Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
706
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novellen⸗Zeitung.

Albuumm.

Mathilde Raven.

Ein Traum.

Ich träumte einſt einen ſüßen, Gar lieblichen Märchentraum. Schnell wie ein Pfeil flog mein Schifflein Auf blinkender Welle Schaum. * Im Morgenlicht jenſeits am Ufer Da ſteht eine Lilie ſchlank; Zu ihr hat's mich ſonaden Mit heißem Sehnſuchtsdrang.

Ein wunderſames Klingen Schlägt an mein lauſchend Ohr, Es dringt aus der Lilie weißem, Duftvollem Kelch hervor.

Ich weiß:Die bleiche Lilie, Das iſt eine Jungfrau ſchön; Verwünſcht durch böſen Zauber, Muß ſie dort einſam ſtehn.

Den Zauber kann nur löſen

Ein wunderbares Wort, Geſprochen in nächtlicher Stunde, Am mondhellen Strande dort.

Und wenn das Wort geſprochen, Dann ſteigt aus dem blauen See Das Schloß, das drin verſunken, Im alten Glanz in die Höh'.

Es kleiden die grauen Felſen Sich wieder mit ſammt'nem Grün, Die Vögel ſingen im Walde, Und tauſend Blumen blühn.

Und wer das Wort geſprochen, Der nennt die Jungfrau ſein, Der zieht mit ihr als König Ins ſtolze Schloßthor ein.

Mein Schifflein fliegt ſchneller und ſchneller; Der Vollmond lächelt und blinkt.

Die Lilie ſenket das Köpfchen

Ich glaube ſie hat mir gewinkt.

Die Welle wispert und rauſchet Ich glaube, ſie weiß das Wort. Sie hebt ſich, mir's zuzuflüſtern; Mein Schifflein fliegt in den Port.

Aus vergangener Zeit. Gedichte von Mathilde Raven. Celle, Verlag der Schulze'ſchen Buchhandlung. 1863.

Wie klar, wie hell ach, die Sonne! Verſchwunden mein Traumgeſicht. Iſt's denn ein Traum geweſen?

Iſt's Wahrheit? Ich weiß es nicht.

War's Traum, dann träum' ich jetzt wieder: Seit Dich mein Auge geſehn,

Iſt mir's, als ſäh' ich die Lilie

Im Mondlicht am Ufer ſtehn.

Ich weiß:Wenn ich Dich erringe, Iſt mein das ſchönſte Reich.

Dann kommt kein König auf Erden An Glück und Wonne mir gleich.

Dann leuchten mir heller die Sterne, Der Frühling wird nimmer verblühn; Die Nachtigallen, ſie ſingen

Die ſuͤßeſten Melodien.

Ich glaube, das Wort des Zaubers, Das trag' ich im Herzensraum.

O daß mich Keiner erwecke,

Bevor zu Ende mein Traum!

Sonnengluth.

Die Roſe zerſprengt am Morgen Die Knospe, darin ſie geruht

Und manchen Traum ſie geträumet Von Sonnenglanz und ⸗Gluth.

Sie öffnet die feuchten Augen; Die Luft iſt ſchwül und trüb, O Sonne! ruft ſie ſehnend, Nur einen Blick mir gieb!

Es theilen ſich Nebel und Wolken Und ſenken ſich tief in das Thal; Die Roſe trinkt wonnezitternd Den glühenden Sonnenſtrahl.

Doch als der Abend die Fluren

Mit kühlendem Thaue tränkt,

Senkt bleich und welk ſie das Köpfchen, Vom Flammenkuſſe verſengt.

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