Muthe, denn er fühlte, daß er ſeine Befugniſſe über die Tochter ſeines Patrons überſchritten habe.
„Wohin wollen Sie, Fräulein Laura?“ fragte er dennoch in befehlshaberiſchem Tone.„Bitte, blei⸗ ben Sie hier!“
Aber das junge Mädchen warf ihm nur einen Blick der tiefſten Verachtung zu, ſtammelte:„Ich werde nie wieder eine Ihrer Lehrſtunden beſuchen, lieber wollte ich ſterben“— und verließ das Zimmer, deſſen Thür ſie mit gewaltigem Krachen in das Schloß warf.
Der Magiſter und die beiden Jungen waren wie verſteinert über den Trotz und die Entſchiedenheit,— man könnte beinahe ſagen: Hoheit— die in dieſen Worten lag. Keiner von ihnen rührte ſich.
Indeſſen ſtürzte Laura die Treppe hinab in den Garten, hob ihr Bouquet auf, drückte es unter ſtrö⸗ menden Thränen wiederholt an ihre Lippen und wan⸗ derte dann geſenkten Hauptes in die Jasminlaube, jetzt ihr Lieblingsplätzchen. Da ließ ſie ſich auf die grüne Bank nieder und ſchluchzte nach Herzensluſt.
Es dauerte gar nicht lange, bis Laura, durch ein Geräuſch erſchreckt, aus ihrem Schmerzenskampfe auffuhr: Vetter Carl ſtand im rothen Attila vor ihr.
„Mein Gott, theuerſtes, beſtes Couſinechen, was fehlt Ihnen denn?“ fragte er, augenſcheinlich ſehr beſtürzt.
Unter anderen Umſtänden würde das Fräulein aufgeſprungen ſein und ihre Thränen getrocknet ha⸗ ben, dieſes Mal aber ließ ſie dieſelben noch heftiger fließen und ſtammelte, auf das Tiefſte von der Be⸗ leidigung des Magiſters durchdrungen:
„Ach, der Candidat, der abſcheuliche Candidat!“
Der Rittmeiſter runzelte die Stirn; auch ihm gefiel die langweilige und ernſt beobachtende Miene ſeines ehemaligen Schulcameraden ſchon lange nicht mehr.
„Was hat er Ihnen gethan, Couſinechen?“ fragte er, ein wenig auffahrend.
Bei Laurachen war die Bosheit, die auch das beſte Herz in einem ſeiner entlegenſten Winkel ver⸗ borgen hält, augenblicklich zu ſehr hervorgetreten, als daß ſie hätte ſchweigen können; ſie erzählte daher, oft von Thränen und Schluchzen unterbrochen, dem Vetter haarklein, was ſich in dem Unterrichtszimmer zugetragen habe.
Vetter Carl war offenbar indignirt; wer wäre es auch an der Seite eines ſo reizenden Mädchens, das für die beiderſeitige Liebe geſtritten hatte, nicht geweſen? Sein Augen blitzten, und ſein dunkler Schnurrbart zuckte.
Novellen⸗Jeitung.
uaent „Das iſt ſehr, ſehr unrecht von dem Emil,“ ie brachte er zwiſchen den Zähnen hervor. 5 „Sagen Sie: ſchändlich! Vetter Carl, ganz ab⸗„ ſcheulich gegen ein wehrloſes junges Mädchen.“ ueder „Lag Ihnen denn aber ſo viel an dieſen einfa„ chen Blumen?“ fragte der Rittmeiſter, gewaltſam in D einen mehr ſcherzhaften Ton einlenkend. ſch uc „Wie Sie ſo fragen können? Haben Sie ſie ufu mir nicht geſtern ſelbſt gepflückt?“ Mer Man ſieht, Laurachen hatte ganz den Kopf ver⸗ie loren, ſonſt würde ſie nicht ſo offen geſprochen haben. rach Der Rittmeiſter war nahe daran, ſie an ſein Herz ſc, zu drücken, aber er beherrſchte ſich doch. wnd „Vetter Carl, Sie müſſen mich an ihm rächen; inen Papa thut es doch nicht, und er hat mich unverſöhn⸗ wib lich beleidigt, er hat mich wie ein Kind behandelt, Traul in meiner tiefſten Seele verletzt. Nein, das will, das kann ich nicht länger ertragen.“ ſie „Was ſoll ich denn aber thun, beſtes Couſine⸗ in chen?“. 1 „Was? das wiſſen Sie nicht? Sind Sie denn 4 nicht mein Vetter? müſſen Sie nicht ſchon deshalb eſch meine beleidigte Ehre rächen? Wie kann ein Officier von den Huſaren ſo fragen?“. eäb Der Rittmeiſter mußte unwillkürlich lächeln, aber 4 Laura bemerkte dies glücklicher Weiſe nicht. na „Soll ich mich denn mit dem Magiſter ſchießen?“ ſäne fragte er. iir „Thun Sie, was Sie wollen! mir iſt Alles recht, in ich will nur gerächt ſein. Ach, lieber Vetter Carl,. ich kann den Menſchen nicht mehr ausſtehn, er bringt fügen mich noch in das Grab! Papa ſteht ihm ja immer ruff zur Seite. Lieber will ich ſterben, als noch einmal in ſeine Stunden gehen. O der abſcheuliche, böſe Pdes Menſch!“ Der Rittmeiſter betrachtete ſeine Couſine eine ſitm Weile ſchweigend; ein aufmerkſamer Beobachter würde in ſeinen Zügen vielleicht geleſen haben, daß er mit ſſ,“ ihrer Heftigkeit nicht ganz zufrieden ſei. „Couſinechen,“ ſagte er nach einer Pauſe,„es iſt alſo Ihr Wille, daß ich die Sache ernſtlich mit dem au Magiſter abmachen ſoll? Sie wiſſen, daß er ein 1 ter Freund von mir iſt.“ Jalen „Dann laſſen Sie mich ſterben, Vetter Carl.“ „Nein, das werde ich nicht, das wiſſen Sie recht, gut. Aber eine ſolche Unterredung kann ernſte Fol⸗ bouf gen haben.“ „Er hat ſie verdient, denn nichts iſt abſcheulicher, derſt als ein ſchuldloſes Mädchen zu beleidigen!“ „Soll ich ihn denn wirklich todt ſchießen?“ „Meinetwegen; thun Sie, was Sie wollen!“ an Der Rittmeiſter ſtand auf, zögerte noch einen


