Novellen⸗
lich ein unvorhergeſehenes Ereigniß die längſt in Aus⸗ ſicht ſtehende Kataſtrophe herbeiführte.
Herr von Grünthal beſaß nämlich nur eine ein⸗ zige Tochter, die, fern von der Pedanterie ihres Va⸗ ters, im Laufe der Zeit zu einer blühenden, mit An⸗ muth des Geiſtes und einem ſanften Herzen ausge⸗ ſtatteten Jungfrau heranreifte.
Clotilde und der Sohn des Grafen von Rothenſee waren als Jugendgeſpielen und als Nachbarn aufge⸗ wachſen, und aus der Neigung der Kinder hatte ſich ſchließlich zwiſchen Beiden eine tiefe, innige Liebe entwickelt.
Dies lag aber keinesweges im Plan des Baron von Grünthal, denn im Stillen waren von ihm be⸗ reits mit einem entfernten Verwandten, einem Herrn von Bohnſtädt, der damals in Berlin lebte und bei Hofe in großem Anſehn ſtand, Verabredungen wegen einer Vagbindung Clotildens mit deſſen Sohn, welcher Kammerjunker war und die diplomatiſche Carrière ergreifen ſollte, getroffen worden.
Der junge Officier gerieth in Verzweiflung, als er hinter dieſen Plan kam, und ſeine Lage wurde noch peinlicher, als ſein Vater, deſſen Vermittelung er in dieſer Angelegenheit anſprach, mit Entſchiedenheit er⸗ klärte, er ſei durchaus nicht geſonnen, ſich vor Herrn von Grünthal zu demüthigen, und kurzweg jede Ein⸗ miſchung in dieſe Angelegenheit ablehnte.
Nun faßte ſich der junge Graf ein Herz, ließ ſich bei Clotildens Vater anmelden und hielt feierlich um deren Hand an.
Eine kalte, in ſehr ſtrenge, ceremoniöſe Formen gekleidete, aber mit großer Entſchiedenheit ausgeſpro⸗ chene Ablehnung erfolgte, eine heftige Antwort von Seiten des jungen Officiers ſchloß ſich hieran an, und der Auftritt endete damit, daß Graf Rothenſee erklärte, das Herz Clotildens gehöre ihm, kein Anderer ſolle es wagen, nach ihrer Hand zu trachten, und er werde mit allen ihm zu Gebote ſtehenden Mitteln darnach ſtreben, in ihren Beſitz zu gelangen.
Später hatten die jungen Leute bei einem großen Maskenfeſte in Berlin, welches der Hof gab, Gelegen⸗ heit, ſich heimlich feſt und feierlich mit einander zu verloben und ſich unter allen Umſtänden nochmals unverbrüchliche Treue zu ſchwören..
Ein heimlicher Briefwechſel wurde verabredet, und Clotilde, bei aller Sanftmuth doch feſt und entſchieden in ihrem Willen, fuhr fort, den Kammerjunker mit der größten Kälte zu behandeln, obgleich dies die Pläne der beiden Väter nicht im mindeſten zu ſtören ſchien und auch der ſo ſichtbar zurückgewieſene Bewer⸗
Zeitung.
folgen und auf dem Gute des Barons wenigſtens wi⸗ chentlich ein paar Mal zu erſcheinen.
In dieſer Lage befand ſich der junge Graf, als wir die Leſer mit ihm im Theater bekannt machten. Wir haben auch geſehen, wie er ſich durch eine in jugendlichem Uebermuth eingegangene Wette dazu verleiten ließ, Roſalien einen Beſuch abzuſtatten, wir wiſſen aber auch, welche Reue er unmittelbar darauf empfand, und wie er ſich mit dem Rechtspraktikanten, und deſſen Tochter, deren wahren Charakter er bald erkannte, durch Ueberſendung einer Banknote von fünfzig Thalern auf eine ſeinem Stande angemeſſene Weiſe abfand.
Als er am andern Morgen erwachte, fand er einen Brief auf ſeinem Tiſche, an deſſen Aufſchrift er ſogleich Clotildens Hand erkannte.
Von Unruhe und Beſorgniß ergriffen, erbrach en denſelben und fand nur folgende wenige Zeilen, mit zitternder Hand auf das Papier hingeworfen:
„Man will nun einmal mit Gewalt die Hei⸗ rath zwiſchen mir und dem Kammerjunker erzwil⸗ gen. Morgen trifft derſelbe auf dem Schloſſe ein, um officiell um meine Hand anzuhalten. Komm um rette mich— ich bedarf Deines Beiſtandes, den meine Kräfte verlaſſen mich—“
Eine Stunde darauf ſaß der junge Officier ſchan zu Pferde, und jagte, von ſeinem Diener beglettel, mit Sturmeseile vorwärts. Nach einem Parforceritt von acht Stunden hielt er vor dem Schloſſe und eilts klirrend die breite Treppe hinauf, und ehe es ſich Je⸗ mand verſah, ſtand er mitten im Empfangzimmer.
tete, wie aus der Erde gewachſen vor ihn trat, dies ſchien den alten Herrn vollends um ſeinen Verſtand zu bringen. 5
Der Kammerjunker aber biß ſich auf die Lippen
chem ſich Erſtaunen, Haß und Rachſucht gleichzeitig ausſprachen.
Clotilde endlich ſtand am Fenſter, ganz weiß kleidet, wie ein Lamm, welches zur Opferbank gefüht werden ſoll, und als ſie den jungen Officier nun mil
hin und her und wollte umſinken, der Graf aber w ihr einen ermuthigenden Blick zu,
ber ſich deshalb nicht abhalten ließ, ſein Ziel zu ver⸗
und warf ſeinem Nebenbuhler einen Blick zu, in wel⸗gu.
funkelnden Blicken und hochathmender Bruſt eintreten
ſah, ſtieß ſie einen leiſen Schrei aus, ſchwankte ar!
und da raffte ſte ſich gewaltſam auf, hielt ſich an der Stuhllehne felſene
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