Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
694
Einzelbild herunterladen

eingenommen hatte, anzuſprechen und ſie in höflichen Worten wegen des Vorgefallenen um Entſchuldigung zu bitten. Dieſe zu erhalten, gelang ihm auch voll⸗ ſtändig.

Wie wir dem Leſer bereits angedeutet haben, hatte der Vater Roſaliens über die Art und Weiſe, wie ein junges, ſchönes Mädchen in der Welt ſein Glück machen könne, ſo ſeine eigenen, freilich mit der Moral nicht im Einklang ſtehenden Anſichten, und leider müſſen wir bekennen, daß die Lebensanſchau⸗ ungen der Tochter der Art waren, daß er bei derſel⸗ ben dabei keinen Widerſpruch zu erwarten hatte.

Wir werden Beiden ſpäter noch verſchiedene Mal in Lebensverhältniſſen begegnen, welche dieſe Behaup⸗ tung rechtfertigen, für jetzt mögen dieſe Andeutungen genügen, um es dem Leſer erklärbar zu machen, wes⸗ halb es dem jungen Officier nach einer kurzen Unter⸗ redung auch bald gelungen war, ſie in ihrer eigenen Wohnung aufſuchen und die Geſchäftsthätigkeit ihres Vaters für ſich in mehreren kleinen Angelegenheiten in Anſpruch nehmen zu dürfen.

Während dieſe Verabredungen getroffen worden waren und der Officier ſich wieder entfernte, hatte ſich Wilhelm, nachdem ſein Streit durch die beſchwich⸗ tigenden Worte des Herrn von Schill beigelegt wor⸗ den war, bemüht, zu dem Platze zu gelangen, welchen Roſalie einnahm.

Als Werdau ſich ſo zwiſchen den engen Bänken durchdrängte, ſtieß er plötzlich auf zwei Perſonen, die, er wußte ſelbſt nicht warum, ihn in Verlegenheit ſetz⸗ ten. Die eine war der Kanzleirath Gotthelf, auf deſſen Bureau er arbeitete, und die andere war deſſen Tochter Hedwig.

Unſer Bekannter verbeugte ſich im Vorbeigehen achtungsvoll gegen Beide, aber der alte Herr machte diesmal eine ſehr mißbilligende Miene und ſchüttelte tadelnd mit dem Kopfe, während Hedwig, die ſonſt ſtets ſo freundlich und wohlwollend gegen ihn war, ſich heute mit ernſter Zurückhaltung vor ihm verneigte. Werdau berührte dies, wie geſagt, unangenehm, und

Novellen⸗Zeitung.

Aber warum auch Hedwig ihm ein ſo auffallend kaltes Geſicht gemacht hatte, das konnte er in deſß That nicht begreifen, und doch, heute zum erſten Malſu verdroß ihn dies, und woran er ſonſt nie gedachtJc hatte, er erinnerte ſich ihrer vielen liebenswürdigengach Eigenſchaften, ihrer Zuvorkommenheit und ihrer ſtetenſe Offiei Theilnahme gegen ihn. aig ung

Roſalie hatte inzwiſchen auch nachdenkend dagt MRii ſeſſen. Sie blickte nach den Logen des erſten Ranges tegheid und wie ihr Auge ſo an den Damen in ſtrahlendeprd Toilette vorüberſtreifte, ſtahl ſich ein tiefer Seufzue die aus ihrer Bruſt, ihre Eitelkeit regte ſich mehr als jeWi und das Verlangen, zu glänzen, bewundert und aucf eine! gezeichnet zu werden, erfüllte ihre Seele. Dabei kehr mir zu ten ihre Augen mitunter verſtohlen zu dem Platz zugie!! rück, wo der junge Gardeofficier ſtand, und ein bäß und friedigendes Lächeln glitt dann über ihre Lippenſtt ſobald ſie bemerkte, daß auch die Augen des GrafeKeit ſie ſuchten und mit dem Ausdruck eines beſondereſsithen.

nit Ro

dieſe

Intereſſes auf ihr ruhten.Und Auf dieſe Weiſe hatte ſich der beiden junge Au Leute eine Stimmung bemächtigt, bei welcher ſie be ſle t andas

de ſeine lldige

dem, was um ſie vorging, kalt blieben, während d das Publicum der Vorſtellung mit der lebhafteſ Theilnahme folgte. Wir haben ſchon bemerkt, daß an dieſem Aben derpolitiſche Zinngießer gegeben wurde und d ee Unzelmann als ſolcher darin excellirte. Wenn er nu Pfet im grünen Schlafrock und die Nachtmütze auf der Kopfe, den ihn umgebenden Zechbrüdern ſeine pol tiſchen Anſichten zum Beſten gab und an die Stelf kam, wo er von der Karte von Polen ſprechen ſolln in welcher ſich ein Loch befinde, ſo ſagte er ſtan. deſſen:Die Karte von Deutſchland haͤt einen Riß beßet? kommen, aber es wird ſich ſchon ein braver Maniſſt üben finden, der ihn wieder zumacht. Dies erregs⸗. einen gewaltigen Beifallsſturm, denn Jedermannhan war es bekannt, daß mit dieſem braven Mann d König gemeint ſei, auf welchen ſich damals aller A gen richteten und von dem man hoffte, daß er de

gmißlaunig ließ er ſich neben Roſalien nieder.

Wieder der alte Zopf! dachte er,gewiß habe ich in den Augen des Kanzleiraths ein Verbrechen begangen, daß ich es wagte, einen Officier von den Haustruppen des Königs in ſeine Schranken zurückzu⸗ weiſen. Ein Kanzliſt und ein Gardeofficier, und noch dazu der Erſtere in Auflehnung gegen den Letzteren! ... ja, das mag allerdings dem Herrn Kanzleirath haarſträubend genug vorgekommen ſein, denn die Rang⸗ ordnung gilt ihm als das Höchſte, und wer einen freien Willen an den Tag legt, iſt in ſeinen Augen ein ge⸗ fährlicher Menſch in einem wohlgeordneten Staate.

Anmaßungen Napoleon's mit Erfolg entgegentretſße und ein Retter für das zerriſſene, in ſich ſelbſt u einige Deutſchland werden würde. Unzelmaun, ſite ſeiner Popularität bewußt, benutzte auch an dieſe Abend nach der hier geſchilderten Scene die dadu entſtandene Aufregung, um aus dem Stegreif eil patriotiſche Rede an das Publicum zu halten, die utfnn donnerndem Applaus aufgenommen wurde und welche auf allgemeines Verlangen das VolksliedHeil Di iſ im Siegerkranz folgte, in welches unter den Klängel des Orcheſters das geſammte Parterre mit einſtiſmmietſätel

Als die Vorſtellung beendet war und 3er. duſ