Vierte
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Unſer Bekannter ſtand im Begriff, hiergegen Fiderſpruch zu erheben, als noch zur rechten Zeit ein blick Hedwig's ihn zu ſchweigen bat.
„Wir begegneten uns vor einigen Tagen im lheater,“ ſagte ſie ablenkend,„damals war ein jun⸗ ges Mädchen in Ihrer Geſellſchaft, deſſen Sie ſich ſehr eifrig annahmen.“
Hedwig hatte verſucht, dieſe Bemerkung ſo harm⸗ os wie möglich hinzuwerfen, dennoch konnte ſie nicht werhindern, daß ſich ihre Wangen mit einem leichten Roth überzogen und ihr Blick ſich etwas verwirrt zu boden ſenkte.
„Ja,“ entgegnete Werdau,„wir kannten uns ſhon ſeit Jahren— ich hatte mich an die Familie urgeſchloſſen. Bisher habe ich aber das Unglück ge⸗ gabt, nur Täuſchungen in der Welt zu erfahren, und kommt mir eben nicht ſo vor, als wenn ich unter zinem glücklichen Stern geboren wäre.“
Man ſah es Hedwig an, daß ſie über dieſe Worte gern noch einen näheren Aufſchluß gehabt hätte, aber ihre Beſcheidenheit verbot ihr weiter zu forſchen.
Zudem räusperte ſich der Kanzleirath, denn die ſtoße Standuhr unter dem Spiegel ſchlug eben neun, iund das war die Zeit, wo er gewohnt war, ſich nach ſinem Bureau zu begeben.
„Glück alſo auf den Weg!“ ſagte der alte Herr, ſitem ehemaligen Kanzliſten die Hand reichend,„ſoll nich herzlich freuen, wenn ich höre, daß es Ihnen gut giht und daß aus Ihnen einſt noch etwas Tüchtiges gworden iſt.“
„Vielleicht geht es mit dem Schwert beſſer als nit der Feder,“ entgegnete dieſer.
1„Und geſtattet es Ihre Zeit, ſo werden wir uns Staat tenn euen, wenn Sie uns mitunter eine Nachricht über emn Vünde ahre Perſon zugehen laſſen,“ ſagte Hedwig mit be⸗ Alte zl ethan aegter Stimme, obgleich ſie ſolches zu verbergen be⸗ en. nüht war.
irath nicht aeine Polt Mannes einen wohlthuenden Eindruck.
aher: Die Erfahrungen der letzten Tage hatten ſein edrich der En Gemüth mit Bitterkeit erfüllt; überall war er in ſei⸗ galten, ode ten Gefühlen verletzt, für einige freiſinnige Aeuße⸗ mern erſet tungen wie ein Verbrecher behandelt worden; Roſalie f Sturm, edlich, auf deren Liebe er ſo feſt gebaut, hatte ſich inlich ſchon diim erſten Erſcheinen eines Anderen leicht und ohne Schmerz von ihm abgewendet.
deriontu i6 Er fühlte das Bedürfniß für ſolche Freundlich⸗ flen dnſtät zu danken, und als er dies jetzt mit bewegter ccen, Stimme rhat, ſchien es ihm, als wenn ſich ein Flor
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6 4 run,9 Ihäne zwiſchen ihren Wimpern hervordrängte. S ie mochte übrigens wohl ſelbſt fühlen, daß ſie
Dieſe Worte machten auf das Herz des jungen
7„, 9m Hedwig's Augen legte und als wenn ſich eine hervorgerufen, die ſich von Jahr zu Jahr fortpflanzte,
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einen tieferen Blick in ihr Inneres hatte thun laſſen, als es ihre ſonſtige Zurückhaltung geſtattete, denn nach einer kurzen Verbeugung verließ ſie ſchnell das Zimmer, und nachdem Werdau dem Kanzleirath noch⸗ mals ein herzliches Lebewohl geſagt, ſtieg er nach⸗ denkend die Treppe hinunter.
Am andern Morgen fand er ſich zur feſtgeſetzten Zeit bei Herrn von Schill ein, und bald darauf waren Beide auf dem Wege nach Paſewalk, wo damals das Ansbach'ſche Dragonerregiment in Garniſon lag.
Der junge Graf von Rothenſee, Officier im Re⸗ giment Gensdarmen, welchen wir zuerſt im Theater kennen gelernt haben, gehörte einer begüterten Familie in der Altmark an. Sein Vater war ein heiterer, aufgeklärter Mann, der ſeinen Geiſt durch große Rei⸗ ſen ausgebildet hatte, dem es an Schärfe des Urtheils nicht fehlte, und welcher über die verknöcherten, pedan⸗ tiſchen Zuſtände ſeiner Zeit hinaus war und ſich, wenn er die Gelegenheit dazu fand, gern in ſarka⸗ ſtiſchen Aeußerungen über Lächerlichkeiten, die ihm begegneten, erging.
Sein nächſter Nachbar war der Baron von Grün⸗ thal, gerade das Gegentheil von ihm— eine ſteife Rococo⸗Figur, der vollendete Repräſentant des da⸗ maligen Zopfſyſtems, das er auch äußerlich durch ſeine lange, hagere Figur darſtellte. Er hatte längere Zeit am Hofe zu Berlin gelebt und war dadurch nur noch mehr ein Sclave der Formen und der Etiquette ge⸗ worden. Schon früh am Morgen war er gepudert und friſirt, und von den ſchwarzen Schuhen mit den goldenen Schnallen und den weißſeidenen Strümpfen, welche ſeine langen, dünnen Beine bedeckten, bis zur feinen Buſenkrauſe und dem blendend weißen Batiſt⸗ tuch, das ſeinen Hals umſchloß, fehlte ſeiner Toilette nichts, was ihm nicht möglich gemacht hätte, jeden Augenblick beim Lever oder bei der Cour zu erſchei⸗ nen. Er trug auch ſtets einen kleinen Galanterie⸗ degen an ſeiner Seite, den er keinen Augenblick ab⸗ legte, ſelbſt dann nicht, wenn er nur auf einige Mi⸗ nuten aus ſeinem Hauſe in den Hof trat, um zwiſchen den Wirthſchaftsgebäuden einen Gang zu machen, obgleich er dort in der Regel doch nur von Hühnern, Gänuſen und Enten begrüßt wurde.
Graf von Rothenſee hatte dieſe Lächerlichkeiten im Kreiſe ſeiner Bekannten oft gegeißelt, und Herrn von Grünthal waren dieſe Spöttereien über ſeine Perſon von bereitwilligen Zwiſchenträgern mehr als einmal mitgetheilt worden.
Dies hatte zwiſchen beiden Nachbarn eine Kälte
ohne daß ſie zum eigentlichen Ausbruch kam, bis end⸗


