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viel Prudel, ſo viel Thränen! ſie wurde zur Verwun⸗ derung des Vaters und des Vetters ordentlich blaß dabei und bekam rothe Augen.
„Ach Gott!“ ſeufzte ſie oft aus tiefſter Seele, wenn ſie in der Nacht zehn Reihen geſtickt und elf wieder hatte auftrennen müſſen,„es iſt doch gar zu ſchwer. Wenn es nicht für Vetter Carl wäre, meinen lieben Vetter Carl, dann hielte ich's wahrhaftig nicht ans!“
Aber Eifer und Fleiß führen überall zum Ziele. Drei Tage vor dem Geburtsfeſte des Rittmeiſters war die Stickerei mit dem pfeildurchſtochenen Herzen fertig, gut oder sübel, es machte ſich doch. Ein reitender Bote mußte heimlich nach der Stadt zum Buchbinder; am dritten Tage lag die ſaubere Brieftaſche zu des Fräuleins unausſprechlicher Freude in ihren Händen.
Vetter Carl's Geburtstag war allen Uebrigen ein Geheimniß geblieben. Laura richtete an dieſem Morgen ſelbſt den Frühſtückstiſch her, wenigſtens machte ſie ſich dabei viel zu ſchaffen; ſie hatte nämlich die Brieftaſche, ſauber in Papier eingewickelt, unter des Vetters Serviette gelegt. Ihr liebliches Geſicht ſtrahlte an dieſem Morgen vor Stolz.
Man ſetzte ſich, und der Rittmeiſter nahm ſeine Serviette auf; verwundert ergriff er das kleine Packet und wickelte die Umhüllung ab.
„Nun, was iſt denn das, Vetter?“ fragte der alte Herr geſpannt.
„Hm, ich weiß noch nicht. Aber, alle fünfmal⸗ hunderttauſend— Welche Ueberraſchung!— Mein Gott, wer—?— Aber Couſinechen, das kann nur von Ihnen ſein!“
Laura's ganzes Antlitz war erglüht, die Thränen kamen ihr in die Augen.
„Ja, das habe ich gemacht,“ ſagte ſie, zwiſchen Schüchternheit und Stolz getheilt,„für meinen lieben Vetter Carl zu ſeinem Geburtstage.“
Auch des Rittmeiſters Geſicht glühte; er konnte ſich nicht mehr halten, ſondern ſprang auf, umarmte Laurachen und küßte ſie geradezu auf den Mund. Alle ſtutzten und begriffen ihn nicht eher, als bis die Brieftaſche von Hand zu Hand ging.
„Aber, Mädchen, wo haſt Du das gelernt?“ fragte der alte Herr, ſtarr vor Staunen.
„Von meiner ſeligen Mama,“ ſtammelte das Fräu⸗ lein, in Thränen ausbrechend, die wohl nur ihrem inneren Glücke galten.
Der Alte ſchüttelte leiſe den Kopf, aber er konnte ſich doch nicht enthalten, ſein Töchterchen auf die Stirn zu küſſen, die Jungen bemäkelten die Stickerei, die allerdings nicht fehlerfrei war, der Candidat blickte bald Laura, bald den Rittmeiſter mit einer Miene
Novellen⸗Zeitung.
an, die zu ſagen ſchien:„Dabei iſt mir der Verſtand ſtehen geblieben“— und Vetter Carl ſah aus, als habe irgend eine gütige Fee alle ſeine Schulden be⸗ zahlt.
„Couſinechen, wenn ich Ihnen das vergeſſe,“ ſtammelte er in tiefſter Rührung und dabei unbe⸗ ſchreiblicher Freude,„ſollen mich fünfmalhunderttau⸗ ſend Teufel holen.“
Laura wurde von allen Seiten gedrängt, zu er⸗ zählen, wie ſie ſticken gelernt habe, aber ſie vermochte nur, mit der Hand auf dem Herzen, zu ſagen:„Ich habe es wahrhaftig ganz allein gemacht, die Louiſe hat mir nur die erſte Nadel eingefädelt“— und dann ſprang ſie plötzlich auf und lief weinend davon.
Der alte Herr wurde ſehr ernſt und blickte ge⸗ dankenvoll auf den Rittmeiſter.
Dieſer reichte ihm ſtumm die Hand und ſagte dabei leiſe:„Beſter Vetter, Eure Laura iſt eine Perle.“
Es verſteht ſich von ſelbſt, daß Vetter Carl und ſeine Couſine nach dieſem kleinen Zwiſchenfalle die beſten Freunde blieben, ja, daß ihre Freundſchaft wohl noch inniger geworden war. Der Rittmeiſter hielt ſein Geburtstagsgeſchenk, welche äußeren Män⸗ gel daſſelbe auch für kundige Augen haben mochte, in den höchſten Ehren und betrachtete es, wenn er ſich unbelauſcht glaubte, oft und lange mit einem Aus⸗ drucke von Rührung und Entzücken; gewöhnlich drückte er dann einen leiſen Kuß auf die Stickerei, ehe er ſie wieder fortſteckte, und lächelte dabei eigenthümlich.
Aber die beiden dicken Jungen hatten ihn dabei doch einmal belauſcht, als er in der romantiſchen Jasminlaube ſaß. Sie hatten nichts Eiligeres zu thun, als zu Laura zu ſpringen und ihr beide wie aus einem Munde zuzurufen:
„Schweſter Lore, Vetter Carl hat eben in der Jasminlaube Deine Brieftaſche geküßt, ach, und ſo herzlich und lange!“
Das junge Mädchen wurde glühend roth.
„Geht doch und, redet nicht ſolchen Unſinn!“
„Wir haben es aber beide geſehen,— wahr⸗ haftig!“
„Er wird etwas Anderes mit der Brieftaſche ge⸗ macht haben.“
„Nein, er hat ſie geküßt und gerade das Herz, was Du darauf geſtickt haſt.“
„Laßt mich zufrieden. Aber hört, ſprecht um's Himmelswillen zu keinem Menſchen davon, es könnte dem Vetter Carl unangenehm ſein.“
„Höre, Lore,“ ſagte der älteſte Junge mit nai⸗
vem Ernſte,„ich glaube, der Vetter Carl iſt Dir gut.“ „Iſt er Euch denn nicht auch gut?“
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