?“ fragte Rothenſee ſeinen Igleiter.
„Still!— Ja, wahrhaftig, jetzt vernehme ich anz deutlich Waffengeklirr, deutſche Worte und fran⸗ wiiſche Flüche!.. Vorwärts, Graf, hier thut Hülfe tnh, und ſo Gott will, wird dieſelbe nicht zu ſpät onmen!“
Die beiden Flüchtlinge drückten ihren Pferden n Sporen in die Flanken und jagten einem freien Patze zu, der am Abhang eines Berges lag.
n Das Erſte, was ſie erblickten, war ein einzelner Hläter, welcher ſich verzweiflungsvoll gegen ein halbes ditzend franzöſiſcher Chevauxlegers wehrte. Hagel⸗ ſtt flogen ſeine Streiche, und zu wilden Sätzen tum⸗ delte er ſein bereits verwundetes Pferd. Aus ſeiner
luchlöcherten Uniform drang an verſchiedenen Stellen
1 Zut, während der dreieckige Hut, den er auf dem
eepfe trug, hauptſächlich die Zielſcheibe der feindlichen
zube bildete.
6 Aber bereits wurde ſeine Vertheidigung matter,
in Arm begann zu erlahmen, und man ſah, daß er
ch nur noch mühſam aufrecht hielt.
Plötzlich tönte ein Hurrahruf ganz in der Nähe; i durch Zauber erſchienen zwei neue Kämpfer auf n Schauplatz, und ein paar kräftige Arme räumten ſit ihren Schwertern unter den Franzoſen, die ſich unerwartet angegriffen ſahen, auf.
Nach einem Gefecht von zehn Minuten war die wis zene gänzlich verändert, die Franzoſen, theils ge—
ſäntt, theils verwundet, hatten das Schlachtfeld ver⸗
8 ſen.
n Menſun
Vierte Folge.
Der Officier, welcher ſich ſo heldenmüthig ver⸗ theidigte, lag jetzt leblos auf dem Boden, während ſeine Hand die Zügel ſeines Pferdes noch krampfhaft umfaßt hielt.
Werdau und Rothenſee waren abgeſtiegen und eilten auf den Bewußtloſen zu, um zu ſehen, ob ihm noch zu helfen ſei. Der Mond beleuchtete das bleiche Geſicht deſſelben, als Beide ſich über ihn beugten, faſt gleichzeitig aber auch einen Schrei des Schmerzes und des Erſtaunens ausſtießen.„Herr von Schill!“ tönte es gegenſeitig von ihren Lippen, während ſie den In⸗ halt ihrer Feldflaſchen leerten und dieſem damit Stirn und Schläfe rieben.
Anfangs war ihr Bemühen vergebens, bis end⸗ lich der Schwerverwundete die Augen aufſchlug.
„Bin ich gefangen?“ fragte er mit matter Stimme, wobei ſeine Hand gleichzeitig nach ſeinem Kopfe fuhr, der fieberhaft glühte und an mehreren Stellen ſtark blutete.
„Nein, Sie ſind unter Freunden,“ ſagte Rothen⸗ ſee,„aber mein Gott, Sie werden ohnmächtig; ge⸗ ſchwind, Werdau, ſehen Sie, wo Sie etwas Waſſer finden.“.
Wirklich ſchloß Herr von Schill vor Erſchöpfe wieder die Augen und ſank in den Armen aus zuſammen, der ihn ſo behutſam ue und mit dem Rücken an den nä
Inzwiſchen war auch Werz ſer zurückgekehrt, und indem ¾ damit Geſicht und Kopf bei wieder zum Bewußtſein zurü
„Iſt die Schlacht gewon welche über Schill's Lippen
Der Graf zuckte mit;
„Die Armee iſt zerſp zog von Braunſchweig tö befindet ſich auf der Flus
„O, o,“ ſtöhnte So leben!— und ich konnt der heldenmüthige Prin⸗ feld, einen ehrenvollen


