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Vierte Folge.
Novellen-Zeitung.
Von Auerſtüdt bis Berlin.
Hiſtoriſche Erzählung von
Carl von Keſſel.
(Fortſetzung.)
ſläuft, und ich bedauere nur, daß er ſich vielleicht mei⸗
netwegen wird echauffiren müſſen.“
Mit dieſen Betrachtungen betrat der junge Mann das Haus des Geheimraths, und einige Minuten darauf befand er ſich dieſem ſelbſt gegenüber.
„Setzen Sie ſich,“ ſagte der Erſtere, indem er von
ſeinem Schreibtiſch aufblickte und Wilhelm mit dem
Wilhelm Werdau erreichte unter dieſen philo⸗ ſtrengen Blick eines Selbſtherrſchers maß.
ſebiſchen Betrachtungen ſeine Wohnung und ſtieg
„Wenn Sie es erlauben, Herr Vormund“— und
unchdenklich die im Hinterhauſe gelegenen vier Treppen der junge Mann nahm in einem Seſſel Platz.
ſmauf, denn in dieſer Höhe, zwiſchen Himmel und
bide hatte er ein kleines, ſeinen beſcheidenen Anſprü⸗
een angemeſſenes Stübchen gefunden. Da er eine urgloſe, genügſame Natur war, ſo ſchmerzte es ihn anrchſchlagen mußte. Es lag vielmehr in ihm ein amerer Drang nach einem größeren, ihm noch unbe⸗ unnten Ziele, und daß er dies nicht zu erreichen ver⸗ zochte, machte ihn ſo häufig zu einem unzufriedenen, ft der Welt zerfallenen Menſchen.
Auch jetzt, nachdem er ſich zu Bett gelegt hatte, ſigte er noch große Luſt zu grübeln und mit dem
ſime kräftige phyſiſche Natur ſträubte ſich gegen einen in anderen Morgen erwachte, machte er die Bemer⸗ uneg, daß die Stunde, wo er ſonſt aufzuſtehen pflegte, ugſt vorüber ſei.
a„Der Herr Geheime Rath Zander haben vor aner Stunde hergeſchickt und wünſchen Sie um elf lor in ſeiner Behauſung zu ſprechen,“ ſagte die Wir⸗ thin, als ſie in das kleine Zimmer trat und den Kaffee unſerem Bekannten brachte.
„Der liebe Vormund,“ murmelte Werdau, als s ſich wieder allein befand,„es gefällt ihm alſo wirk— , wieder einmal etwas von ſich hören zu laſſen!.. it Jahr und Tag hat er ſich nicht um mich geküm⸗ ert und jetzt— nun, was wird es ſein? Er hat end etwas an mir entdeckt, was der bureaukratiſchen zhablone, mit welcher er die Menſchen mißt, zuwider⸗
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ſadeſſen nicht, daß er ſich eben nur ſo nothdürftig ſeligen Vaters danke,“ entgegnete Wilhelm nicht ohne
heſchick zu grollen, wozu ihm heute noch ganz beſon⸗ rs das Benehmen Roſaliens Veranlaſſung gab, aber
Lucchen Zwang, die Augen fielen ihm zu, und als er
„Ihr würdiger Herr Vater, mein College, über⸗ trug mir bei ſeinem Tode die Vormundſchaft über Sie, und ich nahm dieſelbe an,“ fuhr der Geheimrath mit kalter Zurückhaltung fort.
„Wofür ich Ihnen noch jetzt im Namen meines
Ironie.„Es war ein ſchweres Amt, das Ihnen viele Sorgen gemacht hat.“ „Dank darf man von Ihnen nicht erwarten, in⸗
deſſen habe ich gethan, was in meinen Kräften ſtand.
Ich ſchickte Sie auf's Gymnaſium, und wenn Sie dort die Gelegenheit nicht ſo benutzt haben, wie Sie die⸗ ſelbe hätten benutzen können, ſo iſt dies nicht meine Schuld.“
„Ich kam bis Prima, da aber meine Geldmittel nicht weiter reichten, ſo konnte ich auch an eine Fort⸗ ſetzung meiner Studien nicht denken.“
„Sie haben ſich ſchon auf der Schule durch einen Geiſt des Widerſpruchs ausgezeichnet.“
„Ich geſtehe, daß das Gefühl der Freiheit und ein Ringen nach Selbſtſtändigkeit ſtets bei mir vor⸗ herrſchend geweſen ſind. Es lebt etwas in meiner Natur, was mir jeden Zwang verhaßt macht, und ich weiß, daß ich mich vielfach in der Welt nicht zurecht⸗ finden kann.“
„Das haben Sie auch während der Zeit, wo Sie in der Kanzlei im Finanzminiſterium arbeiteten, auf das Vollſtändigſte bewieſen,“ fuhr der Geheimrath ſtreng fort;„ſtatt ſich zu einem folgſamen, ſchweig⸗ ſamen, ſeinen Vorgeſetzten und dem Staate ergebenen Beamten auszubilden, haben Sie Oppoſition getrie⸗


