Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
700
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tadeln, daß man bei der Herausgabe nicht ſtrenger ſichtete. Es kommt bei Reliquien auch auf Fragmente an, ſobald darin nur ein tieferer Kern, ein Stück Individualität von der Perſon des Dichters enthalten iſt, und das kann man hier immer wahrnehmen. Die Freunde gedankenreicher, alſo echt inhalt⸗ voller Literaturerzeugniſſe werden ſich an dieſen Ueber⸗ reſten der dahingegangenen großartigen Productions⸗ kraft mit Pietät laben und eine paſſende Lectüre für

Novellen⸗Zeitung.

ſtille einſame Stunden darin finden.

Immer wieder muß ich aber auf das Verdieuſt⸗ liche hinweiſen, was der Verlagshandlung durch die ſo umfaſſende Herausgabe dieſer Denkwürdigkeiten nachzuſagen iſt, denn wenn es auch manche Verlags⸗ geſchäfte giebt, die eine gleiche auffallende Regſamkeit und Thätigkeit bekunden wie die Rohſold'ſche Buch⸗ handlung, ſo würde doch nicht jeder Verleger den der

Nationalliteratur zu gute kommenden Muth einer ſet

koſtſpieligen Herausgabe gehabt haben.

Feuilleton.

Ueber die ſpaniſchen Stiergefechte.

Obgleich man ſich gewöhnlich der Meinung hingiebt, daß mit der fortgeſchrittenen Civiliſation in Spanien das alte grauſame Volksvergnügen der Stiergefechte abgekommen iſt, ſo begeht man doch mit dieſer Annahme einen großen Irr⸗ thum. Gerade gegenwärtig ſind dieſe öffentlichen Kampf⸗ ſpiele in blühendem Zuſtande. Jeder Spanier bringt die Vorliebe gleichſam mit auf die Welt. Die Knaben ſpielen Bulle oderStier, wie ſie bei uns Soldaten ſpielen. Einer kriecht auf allen Vieren und ſtellt einen Bullen vor, ein anderer hat einen Stecken, der die Pike vorſtellt, reitet auf dem Rücken eines Cameraden und iſt Picador.

Es iſt ſchwer zu unterſuchen, ob ſchon die alten Iberier Stiergefechte hatten, oder ob ſie erſt durch die arabiſchen Er⸗ oberer nach Spanien gekommen ſind. Gewiß bleibt, daß ſchon der berühmte Cid Campeador ein vollendeter Torero, Stierkämpfer, war. Im Mittelalter durften bei großen Feſten und Feierlichkeiten, z. B. Vermählungen, beim Einzug eines Königs und dergleichen mehr, dieFieſtas de Toros nicht fehlen, und dieſelben ſind von den Dichtern häufig be⸗ ſungen worden. Der muſelmänniſche Edelmann war für die⸗ ſelben ebenſo leidenſchaftlich eingenommen als der chriſtliche Hidalgo. Noch heute ſieht man in Granada den Bibarram⸗ blaplatz, auf welchem die Manren kräftige Stiere bekämpften, die ſie aus den Gebirgsweiden bei Ronda geholt hatten.

Der Kupferſtecher Goya hat dieſe mauriſchen Stier⸗ kämpfe durch eine Reihenfolge ſchöner Bilder verherrlicht. Man ſieht, wie der tapfere Mohr Gaſul einen Stier, wel⸗ cher gegen ſein Pferd anrennt, mit der Lanze derart durch⸗ bohrt, daß ſie auf der andern Seite des Leibes herauskommt. Andere Mohren, in der Tracht unſerer Maskeradentürken, aber mit grimmigen Geſichtern, verüben nicht minder kecke Thaten. Wir ſehen auch Karl V. hoch zu Roß, wie er auf dem Marktplatz zu Valladolid einen Stier bekämpft. Das war zur Feier der Geburt ſeines Sohnes, Philipp II., des düſteren fanatiſchen Tyrannen, veranſtaltet worden. Aber die⸗ ſem ſchauderhaften Könige behagte es mehr, Hekatomben von Ketzern abſchlachten zu laſſen, als Rindvieh zu tödten.

Doch gerade zur Zeit dieſes Menſchenwürgers, um die Mitte des ſechszehnten Jahrhunderts, erreichte die Leidenſchaft der Spanier für die Stiergefechte einen hohen Grad.

Papſt nahm Aergerniß daran, und Pius V., der eine Bulte zu Gunſten der Inquiſition, alſo des Ketzermordens erlaſſen hatte, ſchleuderte eine andere gegen das Abſchlachten der ge⸗ hörnten Bullen im Circus. In der That eine Humanität von eigenthümlicher Liebenswürdigkeit! Dieſer Pontiſet wetterte gleichmäßig gegen weltliche wie geiſtliche Stiertödter, aber gegen den Volksgeſchmack richtete er nicht das Mindeſte aus. Denn trotz ſeiner Bulle erſchienen Abhandlungen in großer Zahl über Stierkäipfe und Ritterſpiele, in welchen

alle Regeln der Reitkunſt in ihrer Anwendung auf Stierge⸗

fechte beſchrieben wurden. Damals bekämpfte man die Bullen zu Pferde, und die

in Madrid ein Stiergefecht abgehalten, bei welchem ein Car⸗ dinal zugegen war. Damals regierte Philipp IV.,dei große katholiſche König von Spanien. Dieſer König ritt als Torero auf dem Madrider Marktplatz, auf welchem die Ketzer zu Tauſenden verbrannt und auch Stiere bekämpft wurden. BeideLuſtbarkeiten waren Lieblingsvergnügungen des Kö⸗ nigs und des Hofes.-

Der Jeſuit Pedro de Guzman, welcher zu Anfang des ſiebzehnten Jahrhunderts ſchrieb, berichtet ausdrücklich, daß

Geiſtlichen nahmen eifrigen Antheil. Im Jahr 1626 wurd

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zu ſeiner Zeit keine Stiergefechte abgehalten wurden, bei welchen nicht zwei oder drei Menſchen das Leben verloren, oft aber mußte eine größere Anzahl in den Staub beißen. Zu Valladolid wurde 1612 zu Ehren des heiligen Kreuzes(!) ein großes Stiergefecht abgehal zehn Kämpfer todt auf dem Platze bliehen.

Der

ſei eine unbeſtreitbare Thatſache, daß in Spanien alljährlich im Durchſchnitt zwei⸗ bis dreihundert Menſchen ei den Stiergefechten ihr Leben verlören.

rakter. Früher hatte ſich vorzügli theiligt und den Bullen zu Roß mit einer

ten, bei welchem Guzman erklärk dieſe aragoniſchenFieſtas, d. h. Feſte, öffentliche Luſtbar⸗ keiten, fuͤr eine unnachahmliche Barbarei und fügt hinzu, es

auf dem ſpaniſchen Thron ſaßen, geriethen ſie in Verfall⸗ Nach und nach gewannen die Spanier wieder Geſchmack da⸗ für, und in vielen Städten wurden Plazas de Toros gebaut. Nun aber gewann die Tauromachie einen ganz neuen Cha⸗ ch der Adel an ihnen bei Lanze bekämpft.

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Unter König Karl II. ſtieg die Leidenſchaft für dies vette

ſelben auf den höchſten Punkt, aber ſeitdem die Bourbong dt Ro