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niſſe; man erwartete ſie zum Thee allerſeits mit Un⸗ geduld.
Die Thür öffnete ſich endlich, und das Fräulein trat ein; ſie ſab ſehr blaß aus, ihr Gang war ſchwan⸗ kend, und ſie hatte die ſchönen Augen zu Boden ge⸗ ſchlagen.
„Aber liebes, gutes Kind, biſt Du denn nun wieder ganz wohl?“ fragte der alte Herr beſorgt.
„Gott ſei Dank, daß Sie wieder da ſind, liebes Couſinechen!“ ſeufzte der Rittmeiſter, der ihr ſchnell entgegengegangen und ihre Hand genommen hatte, aus erleichterter Bruſt.
Laura ſchlug mit einem unbeſchreiblichen Aus⸗ drucke unheilbarer Melancholie die Augen zu ihm auf. In demſelben Augenblicke begann ſie wieder an allen Gliedern zu zittern, ſtreckte die Hände, wie ab— wehrend, vor ſich aus und war nahe daran, zum zwei⸗ ten Male in die Arme des Vetters zu ſinken.
Ihr Auge war nämlich auf den Magiſter gefal⸗ len, der ruhig am Theetiſche ſaß und ſich ſo eben einen Zwieback in ſeine Taſſe brockte.
„Aber, in aller fünfmalhunderttauſend Teufel Namen! Couſine Laura,“ flüſterte ihr der Rittmeiſter in das Ohr,„ſo nehmen Sie doch Vernunft an. Es iſt ja nicht ſein Geiſt, er ſelbſt iſt es, wie er leibt und lebt.“
„Er iſt nicht von⸗Ihnen todt geſchoſſen?“ fragte Laura mit krampfhaft gepreßter Stimme.
„Blos ein ſchlechter, unbeſonnener Scherz von mir, den ich ſchon längſt bereut habe,“ verſicherte der Rittmeiſter leiſe, währende verwundert auf ihn und Laura blickten,„ erde Ihnen nachher Alles erklären.“
Aber Laura ließ ſich nicht mehr Zeit, darauf zu warten; die Kräfte waren ihr auf einmal zurückge⸗ kehrt.
„Dem Himmel ſei gedankt, er lebt!“ rief ſie, faſt außer ſich vor Freude, und ſtürzte, ganz der Auf⸗ regung ihres heftigen Naturells nachgebend, auf den Candidaten zu, fiel ihm um den 8348 und lachte bunt durcheinander:
„Lieber, beſter Herr Candidat, verzeihen mir! Ach, wie froh bin ich, daß Sie wieder da ſind, Herr Candidat!“
„Herr Magiſter, wenn ich bitten darf,“ ſtammelte dieſer, der gar nicht wußte, wie ihm geſchah, und nichts Anderes dachte, als Laura wolle ſich wieder einen recht ſchlechten Witz mit ihm machen.
Der alte Herr ließ vor Staunen die Pfeife aus⸗ gehen, die Jungen ſperrten die Mäuler weit auf über dieſe wunderſame Zärtlichkeit ihrer Schweſter gegen den ſonſt bei ihr ſo unbeliebten Magiſter, der Ritt⸗
Novellen⸗Jeitung.
meiſter endlich runzelte die Stirn ein, wenig, denn dieſe Freudenbezeigungen gingen ihm doch ein Bischen igen I zu weit. ult
Als Laura ſich genügend überzeugt hatte, daß
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der Candidat noch am Leben ſei, ſank ſie erſchöpft in Auſch einen Seſſel, unfähig, vorläufig irgend eine Aus⸗ng Jör kunft zu geben. Mag
Das Alles war dem alten Herrn denn doch zu ch ni viel geworden; er ſtampfte mit dem Abguſſe ſeiner bt ger langen Pfeife ein paar Mal heftig auf den Boden, ſah ad der der Reihe nach von dem Einen zum Anderen und verlangte Aufklärung. Der Rittmeiſter, der dieſelbe wohl allein geben konnte, kaute in einer gewiſſen Ver⸗ungena legenheit an ſeinem Schnurrbarte; als das Geſicht Stadt, des alten Herrn ſich aber immer mehr verfinſterte, ſ Ri⸗ ing ging er auf ihn zu, faßte ihn beim Arm und meinte:ibe un
„Herr Vetter, wenn's Euch genehm iſt, ſo kommtde Anfe mit mir in die Nebenſtube, wir haben Mancherleiſdn Tas
Strafe vitten!
zu beſprechen.“ engravi Herr von Rautenkranz ſtand mit etwas miß⸗(ouſine trauiſchem Blicke auf und folgte ihm. Er laubn
Als der Rittmeiſter die Thür ſorgfältig wieden Fing g hinter ſich geſchloſſen hatte, ging er auf den altenfeckn.“ Herrn zu, faßte deſſen beide Hände, blickte ihm feſt un Die die Augen und ſagte: Ir was
„Hört einmal, beſter Vetter, würdet Ihr etwatin, der dagegen haben, wenn ich um die Hand Eurer Tochtendiz ſie
Laura werbe?“ dn Rit
„He, Vetter, höre ich recht? Ihr wollt die ruf mi Laura, das Kind, heirathen?“ ſahend,
„Warum nicht? das Kind wird im nächſten Jullſii Lich ſebzeſ abre alt, und bis dahin können wir dir ſiuen H Hochzeit aufſchieben.“ M *„Aber ſie hat ja noch nichts gelernt.“ Ald
„Doch, lieber Vetter, beſonders in den letzten Deezim
vier bis fünf Wochen.“ ſtahlten „Und was wird ſie denn ſelbſt dazu ſagen?“—
„Sch möchte Euch rathen, ſie ſelbſt danach zuhabe ich fragen, theuerſter Vetter und Schwiegervater in spe³ geſohn
Die Männer wechſelten nur noch ein paar er⸗ ſtllen, läuternde Worte dann ſanken ſie ſich in die Arme] ochten Herr von Rautenkranz ſah in der That nichts liebeſ und d. als dieſe Partie für ſeine Tochter; um die paar hunſf piund dert Thaler Schulden des Rittmeiſters bekümmerte e glernt ſich gerade nicht ſehr. Achegan
„Laura!“ rief er, die Thür zu dem Theezimmeg d öffgend,„komm' einmal auf einen Augenblick berein! tiküßte
Laura dachte, ſie ſolle ausgeſcholten werden, daß ten ſie den Candidaten habe todt ſchießen laſſen wollen, ice d und trat bebend ein.
„Couſinechen,“ ſagte Vetter Carl, ſchnell auf ſie zugehend und ihre Hände in die ſeinigen nehmend⸗
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