Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
698
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Seite hin gilt, ſo werden Sie doch gern einen Blick auf dieſen Geiſt werfen, der unſer Herz und unſere Phantaſie ſo tiefſinnig vertreten hat. Nur kleinen Sätzen wollen wir uns zuwenden. Reihen wir hier einige ſolcher Fragmente in bunter Folge zuſammen:

Zeichen des Frühlings. Wenn nun der Frühling ſeine Boten ſendet, die Lerchen und die Quellen und die Blumen, und wenn die warmen Wolken fliegen und die Knospen brechen und Nachts die Nachtigallen unter den Sternen ziehen, und die Nächte gehen und die Tage kommen, und zarte Her⸗ zen wonnig weinen und ſich ſehnen, und die Nachti gallen in die Thränen ſchlagen, und die Freuden wei⸗ nen und die Schmerzen lächeln und weiße Blüthen durch den blauen Himmel weben und auf Blumen niederflattern, und blau und warm der Himmel iſt und grün und warm die Erde, und das Leben glänzt wie eine Sonne und das Sterben ſchimmert wie ein Mond: ſo glaubt der Menſch, nun komme der Lenz. Aber ſchon vorübergeflattert iſt er, und der fliegende Gott iſt den ſüßbethränten Augen verſchwunden, noch ehe ſie ſich abgetrocknet; und die Menſchen ſehen um⸗ her und hoffen wieder auf den Frühling.

Der Schmetterling im Winterſchlaf. Du ſchläfſt, allein übrig aus den Farben des Sommers, und neben dir ſchimmert, die Blume von Eis. Auch die Zephyre ſchlummern, und alle Geſänge ſind in's warme Auenland geflogen; und die kalte lange Nechr belagert feindlich unſer Haus und Licht. O ſchlafe! du erwachſt einmal, aber ſchöner als wir. Wenn du erwachſt, ſo iſt die Erde warm und grün und der Himmel blau und mild, deine Schmetterlinge fliegen, die Blumen ſtehen, und überall findeſt du Liebe. Dann ſtirbſt du, aber du ſahſt nur Blumen und Geliebte.

Die Abendröthe.Goldenes Himmelsgebirge, in den Lüften gegründet und von Sternen angerührt! Auf dir wohnen die Hoffnungen des Menſchen ſo feſt und ſo hoch und gehen an deiner Morgenſeite hinab, um ſich zu ſonnen, und ſchauen weit hinein in das ferne ſelige Land, das auf der Erde keinen Na⸗ men hat. Verſinke nicht, Wolkenalpe! kurzes goldenes Alter des Auges, damit dem Herzen nicht zu viel zerfließe! So ſang ich, und im Singen verblühte das Roſengebirg, aber da war plötzlich die Welt von weißen Roſen und Lilien bedeckt. Ein kleiner blaſſer Geiſtertag hatte ſich über Auen und Hügel ausgegoſſen. Siehe, der Mond ſtand unter dem Mor⸗ genthor, und die Sonne hatte ihm eine milde Abend⸗ aurora geliehen, die dem Herzen Alles verkündige, was er gab. Da ſtand ich ja im fernen ſeligen Land, das auf der Erde keinen Namen hat, und blickte ſüß weinend über das Schimmern der Erde hin.So

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Novellen⸗Zeitung.

verblühet denn immer, Liebe⸗Gluth, Roſen des Him e fuſ mels! ſang ich wieder,um mich blühen die weißen irn, ale Roſen der Unſterblichkeit, und mein Ange hängt am geht 1 nächtlich⸗fortleuchtenden Monde. ier und

Dichtkunſt.Wie, das Höchſte ſpräche ver⸗ der 3 ſchiedene Sprachen? der Ewige zeitlich und derſelbe bi Gott hier lachend, dort weinend? Fraget nicht ſohügen gehet über die Aue im Morgenthal; da glänzet Euch gun da ein Thaujuwel als Rubin, als Smaragd, als Diaſo viel mant und die ewige Sonne, die er im Wechſel U antaſ der Farben malt, ſteht hellrein über allen Thauſugung, tropfen. darnen. an wohl mn wert ſaiſche s geitu

Sternhimmel. Ein Stern nach dem andern tritt heraus, anfangs vor das Auge, dann vor da Glas. Und die Menſchen meſſen und zählen deun Himmel, der nur die leuchtende Vorſtadt zeigt. O ihr Dunkeln! Reihen ſich nicht ferne unzählige Sterneg d nach die ſich ewig verbergen, an eure nahen? Wächſt nicht ültmu die glänzende Unermeßlichkeit tief zurück und ſchlägtt näaus die Wurzeln in unendliche Tiefe und breitet den riſen Gipfel in unendliche Höhe?(wſch

Die abziehende Magd. Still und langſam 1 packte ſie den Sonntagsputz ein, den ſie ſonſt an ſchö⸗ 1 Aad nen Sommertagen zur Freude aus dem Kaſten nahm. Hachie Mit Augen, die frohnin eine helle Zukunft ſich rich Pen, ten, ſtellt ihre Nachfolgerin den gemalten Kleider kaſten an die Stelle des ihrigen. Endlich kommt die anen Trägerin. Sie muß trübe Abſchied nehmen von einen frohen Herrſchaft und frohen Kindern, welche nicht zu ſne ihr ſagen können: wir fühlen auch einige Deine ten Schmerzen mit. fuat

Abſchied vom Leſer. Lebt alſo wohl! Ba ſu gebet mir, wenn ich, da an den Wagen meiner Pſyche m ſo verſchiedene Pferde angeſpannt ſind, Engländen ung Polaken, Rozinanten, ſogar Steckenpferde, wenn ich am Bündel ſo vieler Zügel für einen ganzen Marſtälfet zuweilen fehlgreife und ermatte. Kommt recht frolh⸗ lich wieder vor mein künftiges Titelblatt! Ertragſ Bücher und Menſchen und euch! Und da der Stache des lange vergangenen Unglücks noch in Erinnerung ſticht, wie der ausgeriſſene Stachel einer zerquetſchtet Wespe: ſo behaltet nichts im Gedächtniß als Autoren! Und übrigens wünſche ich euch nichts, al einen kalten, aber blauen Morgen des Lebens, woriſ t keine Blume zugeſchloſſen bleibt; gegen zehn Ult hin eine Wolke voll warmer Regentropfen in deß Mittagshitze einen Seewind Nachmittags die Sieſtt d des Lebens und Abends kein Gewitter, ſonder eine ſanfte Sonne und ein langes Abendroth hinte Nachtviolen und irgend Jemand in der Finſterniß! dund

Wenn man dieſe kleinen Piecen Jean Pault 36

überblickt, ſo ſcheint einem darin im erſten Augenblikk deti