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Novellen⸗
Am Felsrand gähnt ein Abgrund, ſchwarz und ſchaurig— Was ſtürzt nun dort hinab und ächzt ſo traurig?— Jetzt rollt hinab nur noch das Quarzgeſtein.—
Wie glüht ſo blutroth Deine Leucht', Du Bleiche!— O Mutter, was geſchah mit Deinem Kind?— Hohl iſt ihr Antlitz, wie das einer Leiche, Mit ihrem weißen Kleide ſpielt der Wind. Starr ſteht ſie hier— die wilden Augen ſchauen Hinunter in das kalte, wüſte Grauen. O welch' ein Kleinod iſt's, das dieſer Schacht In ſeiner Tiefe birgt, ſchwarz wie die Nacht?
Zeitung.
O Schrecken, Schrecken, in der ſchwarzen Kluft, Horch, wie's da weint und wie es ächzt und ruft! D'rin klagt es wie aus einer Todtengruft:
„O Mutter!— Mutter!!— Mutter!!!“—
So weint es unten nun und ächzt und ruft!
Das iſt ein Dolchſtich für des Mädchens Herz.
Wie Blut ihr Antlitz glüht, das thränenfeuchte—
Und wieder weint's— da faßt ſie wilder Schmerz: Die böſe Mutter ſtürzt ſich ſelbſt hinab,
Und findet nah' dem eig'nen Kind ihr Grab! Still iſt's im Schacht— erloſchen iſt die Leuchte.
Jeuillelon.
Eugene Delacroir.
Der Tod eines Mannes, auf welchen ſein Vaterland mit Stolz blickt, macht ſtets einen ſehr ſchmerzlichen Eindruck, und wenn dieſer Mann unter den Gelehrten oder in der. Kunſtwelt eine hervorragende Stellung einnahm, ſo verbreitet ſich die Trauer darüber auch außerhalb der Grenzen ſeines Vaterlandes in viel weitere Kreiſe; der Schmerz über einen ſolchen Verluſt iſt aber um ſo größer, wenn derſelbe ganz unerwartet zu einer Zeit erfolgt, wo man von dem Gelehrten oder Künſtler noch große Werke zu erwarten berechtigt war. Ein ſolcher Fall war der am 13. Auguſt Morgens 7 Uhr in Paris erfolgte Tod des Malers Eugene Delacroix, der in Folge einer kurzen, aber heftigen Bruſtkrankheit eintrat und der Kunſtwelt einen ſehr großen Verluſt verurſachte, da die franzöſiſche romantiſche Malerſchule in ihm ihr allgemein geachtetes Haupt verlor. Bei der bedeutenden Stellung, welche dieſer Mann, der als Künſtler und Menſch gleich hoch ſtand, in der Kunſtwelt eingenommen hat, und bei dem weitverbreiteten Rufe, deſſen ſich ſein Name erfreut, dürfen wir wohl mit Gewißheit annehmen, daß unſern Leſern die fol⸗ genden Mittheilungen über ihn und ſeine Werke willkommen ſein werden.
Eugene Delacroix wurde am 20. April 1799 in Cha⸗ renton⸗Saint⸗Maurice, das zur Bannmeile von Paris ge⸗ hört, geboren. Sein Vater, Charles Delacroix, hatte unter der Directorium den Poſten als Miniſtapades Auswärtigen bekleidet, ſpäter als Präfect in Marſeille und Bordeaux an der Spitze zweier ſehr wichtigen Departements geſtanden und
Im Jahr 1817 trat er in das Atelier Guérin's ein, welches der um 8 Jahr ältere Géricault ſeit mehreren Bren verlaſſen hatte, in dem ſich aber zu dieſer Zeit Ary S Leon Cogniet und Paul Huet befanden, die ſeine Müſſchien waren und ſeine Freunde wurden. Der Kreuzzug gegen aie Schule David's, deren Haupt Eugéène Delacroix nach des Tode Gericault's werden ſollte, hatte bereits begonne Géricault, der Maler des Schiffbruchs der Meduſa, hatte 1812 das Portrait Dieudonné's zu Pferde ausgeſtellt und er übte gewiſſermaßen einen großen Einfluß auf einige Zögt linge Guérin's aus. Für Eugsne Delacroix hatte er eine beſondre Freundſchaft gefaßt; er hatte ſein Talent erkannt, er ermuthigte und leitete ihn und theilte ihm ſein Urtheil über ſeine Studien und Stizzen mit, die Eugene Delacroit ihm zuweilen vorlegte.
Das erſte Werk, das Eugene Delacroix im Jahr 1822 ausſtellte, war la Barque de Dante, dem er 1824 le Mas- sacre de Scio folgen ließ. Damals war die romantiſche Bewegung noch in ihrem erſten Feuer, und gegenwärtig kann man ſich gar keine Vorſtellung davon machen, welch Erſtau⸗ nen und welch einen Scandal dieſe beiden Gemälde in dem Publicum veranlaßten. Der Kampf war damals allgemein, eben ſo gut in dem Theater wie in den Gemälde⸗Ausſtellun⸗ gen. Die romantiſchen Schauſpiele und die Gemälde Gé⸗ ricault's und Delacroix' wurden von den Gegnern ganz mit
der romantiſchen Schule vertheidigt wurden. Man muſ
ſich dann von den öffentlichen Geſchäften nach Paris zurück⸗ gezogen. Bei Eugene Delacroix zeigten ſich bereits in früher Kindheit ausgezeichnete Anlagen für die Zeichenkunſt, die ihn aber nicht verhinderten, den regelmäßigen Curſus im College Louis⸗-le⸗Grand zu machen, un ſich wiſſenſchaftlich auszubilden, und er ſuchte auch ſpäter mitten unter den Zer⸗ ſtreuungen der Welt und während der Ausführung ſeiner vielen und großen Arbeiten ſeine Studien immer mehr zu vervollſtändigen, die ſeinem Geiſte die mannigfaltige und ſo⸗ lide Bildung gaben, welche man bei Künſtlern nicht ſehr häu⸗ fig antrifft.
derſelben Erbitterung angegriffen, wie ſie von den Anhängern
allerdings eingeſtehen, daß die beiden erſten Gemälde deſ jungen Malers ganz dazu geeignet waren, den Zorn ſeine
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Gegner aufzureizen und die Hoffnungen der Neuerer zu er ltemat
Sie waren unter dem directen Einfluſſe Géri⸗ cault's ausgeführt worden, und trotz der Jugend Delacroll zeigten ſich doch bereits die meiſten der Eigenſchaften, die die ſen Künſtler bis ans Ende ſeiner Laufbahn ausgezeichnen haben. Sie brachen in der deutlichſten Art mit den Tradi⸗ tionen der Schule David's. Die Anhänger der neuen Ideen bewunderten in dieſen Gemälden die Kraft, Größe, Originali⸗ tät und die Auffaſſung, den Reichthum, die Harmonie, die Wärme der Farbengebung, den kraftvollen und freien Pin⸗
muthigen.
Er


