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Stiere lenken könne und über ſie eine ähnliche Gewalt übe, wie der Reiter über ein Schulpferd. Manuel Diaz, mit dem Beinamen Labi, ging noch weiter in der Tollkühnheit, denn
er fiel auf die Kniee und erwartete den anſtürmenden Stier
mit übereinandergeſchlagenen Armen; zu rechter Zeit ſprang er auf und führte den tödtlichen Stoß. Dieſer Mann ſtarb ruhig in ſeinem Bett.
Die Corrida de Toros, das Stiergefecht, iſt für den Spanier, was für den Engländer ſein Sport. Schon Her⸗ cules fand in Spanien die berühmten Stiere des Geryon, und noch heute weiden große Heerden an den Ufern des Guadalquivir und Tamara.
Der Liebhaber dieſer Spiele kennt jede einzelne Heerde, Ganaderia genannt, ohne daß er nöthig hätte, die Deviſe derſelben zu betrachten. Dieſe iſt ein Bändchen, welches man dem Stier um den Hals knüpft. Es zeigt an, zu wel⸗ cher Caſta, Race, er gehört.
Die Stiere jeder Caſta haben verſchiedene Vorzüge und auch Mängel. Jene von Salvatiere ſind tapfer und flink, vertheidigen ſich wacker, allein ihr Feuer hat keine Ausdauer, man darf ſie nicht zu lange bekämpfen. Die von Gijon ſind anfangs ungemein flink, werden aber bald matt und ſchwer⸗ fällig. Ausgezeichnete Stiere kommen aus der Heerde Col⸗ menar viejo, das einige Meilen von Escurial entfernt liegt; aber für die beſten gelten jene von Viſta Hermoſa.
Gewöhnlich liegen die Stierweiden weitab von allen Wohnungen. Der Stier ſieht ſelten einen andern Menſchen als den Hirten und kann als nahezu wild betrachtet werden. Man hält ſehr viel auf die Reinheit der Race, aber nicht jeder Stier eignet ſich zur Tauromachie. Unter den Hirten iſt allemal einer, welcher als Kenner bezeichnet wird; dieſer ſtellt mit jedem einjährigen Stier eine Prüfung an und verfährt dabei in folgender Weiſe. Er beſteigt ein kräftiges Roß, ſprengt gegen den Stier an und verſetzt ihm Lanzenſtiche, um zu ſehen, wie das Thier ſich mache. Läuft es fort, oder iſt es nicht lebhaft genug, dann wird es für unwürdig erklärt, dermaleinſt den ruhmreichen Tod im Circus zu ſterben. Es muß ein Ochſe werden und geräth in die Hände des Flei⸗ ſchers. Findet der Hirt die gehörigen Eigenſchaften, dann erhält der junge Stier die Herradura, d. h. man brennt ihm ein Zeichen ein, und er wird nun zu einem Novillo. Als ſolcher hat er allerhand Prüfungen zu beſtehn; da er aber ſchon gefährlich zu werden anfängt, ſo befeſtigt man ihm umwickelte Kugeln an den Hörnern. Nachdem er ſich wacker gezeigt hat und die Hoffnungen, welche man von ſeiner Be⸗ gabung hegte, nicht täuſchte, erklärt man ihn für einen Toro de muerte, Stier des Todes, denn er iſt nun würdig als Held zu fallen. Man veranſtaltet Gefechte mit den Novillos, um ſie an den Kampf zu gewöhnen, und dergleichen Novilladas ſind in kleinen Städten ſehr beliebt.
Ein Toro de muerte muß fünf Jahr alt geworden ſein, bevor er für tüchtig gilt, um in einem Stiergefecht zu figuri⸗ ren. Dann kommt es darauf an, eine Heerde ſolcher wilder Stiere nach der oft ſehr weit entfernten Stadt zu treiben, und das bleibt immer eine gefährliche Sache.
Man bedient ſich dazu hellfarbiger großer Ochſen, die ſehr zahm ſind. Sie werden in Gemeinſchaft der Stiere getrie⸗ ben, die ſich von früher Jugend an ſie gewöhnt haben und ihnen gelehrig folgen. Man treibt die Stiere am liebſten bei Nacht, weil man alsdann am wenigſten Gefahr läuft, daß ſie durch irgend einen beliebigen Gegenſtand beunruhigt oder in Wuth geſetzt werden. Die großen Ochſen müſſen vorangehen, und die Hirten reiten nebenher. Wer Nachts einem ſolchen Zuge
Novellen⸗Zeitung.
begegnet, wird lebhaft an eine Schilderung im Don Quixot„ erinnert, der in ſeiner romantiſchen Narrheit mit einem ſole en d. chem Trupp anband und wie billig über den Haufen geranae eS wurde. ir Linder In Madrid findet von Oſtern bis Allerheiligen an je dem Montag ein Stiergefecht ſtatt, in den Provinzialſtädten meiſt an den Hauptfeſten, aber nicht zur Winterszeit, weil die Kälte dem Stier viel von ſeinem Feuer nimmt. Ohnehin müſſen die Zuſchauer im Freien ſitzen, und auf der caſtiliſchen Der Hochebene, die 1500 Fuß überm Meere liegt, iſt es im Wiu Wietn ter ſo kalt wie im mittleren Europa. In Valencia dagegenftl den T und in Andaluſien, z. B. in Sevilla, hält man auch im Daſs ſengen cember Stiergefechte ab. ſerannte Faſt jede irgend bedeutende Stadt hat ihre Plaza dſrummen Toros. Gewöhnlich iſt ſolch ein Amphitheater Eigenthunſegen en der Stadt oder irgend eines Hospitiums und wirft einen De guten Nutzen ab. Man verpachtet es an einen Unternehmen Sr he, der ſein Geſchäft in ähnlicher Weiſe betreibt, wie der italirſeſien e niſche Impreſſario das ſeinige. Eine Corrida(Stiergefechiſtnen in erfordert manchmal einen bedeutenden Koſtenaufwand. Das Schmi Pachtgeld für die Plaza in Madrid koſtet für jede einzeln Die Vorſtellung 7000 Francs, und dazu kommen noch die Koſtenſt die 5 für die Stiere, von denen manche mit 200 Thaler bezahlſt durch werden. 7 Säſt
Gewöhnlich ſind ſechs bis acht oder neun Stiere den llda, Tode geweiht, manchmal auch mehr. Die Pferde, welcht ian des man opfern muß, ſind Mähren, die mit höchſtens zehn Tha⸗ dneit
lern bezahlt werden. Aber man bedarf bei jedem Gefecht ſriüing zwei bis drei Dutzend ſolcher abgelebter Gäule. fmn naf
Neben dem Stier ſelbſt ſind die Stiertödter Hauptper⸗ e Slum ſonen. Die Truppe ſolcher Toreros heißt eine Cuadrilla und and wird gut bezahlt, je nachdem ſie mehr oder weniger berühmte 8r Leute unter ſich zählt. Ein anſtändiges Gefecht erfordenſä ſod eine Koſtenauslage von 4— 6000 Thaler, bringt aber doch 7 89A eine hübſche Summe ein, weil die Preiſe hoch ſind und diſe lünd
Amphitheater 10 bis 15000 und noch mehr Zuſchauer faſſenn äihr Die größten in Spanien ſind jene zu eres de la Frontas ranh 1 la beiſc
Madrid und Valencia. 1
Einige Tage vor dem Gefecht ſind die Mauern un da Straßenecken mit rieſigen Anſchlagezetteln beklebt, auf welchen i ein ausführliches Programm der Corrida zu leſen iſt. Ei Trin nae
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führt die Namen der Toreros und der Stiere auf und aut welchen Heerden dieſelben ſtammen.
Außerdem werden auch kleine Zettel an die vertheilt, auf welchen ſich weiße Columnen befinden. füllt der Liebhaber aus, indem er mit Nadelſtichen verzeichnet wieviel Pikenſtöße jeder Stier erhalten habe, wie oft ein Picador vom Pferde gefallen iſt, wie viel Roſſe todt auf deuſ Platze blieben, wie viel Banderillas dem Bullen angeheſten i wurden, wie viele Schwertſtiche er erhalten hat, und dergleichen mehr. Der echte Kenner führt eine genaue Statiſtik übch 1 Alles, was vorgeht, und ſolch ein Programm bewahrt er ſorge 1 fältig auf.
Bei dem Stiergefecht, das am 7. October 1862 du Valencia abgehalten wurde und nur etwa zwei Stundenf dauerte, ereignete ſich Folgendes: 8 Stiere kamen nach und 4 nach in den Circus, 31 Pferde wurden getödtet oder ſchwer ver⸗ dr Doc wundet; die Picadores wurden 25 mal vom Pferde geworfen ꝛc. Bei den Feſten in Madrid 1833 wurden in einer einzigenſ
Woche 99 Stiere getödtet, und 380 Pferde blieben auf dem fen Platze. l ei Da die Schilderungen der Stiergefechte ſelbſt weniget fe
etwas Neues ſind, als die ſich an die Sache knüpfenden hiſte ni ie ſe


