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bringt, werden in der gemeinſamen Vorrathskammer deponirt. Der Capitain hat den Schlüſſel dazu und beſtimmt die Ver⸗ theilung. Auf Lebensmittel haben die Reiſenden nur an Bord Anſpruch.
Art. 8. Die Dauer der Reiſen iſt nie begrenzt. Der Wille des Capitains allein entſcheidet hierüber. Dieſer ſelbige und alleinige Wille entſcheidet ohne Appel über die Ausſetzung eines oder mehrerern Reiſenden während der Fahrt.
Art. 9. Alle Spiele ſind an Bord, verboten.
Art. 10. Es iſt jedem Reiſenden ſtreng unterſagt, den Bord unter irgend einem Vorwande an Gewicht zu er⸗ leichtern.
Art. 11. Das Gepäck eines Reiſenden darf nicht mehr als 30 Pfund betragen und muß die Form eines kleinen Nachtſackes haben.
Art. 12. Mit ſeltenen Ausnahmen, über die der Capi⸗ tain allein zu erkennen hat, iſt es unbedingt verboten, an Bord und auf dem Lande innerhalb der Umgebung des Ballons zu rauchen.
Da keine dieſer Beſtimmungen ohne Bedeutung iſt, und die geringſte Nichtbeachtung, ſo kleinlich ſie ſcheinen mag, das Leben der Geſellſchaft in Gefahr bringen kan, ſo wird wiederholt darauf aufmerkſam gemacht, daß die Beobachtung dieſer Reglements dem Gewiſſen und der Ehre jedes Reiſenden empfohlen wird. Ueberdies war die Geſellſchaft mit Brief⸗ couverts verſehen, deren Adreſſe in acht verſchiedenen Spra⸗ chen den Finder derſelben erſuchte, die darin enthaltenen Mit⸗ theilungen über die Reiſenden des Géant dem nächſten Poſt⸗ amte zu übergeben. Alle dieſe Vorbereitungen und inſon⸗ derheit die Beſtimmungen über die mitgenommenen Lebens⸗ mittel ließen auf eine lange Luftreiſe ſchließen; der Ballon ſchwebte von einem leiſen Nordoſtwinde getrieben langſam und niedrig über Paris hin, und man glaubte vermuthen zu können, daß er bei gleichem Winde zuerſt in England ſich nieverlaſſen werde; wohl Tauſende gedachten am Abende jenes Tages der kühnen Luftſchiffer, die nun zwiſchen Himmel und Erde dahinzogen, während dieſe bereits gegen Abend in der Umgegend von Meaux ihre Niederlaſſung bewerkſtelligt und, einige Contuſionen abgerechnet, ſich wohlbehalten unter Dach und Fach befanden. Nach dem Berichte des Capitains hatte das Zerreißen der Schnur des Ballon⸗Ventils dieſe kurze Dauer der Reiſe veranlaßt. Ballon und Zubehör ſind wohl⸗ behalten hier angekommen, und werden für eine zweite Fahrt
ausgerüſtet. Wenn die Einnahmen der nächſten Expeditionen nicht zu ſehr hinter dem etwa 200,000 Francs betragenden Erlöſe der erſten zurückbleiben, wird der unternehmende Ca⸗ pitain bald die nöthigen Mittel haben, um ſeine Luftbeherr⸗ ſchungstheorie prattiſch zu erproben; er will dieſer Idee, wie er ſagt, nicht bloß ſein Vermögen ſondern auch ſeine Glied⸗ maßen gern zum Opfer bringen. Dieſe Opferfreudigkeit möchte indeß ein Programm für Mitreiſende bei dem erſten Vergleiche überflüſſig machte. H. R.
Wie wurde„Stonewall“ Jackſon Soldat?
Als Jackſon in ſeinem 19ten Jahre ſtand, hatten die Mitglieder des Congreſſes für dieſen Theil Virginiens einen Aspiranten für die Militärakademig in Weſtpoint im Staate Newyork zu präſentiren, und die Stelle wurde einem Knaben
Novellen⸗Zeitung.
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von dieſem ungewöhnlichen Vortheil Nutzen zu ziehen, denn er hatte den Ehrgeiz, Soldat werden zu wollen. Vergebens verſuchte ſein Onkel, ihm den Gedanken auszureden; umſonſt machten ſeine Freunde ihn auf die Mängel in ſeiner Erzie⸗ hung und auf das Hinderniß, das in ſeinem Alter lag, auf⸗ merkſam, da er die Zeit der gewöhnlichen Zulaſſung der Zög⸗
linge beinah um drei Jahr überſchritten hatte. Obwohl e
dieſe Hinderniſſe recht gut einſah, war er doch nicht entmu Po
thigt, und der junge Mann beſchloß zu gehen und ſich an uch ih Werk zu begeben, um ſich für die Prüfung vorzubereiten ſchend
Eines Tages ſtürmte er bei einem Platzregen in das Bureat 5
eines Freundes, der ein intimer Bekannter des Herrn Hayes u be Mitglied des Congreſſes, war, der die Cadetſtelle ihm ver aun A ſchaffen konnte. Seine Kleider waren ganz durchnäßt, und a udie war im höchſten Grade aufgeregt. Sein über dieſe uner mnge
wartete Erſcheinung ganz erſtaunter und verwunderter Freum fragte, was ihn bei einem ſolchen Wetter zu ihm geführt habe Der junge Jackſon platzte mit ſeinem Anliegen heraus. En brauche ein Empfehlungsſchreiben an Herrn Hayes in Waſſ⸗ ington— er werde auf der Stelle dahin abreiſen— aurat, wünſche die Cadetſtelle zu erhalten und befürchte, die Gele⸗ legenheit möge ihm entgehen. Sein Freund betrachtete deis Plan als ganz kopflos und ſagte, Jackſon werde die Prüfung nicht beſtehen können und manche andre entmuthigende Ding aert mehr; doch Jackſon war voller Hoffnung, bat dringenderaun. und erhielt zuletzt den begehrten Brief. Denſelben Aben.ſte lieh er ein Pferd, um nach Clarksburg zu reiten, von wo auf: die Poſt, wahrſcheinlich eine wöchentliche, nach dem Oſten ab fuhr. Er beſtieg das Pferd; ein Negerknabe der das Pfet(i ſeinem Eigenthümer zurückbringen ſollte, ſetzte ſich hinter ihn, In dieſer Weiſe nahm der junge Aspirant Abſchied von der arte
Grafſchaft, worin er geboren war. Seit Wochen hatte ai„hen fortwährend geregnet und zwar in Güſſen, wie ſie ganz allen im weſtlichen Virginien fallen, und die Straßen waren in chr, einem Zuſtande, wie man ſie nirgends findet. In jeun un ſee Gegend wurden wenig Geſchäfte gemacht, und es reiſten dar ,8 mals und beſonders bei ſolchem Wetter wenig Perſonen fseo Eine Stunde vor oder nach der beſtimmten Abgangszeit war 11 bei der Poſt von keiner Bedeutung, und der Poſtmeiſter hatt
aus kluger Vorſicht ſeine Briefbeutel mit dem großen Poſt wagen, der ſie auf den ſchlechten Straßen zu beſorgen hatte. eine volle Stunde vor der gewöhnlichen Zeit abgehen laſſen iſten Nichts konnte den jungen Jackſon verführen, ſein Verſprechen d. nicht zu halten, und der Negerknabe wurde mit dem geborf ten Pferde pünktlich zurückgeſchickt; trotz alledem blieb er ſetkeiſi nem Vorſatz getreu, und mitten im Regen und bei einem ſok chen Wege ſetzte er ſeine Reiſe fort, um den Poſtwaget einzuholen. Vier engliſche Meilen in einer Stunde zurück⸗ſen. zulegen, iſt in den beſten Zeiten in jenen Diſtricten ſchon ein guter Marſch; hier war es aber ein mühſamer Weg in einetgt dunkeln ſtürmiſchen Nacht, und er hatte volle dreizehn engleſſaſen ſche Meilen zurückzulegen, ehe er den Poſtwagen einholten Ich weiß nicht gewiß, wie weit dieſer Poſtwagen ſeine Reiſſſtt nach Richmond oder Waſhington fortſetzte. Beide Städlt waren von ſeiner Heimath 200 Meilen entfernt, und a brauchte einige Tage, um über die Berge zu kommen. Wahre⸗ ſcheinlich kam er zuerſt in die Hauptſtadt Virginiens, Rich⸗ mond, aber Eins iſt gewiß, daß er damals ſeine dürftig Garderobe in der Hand trug und daß er den größten Theing der Reiſe zu Fuß zurücklegte. Als ganz gewiß wird uns eriſtſtens zählt, ſein Brief ſei, als er ihn überreichte, eben e ſchmubig geweſen, wie er ſelbſt. Herr Hayes nahm ihn gütig auf und tang
in Jackſon's aadjen angeboten, aber von ihm ausge⸗ ſchlagen. In Jäcſon entſtand ſofort der lebhafte Wunſch,
ſtellte ihn ſeinerſeits dem Staatsſecretär für das Kriegsweſen 5


