Vierte Folge.
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ztraße ein, als er plötzlich dicht vor ſich den Officier des ſchweren Pallaſch, der an ſeiner Seite hing, aber
Entlaßu
Beſtuna ſerwahrte, welcher ſich ſeiner im Theater ſo angenom⸗ nen hatte und der von ſeinen Cameraden als„Herr
Ach, von Schill“ angeredet worden war.
Ibres„Ob er mich wohl wiedererkennen mag,“ dachte
un zu, Verdau, indem er mit einem Gefühl beſonderer Theil—
db dabe n u uhme dem ſtattlichen, etwa dreiunddreißig Jahre zäh⸗
nan höhe aden Dragonerlieutenant in's Auge blickte, als dieſer
ſo hat an beſcheidener, aber edeler Haltung gerade auf ihn
t, Sie uſchritt—„nun, es kommt auf einen Verſuch an,
tbekanm nd einen Gruß verdient er wegen ſeines freundlichen henehmens gegen mich jedenfalls.“
Unſer Bekannter zog achtungsvoll ſeinen Hut, ſann eben hatte ſich Herr von Schill ihm genähert und war im Begriff an ihm vorüberzuſtreifen.
Plötzlich blieb er jedoch ſtehen, und ein freund⸗ ſches Lächeln erhellte ſeine ſonſt gewöhnlich ernſten ud etwas ſchwermüthigen Züge. welcher ſe„Ach,“ ſagte er, an ſeine Kopfbedeckung greifend leiſefe Wind den Gruß höflich erwidernd,„mein Bekannter uus dem Theater, wenn ich nicht irre?— Nun, Sie
daß ich eaukratie ich aber erland lit de mir d
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d Sie nben ſich wacker und brav benommen, und jedem 1s Voru Naven muß man beiſtehen, das iſt eine Ehrenpflicht—“ Belege„Aber es iſt mir ſchlecht bekommen,“ entgegnete Müſen Werdau,„dafür, daß ich mein Recht vertrat und weil s Gutbat ich aus Liebe für das Vaterland den Mund etwas d in fün i weit aufthat, hat man mich als einen ſtaatsgefähr⸗
lihen Menſchen bezeichnet und mich meines Amtes eſtſetzt, während ich eigentlich doch nur gegen den Ipf zu Felde zog.“
„Ja, ja, der Zopf! der Zopf!“ murmelte Herr un Schill, indem ſich ſeine offene Stirn zuſammen⸗ 3g,„der Zopf wird uns noch viel zu ſchaffen machen, d Gott mag nur geben, daß er uns nicht in den Agrund zieht!— Doch kommen Sie, begleiten Sie mlaugte d h ein Stück Weges und erzählen Sie mir Ihre
fün Iensgeſchichte, die mich zu intereſſiren anfängt.“ hnen habe„Sie iſt eben nicht ſehr lang,“ entgegnete unſer gead be Akannter,„Entlaſſung aus der Kanzlei, rührende nl uſchiedsſcene von einem gefühlvollen Vormund und
e gute Rath deſſelben, zu meinem weiteren Fort⸗ wahien Sonmen Soldat zu werden.“ vis 8„Soldat!“ rief Herr von Schill, und ſein Auge zeigen ℳnn litzte freudig auf,„ja, Soldaten werden wir bald brau⸗ „ mir Mpa, und an tapferen, dem König und dem Vaterlande Ich. Herzen wird es auch nicht fehlen, aber die nebwen— Slbſtüberſchätzung wird unſer Unglück ſein, und nicht
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doocd nes Äd 11o uanzoſen, ſondern der Gamaſchendienſt wird uns ügen, d dagen.“ 1% Als Schill ſeinen Gefühlen auf dieſe Weiſe Aus⸗ den 2. tauf lant gab, zuckten ſeine Züge ſchmerzlich zuſammen,
1 die Jerüul 1) unwillkürlich fabte ſeine Hand nach dem Griff
lachend,
bald nahm ſein Geſicht wieder den Ausdruck ſanfter Ruhe an, und mit freundlicher Stimme fuhr er fort:
„Und welchen Entſchluß haben Sie gefaßt, mein junger Freund?— Heutzutage muß man mehr als je Mann ſein und vor der That nicht zurückbeben. Kann ich Ihnen in irgend einer Weiſe nützlich wer⸗ den, ſo rechnen Sie auf meine Bereitwilligkeit und halten Sie ſich überzeugt, daß mir ſolches Freude machen wird.“
„Neigung für den Soldatenſtand iſt immer vor⸗ herrſchend bei mir geweſen,“ entgegnete Werdau,„und ich glaube, es bedürfte keines großen Zuredens, um mich zu einem ſolchen Entſchluß zu veranlaſſen.“
„Dem Muthigen gehöͤrt die Welt, und am Ende entſcheidet doch des Schwertes Schneide,“ entgegnete Schill.„Hören Sie, ich habe Sie liel gewonnen und will Ihnen einen Vorſchlag machen. Treten Sie in meine Schwadron, und wenn es zu Felde geht, wollen wir treue Kriegscameraden ſein.“
„Wohlan, ich gehe auf Ihren Vorſchlag ein,“ rief unſer Bekannter, einer plötzlich bei ihm aufſtei⸗ genden Eingebung Folge leiſtend;„an Muth und Kraft fehlt es mir nicht, und ſo⸗ will ich mir Mühe geben, daß Sie Ehre mit mir einlegen.“
„Gut,“ entgegnete Schill,„und da das Schickſal uns nun einmal nicht ohne Abſicht zuſammengeführt zu haben ſcheint, ſo will ich Ihnen noch einen ande— ren Vorſchlag machen. Ich bin mit eigenem Gefähr hier und kehre übermorgen nach meiner Garniſon Paſewalk zurück. Ich biete Ihnen einen Platz in meinem Wagen an, ſind Sie damit zufrieden?“
„Gewiß bin ich damit zufrieden,“ erwiderte unſer Bekannter,„ſo viele Güte habe ich übrigens nicht er⸗ wartet.“
„Nun ſehen Sie, hier in der Dorotheenſtraße, in dieſem Hauſe wohne ich. Punkt acht Uhr reiſe ich ab; um dieſe Zeit erwarte ich Sie alſo.“
Herr von Schill ſtreckte dem jungen Mann freund⸗ lich ſeine Hand entgegen, und dieſer ergriff ſie und erwiderte den Druck mit Innigkeit und Ehrerbietung.
Eine Minute darauf ſtand er wieder ganz allein auf der Straße.
„Ja, wenn ſie Alle ſo wären,“ ſagte er bewegt, „dann könnte der Patriot wohl ohne Sorgen der Zu⸗ kunft entgegenſehen, dann ſtände es um das Vater⸗ land beſſer, aber ſo—“
Werdau hatte eben nur noch Zeit zur Seite zu treten, denn drei Officiere vom Regiment Gensdar⸗ men traten eben aus einem Café und nahmen, laut in übermüthiger Ungebundenheit die ganze Breite des Trottoirs ein, indem ſie rückſichtslos Die⸗
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