Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
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in dienſtlichen Anforderungen, noch im ſonſtigen Be⸗ nehmen hatte merken laſſen.

Die Patriotin kehrte nun in ihre Heimath zurück

Novellen⸗Zeitung.

Das vaterländiſche Ehrenbuch iſt ſehr elegaut inn,

und lebt noch jetzt als Wittwe von einer kleinen Perſönlichkeiten wird durch circa 180 Abbildungen

Penſion zu Bremen.

in Tondruck und Holzſchnitt unterſtützt.

JFeuilleton.

Bilder aus dem Leben des Pferdes.

Das uns Naheliegende pflegt in der Regel das Intereſ⸗ ſanteſte zu ſein, obgleich man gewöhnlich glaubt, im Selt⸗ ſamen, Entfernten das Feſſelnde ſuchen zu müſſen. Zu den beachtenswertheſten Erſcheinungen, deren Erkenntniß oft noch am wenigſten verbreitet iſt, gehören ohne Frage unſere Haus⸗ thiere. Keines davon bietet ſoviel geſchichtlichen Fonds zu ſeiner Schilderung dar als das Pferd, und wir wollen hier einige von den Bildern und Charakterzügen, welche Körner in ſeiner Beſchreibung dieſer Begleiter des Menſchen giebt, mit Auswahl in kürzerer Form zuſammenfaſſen. Wir be⸗ halten uns dabei ein Eingehen auf das Werk ſelbſt noch vor.

An den großen geſchichtlichen Thaten nahm das Pferd von Alters her thätigen Antheil. Ohne die Beihülfe des Pferdes würde die Weltgeſchichte ärmer an hervorragenden Thaten ſein. Die Helden von Troja kämpften vom roſſe⸗ beſpannten Schlachtwagen herab; mit Streitwagen zogen die Pharaonen des alten Aegyptens aus auf weite Kriegszüge, mit ihnen durcheilten die Könige Babylons und Ninives die Länder ihrer Feinde, und die Stärke der perſiſchen Heere beſtand in der berittenen Leibgarde des Kriegsadels, der in gold⸗ und ſilberſchimmernder Rüſtung, in bunter, perlen⸗ blitzender Kleidung auf muthigen Schimmeln ſich um den königlichen Wagen ſchaarte und mit niederwerfendem Unge⸗ ſtüm ſich auf den Feind ſtürzte.

Berittene Nomaden zogen von den unabſehbaren Step⸗ pen und Bergabhängen Oſtaſiens herab nach den grasreichen Niederungen um den kaspiſchen See und um das ſchwarze Meer und begannen damit die begebenheitsreichen Völker⸗ wanderungen, welche Europa eine ganz neue Staatenordnung und neue Herrſchervölker gaben. Gothen, Longobarden, Vandalen und Sueven, Magyaren und Mongolen durch⸗ eilten auf behenden Roſſen weite Landesſtrecken und unter⸗ warfen im ſtürmiſchen Anlauf deren Bewohner.

Den berittenen Kriegsvölkern der Germanen war das Pferd nicht minder ehrwürdig, als Indern und Perſern. Sie gaben ihm ſchöne Namen, denn ſie nannten es Rappe, Schimmel, Roß, Märe, Pferd und Gaul, deren ſinnige Be⸗ deutung ſich noch errathen läßt. Dem kriegeriſchen Deutſchen war der kluge treue Gefährte ſeiner Kriegsthaten und Kämpfe ganz beſonders lieb, er ehrte es daher auch aus vollem Ge⸗ müth und gab ſich ſelbſt gern den ehrenvollen Heldennamen nach dem muthigen Roſſe. Die Kriegsfürſten Hengiſt und Horſa(Hengſt und Roß) eroberten Britannien; Dankmar, Gelimar, Marquard, Siegmar, Vollmar, Godomar und Andere nannten ſich Schlachtpferde, denn dies bedeutet die Endungmar, von welcher die Wörter Marſtall und Marſchall abſtammen. Sie heißen alſo Ehrenpferd, Mun⸗

terpferd, Pferdehüter, Kampfroß, Starkroß, Gutpferd u. ſ. w.

Weil das Pferd den Germanen als ein heiliges, dem Menſchen hülfreiches Thier verehrt wurde, ſo ſtellten ſie das⸗ ſelbe auch unter den beſonderen Schutz ihrer Geſetze, denn wer ein Pferd raubte, wurde ſo beſtraft, als ob er einen Knecht geraubt hätte, und die Verwundung eines Pferdes be⸗ urtheilte man wie die des Reiters ſelbſt. In Burgund durſte der Zelter der Damen ſogar in das Geſellſchaftszimme kommen, um Brod und Wein zu empfangen.

So alt wie die Geſchichte der Menſchheit iſt auch die des Pferdes, daß man weder ſeine Heimath kennt, noch das Land, wo es der Menſch zu bändigen verſtand. Inder und nach ihnen Griechen und Römer nannten das Pferddan Schnellen, die Kelten oder Gallier nannten esMärt d. h. das groß und ſchön gewachſene Thier. Aus dem lats niſchen Worte caballus entſtand das Wort Gaul, und alf dem Worte parafredus(Nebenpferd) das Wort Pferd.

Soweit die Nachforſchungen über die Heimath der Pferdes etwas ermitteln können, ſcheint die Wüſte Gobi in Hochaſien mit ihren benachbarten weiten Berghalden un Gebirgsabflachungen das älteſte Vaterland des Pferdes ſu ſein, denn dort findet man es noch heerdenweiſe im wilden Zuſtande. Von dort aus mag es ſich über die nordweſtlichet und weſtlichen Steppen ausgebreitet haben, doch iſt dies in jenen unberechenbaren Zeiträumen geſchehen, als noch vor⸗ ſündfluthliche Elephanten oder Mammuths lebten, deren Fangzähne ſich abwärts krümmten. Dieſe Thiere waren mit Haaren bedeckt, wie ein wohlerhaltener Fund im Eiſe des Nordküſte Sibiriens bewieſen hat. Erdtheilen liegen Mammuths⸗ und Pferdeknochen in denſelben

Erdſchichten zum Beweiſe, daß jene Thiere Zeitgenoſſen la

waren.

Schon die Griechen und Römer wußten nicht, wohn das Pferd ſtamme, verſetzten deſſen Heimath bald in die Verg des Kaukaſus oder Spaniens und der Alpen, oder ſuchten ſi in den Steppen Südrußlands oder in den Ebenen Indiens In den älteſten Zeiten ſcheinen indeß Pferde noch ſelten ge weſen ſein, denn Homer(ca. 1000 v. Chr.) kennt noch kein Reiter, ſondern läßt nur die Könige auf zweirädrigen Kriegs⸗ wagen in die Schlacht fahren, und die Juden bedienten ſic bis zu Salomo der Eſel zum Reiten, wogegen die Carthagt ſich der Pferdezucht ganz beſonders befleißigten. Ihr Add

war beritten, und die Hauptſtärke ihres Heeres beſtand in derſiei

leichten Reiterei afrikaniſcher Nomaden. Abraham und Joſeph fanden allerdings in Aegypten

Auch in den übrigen

ausgeſtattet, und die Vergegenwärtigung der einzelnen ucbe Hauptſcenen des Krieges und ſeiner bervorragendſten bulen

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ſchon treffliche Pferde, doch waren die Aegypter noch nicht ſo

vertraut mit ihnen, daß ſie es gewagt hätten, dieſelben als

Reitpferde zu benutzen. In Griechenland waren Theſſalien und Arkadien die Hauptgegenden guter Pferderacen; Alexander's berühmtes Roß⸗