Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
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eine Zeitlang Betrachtungen, welche augenſcheinlich auf ſeine eigene Perſon Bezug hatten und die, wenn ren trübe und mißmuthige Laune in Betracht zog, in w ablegten, daß er mit ſich ſelbſt nicht zufrieden ſei.

welches das Portrait einer jungen Dame von äußerſt ſanften und einnehmenden Zügen darſtellte, betrachtete daſſelbe eine Weile mit Blicken voll Innigkeit und Liebe und ſagte ſchließlich, indem er das Bild mit umdüſterter Stirn bei Seite legte:

Hier warf er ſich auf's Sopha und überließ ſich

e er nach und nach verſank, davon Zeugniß

Endlich holte er ein kleines Miniatürbild hervor,

Der erſten Sünde folgt in der Regel bald die zweite, und verſündigt habe ich mich an Deinem echt weiblichen Herzen, meine Clotilde, indem ich einen Augenblick vergeſſen konnte, was ich Dir ſchuldig bin, und mich durch das verlockende Aeußere eines mir unbekannten jungen Mädchens und durch die falſche Scham vor dem Spott meiner Cameraden zu einer Handlung des Leichtſinns hinreißen ließ. Mit wel⸗

Rovellen⸗Jeitung,

cher Ausdauer haſt Du bis jetzt allen Widerwärtig⸗ keiten, die ſich unſerer Liebe entgegenſtellten,

gekboten, mit welcher Beharrlichkeit die deertuaen

eines Mannes zurückgewieſen, welchen der Wille Dei⸗ nes Vaters Dir aufdrängen will, und ich.. nun, Gott ſei Dank, die Erkenntniß iſt mir noch zur rechten Zeit gekommen, eine eigentliche Schuld laſtet noch nicht auf mir, und noch iſt es Zeit, den begangenen Fehler wieder gut zu machen.

Der Graf trat an ſeinen Schreibtiſch, zog ein Fach deſſelben auf, langte eine Banknote im Werthe von fünfzig Thalern hervor und ſchlug dieſelbe in ein Papier, nachdem er vorher folgende Worte niederge⸗ ſchrieben hatte:

Ich ſtellte Ihnen die Regelung verſchiedener kleiner Geſchäfte für mich in Ausſicht; da mich nun eingetretene Umſtände daran verhindern, ſo erſuche ich Sie, den beifolgenden Betrag für die Dienſte, welche ich von Ihnen beanſpruchte, als eine kleine Entſchädigung anzunehmen.

So! ſagte der junge Officier, nachdem er den Brief zuſammengeſchlagen undAn Herrn Schulze, Spandauerſtraße 60 adreſſirt hatte,hiermit wird der Beſuch wohl zur Genüge bezahlt ſein, denn auf eine Plünderung meiner Geldbörſe war es ſchließlich doch wohl blos abgeſehen, und ich bedauere nur den jungen Mann, welcher wirklich an dem Mädchen mehr zu hängen ſcheint, als dieſes verdient.

Inzwiſchen beeilte ſich Wilhelm Werdau am an⸗ deren Morgen, ſein Vorhaben zur Ausführung zu bringen und von dem Kanzleirath Abſchied zu nehmen. Als er nun in der Charlottenſtraße, wo derſelbe

wohnte, die drei Treppen hinaufſtieg, und als er jeßt Un den Klingelzug in Bewegung ſetzte und Hedwig ihm ghul öffnete und ſeinen Gruß mit einer etwas kälteren altt Verbeugung als ſonſt erwiderte, da ſtand er freilich 1 auch hier ſchon im Begriff, die Launenhaftigkeit und zen den Wankelmuth des weiblichen Geſchlechtes anzu. klagen, als er aber ſagte:Mademoiſelle, ich kommeit um Abſchied zu nehmen, und Hedwig hierbei erſchw He cken aufblickte und leicht erbleichte und ihn dann mis wi harmoniſcher Stimme einzutreten bat, da war es ihm anhin als wenn ſich bei dem ſanften Hauch dieſer Worte in pohh⸗ die Wunde, welche ihm Roſalie geſchlagen, Linderun una ergöſſe..

Der Alte ſaß in ſeinem Lehnſtuhl und nickte ſteiſſ m und ernſt, als ihm Werdau einen guten Morgen agſt wünſchte, und wieder war es Hedwig, welche ihn, in einen Stuhl zuſchob und ihn freundlich Platz zu neh men bat. dgew

Habe ſchon Alles gehört, ſagte Herr Gotthelſ, thut mir leid, aber wie man ſich bettet, ſo ſchläff aem man. Habe es an Ermahnungen nicht fehlen laſſen e

Trotz ſich gebührender Maßen den Mund zuzuhalten, hat 3

aber leider nichts gefruchtet jetzt iſt das Unglün da, und was nun?

Ich bin entſchloſſen Soldat zu werden, erwe⸗ derte unſer Bekannter,und mein Herz treibt mic hierher, Ihnen ein Lebewohl zu ſagen und nochmals u für die väterliche Güte zu danken, die mir ſtets venüen

Ihnen erwieſen worden iſt. ichh

Jetzt reichte ihm der alte Mann gerührt die Hann n und ſagte: An Ihrem guten Herzen habe ich nie gezweifelt und vielleicht mögen Sie auch für die Schreibſtube nicht beſtimmt geweſen ſein. Der Staat braucht ſchweigſame, gehorſame Diener, die dem Bürger gutem Beiſpiel vorangehen, die das Alte zu erhaltſ ſtreben, und vor allem nicht raiſonniren.

Werdau wußte, daß der Kanzleirath nicht 3. Mann war, mit welchem man ſich in eine Polemit anne einlaſſen konnte, und er antwortete daher: d

Mag das Gebäude, welches Friedrich der Große aoni aufbaute, noch recht lange zuſammenhalten, oder iif[as G erneuertem Glanze aus ſeinen Trümmern erſtehen, ergen Wenn ich nicht irre, deutet Alles auf Sturm, un düh, auf dem Schlachtfelde wird wahrſcheinlich ſchon in ſene kurzer Zeit dieſe Frage entſchieden werden. eän

Darüber haben wir keine Reflexionen anzu ſtellen, entgegnete der Kanzleirath trocken,dem Un terthan kommt es nicht zu, der Weisheit der Regie⸗ p rung ſeine Anſichten entgegenzuſetzen; ſeine Pflich iſt zu gehorchen und gehorſam das auszuführen, was 18

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ihm geboten wird. 8