Pflicht erachtet, mich gegen die Angriffe dieſes
genſchen zu ſchützen?“
„Mein Herr,“ ſagte jetzt der Officier, der ſehr wohl verſtand, daß dieſe Aeußerung an ihn gerichtet war,„jedenfalls werden Sie mit Ihren Beleidigungen gegen die junge Dame nicht fortfahren.“
„Ich werde thun, was ich für gut finde,“ ent⸗ gegnete trotzig unſer Bekannter;„und daraus mögen Sie entnehmen, daß ich ein Recht dazu habe ſo zu ſprechen.“
Jetzt lachte Roſalie höhniſch auf. ſolche Anmaßung muß ich proteſtiren.“
„Roſalie,“ rief Werdau mit milderer Stimme „kannſt Du wirklich die Vergangenheit verleugnen? Du haſt alſo in der That ſchon vergeſſen, was wir uns Beide bis noch vor Kurzem waren?“
„Nun, ich denke, unſer Verhältniß iſt ſeither ein ſolches geweſen, daß wir daraus gegen Niemand ein Geheimniß zu machen brauchen. Haſt Du Dir mehr darunter gedacht, als das der bloßen Freundſchaft, ſo war das Deinerſeits ein großer Irrthum.“
„Ich danke Dir für Deine Offenheit,“ ſagte der junge Mann, und ſich zu dem Officier wendend, fuhr er mit Ironie fort:
„Aber Sie, mein Herr, ſcheinen mit Ihren Be⸗ werbungen bei der Demoiſelle glücklicher geweſen zu ſein. Darf ich mir die Frage erlauben, wer Sie hier eingeführt hat?“
„Ihnen hierüber Rechenſchaft abzulegen, dazu fühle ich mich durchaus nicht veranlaßt,“ entgegnete der Cavalier, indem er die Arme kreuzte und ſeinen Gegner finſter anblickte.
„Jedenfalls ſind Sie auf dem beſten Wege, eine intereſſante Verführungsgeſchichte anzuſpinnen,“ fuhr Wilhelm noch herausfordernder fort.
„Mein Herr!“ fuhr der Officier auf und maß
den Sprecher gerade nicht mit freundlichen Blicken. (Fortſetzung folgt.)
„Gegen eine
Scenen aus den Tſcherkeſſenkriegen.
(Nach der Erzählung eines Eingebornen.)
Es iſt von ungemeinem Intereſſe, wahrzunehmen
wie der Charakter der Kriegführung bis auf Verrath, Uneinigkeit und perſönliche Willkür hinab bei deu freien Völkern des Kaukaſus ſo große Aehnlichkeit mit dem Weſen der alten Germanen zur Römerzeit bat,
Auch in ihrer Tapferkeit ſind jene dieſen verwandt.
Tafik Bey berichtigt viele Irrthümer, welche ſich 13
Novellen⸗ Zeitung
auch in dieſer Beziehung durch ruſſiſche Notizen ein⸗
gebürgert haben. Wir ſtellen aus ſeinen Erzählungen er Feit hier ein kürzer gefaßtes überſichtliches Bild zuſammen, iüttel das manches neue Licht in das Dunkel werfen wird. ewohne
Längs der ganzen Kubanlinie und längs der er koſte Küſten des ſchwarzen Meeres, wo man ſtets der Ueber uſſen fälle der Ruſſen zu Land und zur See gewärtig ſein ggele
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muß, iſt es eine zur Sitte gewordene Nothwendigkeit, an? daß immerfort von jeder Juneh⸗is(Dorfgemeinde ütter, zehn Mann alltäglich und allnächtlich nach der Reihe die Grenzwache bilden.
Fällt der Feind ein, ohne daß man ihn erwartet, ſo geben die Wachen mit einem langgedehnten gel uuder lenden Schrei und durch das Abfeuern ihrer Gewehrn den Kriegs⸗Alarm. Es iſt faſt unerhört und nu durch Mitwirkung der übergegangenen Verräther mög, lich, daß der Feind die Wachſamkeit der Vorpoſten Stif täuſchen und die nächſtliegenden Höfe überfallen kann dan
Der Kriegsruf ertönt fortwährend und dient zun unr Signal, ſich zu ſammeln und den richtigen Pfad ein⸗ Wuld
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1
zuſchlagen. Ruſſiſche Soldaten, welche im Kriege nn I
gegen die Bergvölker ergraut ſind, erzählten mir, daß 1e d
dieſer furchtbare Schrei, den tauſend Echos im Wal
und Gebirge nah und fern wiederbolen, und der auf
allen Seiten, vorne und rückwärts, rechts und linke inſüs i
ertönt, ihnen immer durch Mark und Bein ſchnitt Fiittirt,
und einen Eindruck auf die Truppen macht, der wider⸗ ehaͤns
wärtiger als das Pfeifen der Kugeln iſt. end a Während die Männer dem Feinde entgegenſtür⸗ ime
zen, packen die Weiber ihre wenigen Habſeligkeiten auf u rü
Wagen, Pferde oder auf ihren Rücken, die Kinder ffährd
treiben die Heerde in den Wald, leßen
(
und alles dies ge⸗
ſchieht ſo ſchnell, daß in einer Viertelſtunde der Hof verlaſſen, wüſt und öde iſt. Nur ein ſtreitunfähiger rruit Greis oder ein kleiner Knabe unterhält ein großes ulſh Feuer in einer der Hütten; er lauſcht begierig auff dur das Gefecht und die Kriegsrufe, und iſt der Feind ig ſchon nahe, ſo wirft er die bereit gehaltenen Feuer⸗ Penen, brände auf die Strohdächer der Getreideſpeicher und tat Hütten und verſchwindet im Walde. d der Wird dennoch ein Hof bei Nacht ſo plöͤtzlich ſüberfallen und umringt, daß Flucht unmöglich iſt, ſo ſerfolgt gewöhnlich ein blutiges Drama. Männer Weiber und Kinder ſtürzen mit raſendem Geſchrel aus den Hütten und ſuchen dem Feinde das Eindrin⸗ gen in den Hof zu verwehren. Von Capitulation und Unterwerfung iſt keine Rede, den Begriff dieſet Worte verſteht der Adighe nicht einmal, und Jedeu ohne Unterſchied des Geſchlechts, wehrt ſich ſo langen d Fei als er noch ein Glied rühren kann. In dieſem Tu⸗ Y 1 mult feuert die ruſſiſche Infanterie und ſucht die V Zäune einzureißen und die Thore einzuſchlagen. I 1
1sdaue 5 die amt, 96 2
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