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Pferd bei geringer Cultur dieſelbe oft noch mehr herabbrachte, während ſein Beſitz in eine höhere Cultur wohlthätig eingriff. Auch die Hunnen und mongoliſchen Tataren, die unter Dſchingischan und Timurleng Deutſchland und dem ganzen geſitteten Europa ſo gefährlich wurden, wären wahrſcheinlich ohne Pferde friedliebende Nomadenvölker geblieben oder gar Ackerbauer geworden.)
Entflohene Pferde verwilderten in den amerikaniſchen Steppen, weßhalb dieſe in der ſüdlichen und nördlichen Hälfte des neuen Erdtheils von Millionen wilder Pferde und eben ſo durch entlaufene Rinder von ähnlichen Zahlen derſelben bevölkert wurden, auf welche die Indianer dann Jagd machten und es noch thun.
Die Büffeljagd wurde erſt durch das Pferd eine ein⸗ trägliche Beſchäftigung, Zelte und Karren der Familien wur⸗ den leicht von Zugpferden fortgeſchaft und das Wandern außerordentlich erleichtert. In großen Heerden durchirren verwilderte Pferde die Grasebenen der großen Ströme, füh⸗ ren förmlich Krieg mit gezähmten und zwingen ſie, ſich ihnen anzuſchließen. Kommt aber die heiße Jahreszeit, in welcher Bäche und Gräben verdorren, dann ergreift eine Art Tollheit die vom Durſt gepeinigten Thiere. Mit geöffneten Nüſtern, erhobenem Schweife ſprengen ſie im wildeſten Lauf den Or⸗ ten zu, wo ſie Waſſer wittern. Was ſtürzt, wird zertreten, wer zuerſt an's Waſſer kommt, wird niedergeriſſen und zer⸗ ſtampft, ſo daß Tauſende von Pferdeleichen ſolche Tränkſtellen bezeichnen und die geſammelten Knochen, denen Geierſchwärme das Fleiſch abnagen, Gegenſtand der Ausfuhr werden. Am La Plata wird ein Gebiet von 200 Qu.⸗Meilen nur von verwilderten Pferden bewohnt, und auf einzelnen Meiereien hält man wohl an 50,000 Stück kaſtanienbrauner Abkömm⸗ linge andaluſiſcher Race. Vor Jahrhunderten kaufte man für ein Hufeiſen 6 Pferde, für zwei Nähnadeln eins, denn durch Einblaſen von Tabaksrauch in die Nüſtern bändigt der Indianer ſchnell jedes friſchgefangene Pferd. Mitunter ſchlachtet man Pferde wie Rinder maſſenweiſe, um Haut, Haare, Talg und dergleichen nach Europa zu verkaufen. An Ort und Stelle koſtet eine Haut oft nur neun Kreuzer (3Sgr.), das ganze Thier koſtet aber nicht ſo viel, da das Ab⸗ ziehen der Haut Mühe macht. Es mag dort nach mäßiger Schätzung 3 Millionen Pferde geben, in den Orinoco⸗Ebe⸗ nen 200,000, und nicht minder groß iſt die Zahl dieſer Thiere in Mexico und den angrenzenden Ebenen, da einzelne Grund⸗ beſitzer Heerden von 50— 300,000 Stück beſitzen. Aehn⸗ liches läßt ſich von Auſtralien, Neuſeeland und manchen Südſeeinſeln ſagen, wohin die Europäer dieſe Thiere brach⸗ ten, wie umgekehrt die Franzoſen den Beſitz von Algerien benutzten, durch Berberroſſe die einheimiſche Race zu veredeln. Erhielt doch ſelbſt China(?) erſt durch ruſſiſche Karawanen Klee und Pferde, wie auch die indiſchen Inſeln von Europa Pferde empfingen.
Während das Pferd durch Europäer alſo von Erdtheil zu Erdtheil verbreitet wurde, bemühten ſie ſich daheim, dieſes herrliche Thier durch Miſchung einheimiſcher Racen mit echten arabiſchen zu veredeln. Die nordiſchen Pferde, welche in Rußland, Polen, Preußen, Finnland und auch in Ungarn
Novellen⸗Zeitung.
roſſe holt, weil ſie nur andaluſiſche Hengſte reitet.(Es iſt bei dieſerz Wahrnehmung auffällig, daß gerade in jener ſpa⸗ niſchen Provinz die beſten Pferde ſind: Andaluſien, Vanda⸗ luſien hieß ſie nach dem Volk der Vandalen, die ſich unter ih⸗ rem König Geiſerich dort aufhielten und zur Zeit Valentini⸗ an's III. nach Afrika erobernd hinüberzogen. Dieſe Vandalen; waren ein Reitervolk, und vielleicht ſtammt die gute Pferde⸗ gattung noch von ihnen her, denn man darf nie denken, daß zur Zeit der Völkerwanderung alle Bewohner eines Lande fortzogen; diele derſelben blieben zurück und ſetzten die he
gonnene Beherrſchung und Bebauung deſſelben fort, wen
ſie nicht von andern vertrieben wurden oder ſich mit dieſen neuen Eroberern vermiſchten.)
Frankreich beſitzt nur in den normanniſchen Pferden
tüchtige Wagenpferde und in den Limouſinern Kriegseoſſe fü leichte Cavallerie, muß aber jährlich noch 24,000 hinzu⸗ kaufen.
Karl II. 1666 orientaliſche Pferde zur Zucht ankaufte. Erſt 650 nach Chriſto lernte man in England das Pferd ſatteln, Heinrich VIII. gebot, daß jeder Geiſtliche, deſſen Frau eim franzöſiſche Haube oder ſammetne Mütze trage, einen Reit⸗ hengſt beſitzen müſſe. Trotzdem konnte Jakob I. nur 2000 Krieger beritten machen, wogegen England jetzt ca. 2 Milli⸗ onen Pferde ernährt, da es allein 6— 800,000 Luxuspferd unterhält. Annähernd kann man behaupten, daß Europ
jetzt ungefäͤhr 30 Millionen Pferde ernährt. Auf Aſtu
könnte man 50, auf Amerika 20, auf Afrika 2, auf Auſtm lien 1 Million, zuſammen alſo ungefähr 100 Milliong Pferde im Werthe von 10,000 Millionen Thaler rechnen. Zwar iſt es eine Streitfrage, zu welcher Thiergruppt das Pferd eigentlich gehört und ob es wirklich wilde Pferde giebt, doch findet man, wie ſchon erwähnt wurde, im nörde chen Aſien vom Aralſee bis in die chineſiſchen Hochflächen Pferde, die man für wilde halten kann und die ſich ſehr we ſentlich von den verwilderten unterſcheiden. Die wilden Pferde der Tatarei und Mongolei ſind einfarbig grau oden iſabellgelb, halten ſich in Heerden zuſammen, die von ſtarken Hengſten geleitet und geſchützt werden. Jeder Hengſt ha eine Zahl von Stuten und Füllen unter ſeiner beſonden Aufſicht und erſtreitet ſich dieſes Führerrecht durch haut Kämpfe mit Nebenbuhlern, vertreibt namentlich die jungen Hengſte, welche deßhalb von der Heerde abgeſondert weiden Wird der Führer jedoch beſiegt, ſo wird er verſtoßen, im einſam in der Steppe umher, bis er Feinden zur Beute win Verliert der Leithengſt das Leben, ſo trennt ſich ſeine Familt um ſich einer andern anzuſchließen. Der Pferdeſtaat beſteh daher aus Familien, deren Seinigen gewiſſenhaft ſorgt. loſen Steppe, welche man meilenweit überblicken kann, weidett
die Pferde nie ſorglos, ſondern eins um das andere erhelt
den Kopf, richtet das Ohr auf und blickt aufmerkſam nach allen Seiten umher.
machen Jagd auf ſie, ſondern auch Wölfe, Tiger und Löwen,
welche alljährlich aus den heißen Thälern Indiens Streifzüge e,, nach den heerdenreichen Steppen der Hochthäler unternehmen.it Darum müſſen die wilden Pferde ſtets auf Kampf um Le⸗
leben, finden die wenigſte Pflege. Sie ſind daher klein, mager und wenig anſehnlich, erhalten ſchlechtes Futter, zeigen aber trotzdem unermüdliche Ausdauer, da ſie faſt immer Trab laufen und ſelbſt die rauheſte Witterung im Freien ertragen.
Die früher berühmten neapolitaniſchen Pferde ſind entar⸗ tet, und in Spanien bewahrten nur die andaluſiſchen den alten Ruhm, weßhalb die ſpaniſche Cavallerie von dort ihre Kriegs⸗
Wittert der Leithengſt einen Wol dem Verwegenen entgegen Vorder⸗ ſchleu⸗ uft und
ben und Tod gefaßt ſein. oder Bären, ſo ſprengt er zornig bäumt ſich vor demſelben auf, ſchlägt ihn mit den hufen nieder, faßt ihn mit den Zähnen im Nacken und dert ihn, wenn der Feind nicht zu ſchwer iſt, in die 84 ſtampft ihn mit den Füßen, nachdem er
Englands Vollblutsrace iſt arabiſcher Abkunft, u
Oberhaupt für die Sicherheit din Denn auf der weiten baunte
Denn nicht nur Steppenbewohner i
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