652 Novellen laune, welchen ſcharfen, nach außen oppoſitionell ver⸗ wendeten Sarkasmus Sydney Smith inmitten dieſer Zuſtände ſich bewahrte, ſo wird die Schilderung die⸗ ſer letzteren auch den Politiker von Fach intereſſiren.
Er kann daraus tröſtlich genug erſehn, daß wir gegenwärtig in manchen deutſchen Ländern wahrlich noch nicht Urſache haben, kleinmüthig die Hoffnung auf ein Erringen beſſerer Verhältniſſe aufzugeben, denn wenn gleich England freilich damals ſchon In— ſtitutionen beſaß, die ſich zum Humaniſtiſchen hin weiter und leichter ausbauen ließen als die unſrigen von heute, ſo war es doch innerhalb derſelben einer viel tieferen Reaction verfallen, als ſie in unſerer Zeit irgend wo herrſchend iſt. Wenn aus der Fin⸗ ſterniß Licht erblühen kann, ſo wird es aus der Däm⸗ merung um ſo leichter hervorgehen. Zündſtoff iſt immer da, und an der wohlthätigen Reibung fehlt es nicht, ihn zur leuchtenden Fackel zu entflammen. Auch fehlt es nicht an jenem ſegensreich conſervativen Geiſt im guten Sinne, der Sorge trägt, daß dieſe Fackel blos leuchtend und nicht brennend werde.
In Bezug auf den Humor Smith's muß man ſagen, daß er echt engliſcher Natur iſt, und man darf es eine eigenthümliche Erſcheinung deſſelben nennen, daß er ſich wie der der meiſten Engländer ganz an die reale Erſcheinungswelt hält. Er tritt nicht über⸗ müthig ſprudelnd, nicht als ein ſelbſtſtändiges Element,
„Zeitung.
ſondern nur als eine herrſchende Eigenſchaft der Dar⸗ ſtellung auf. Deshalb aber hat er vor dem mehr
Der engliſche Humor hat als Zergliederung der Wirklichkeit und des täglichen geſellſchaftlichen Lebens einen gemeſſenen, ich möchte ſagen trockenen Vortrag, da er ſachlicher Natur iſt. Der Engländer redet ſei⸗ nen Humor, der Deutſche declamirt ihn; bei jenem iſt der analytiſche Verſtand, bei dieſem die produc⸗ tive Phantaſie vorzugsweiſe thätig, und ſo kommt es denn, daß die ungemeſſenen Bewegungen der Einbil⸗ dungskraft den humoriſtiſchen Gebilden derſelben jene Formloſigkeit geben, die ihn leicht ſchwer verſtändlich werden läßt. Der Engländer wird höchſtens breit und nicht ſelten ſehr platt dabei, weuigſtens ſehr pro⸗ fan; der Deutſche verliert ſich häufig in allegoriſchen Illuſionen.
Die bedeutende Realität giebt aber dem engliſchen Humor etwas Faßliches, anekdotenhaft Eingerahmtes,
und deswegen paßt er ſich gleich dem Witz der Fran⸗
zoſen beſter Zeit mehr als der deutſche zur Conver⸗
ſation, zur geſelligen Belebung eines großen Kreiſes.
Sich beſonders an das öffentliche Leben und an die Politik anlehnend, eignet er ſich gleich dem Pariſer Bonmot dazu, wieder erzählt und weiter getragen zu werden, und ſo kommt es denn, daß ſolche Poiuten wegen ihrer Zeitbeziehungen oft mehr Beifall und Ruhm ernteten, als wir Deutſche, die nur den abſo⸗ luten geiſtigen Werth abwägen, ihnen in Anberracht deſſelben glauben zugeſtehn zu dürfen. Wenn wir eiſt
ein allgemeines öffentliches Leben beſitzen, werden un⸗
ſere hervorragendſten deutſchen Talente auch ein Forum
idealiſtiſchen, überſchwenglichen deutſchen Humor, der haben, auf welchem ihre guten Einfälle ſich von Na⸗ tur draſtiſch in Scene ſetzen und den Platz einnehmen,
ſich in Jean Paul beiſpielsweiſe zur höchſten Pyramide V gipfelt, einen Vorſprung voraus, den nänlich, viel
formvoller, bündiger, plaſtiſcher zu ſein.
welcher ihnen ihrer Potenz nach gebührt.
Feuilleton.
Den Freunden der Muſik.
Hector Berlioz, der ſich in ſeinen muſikaliſchen Schrif⸗ ten über ſehr verſchiedene Fragen ausſpricht, und dem man nachſagen muß, daß er das Wort mit Geiſt und immer mit edelem Eifer zum Wohle der Kunſt zu führen verſteht, redet unter Anderm auch in ſehr intereſſanter Weiſe über die Un⸗ ſitte unſerer viel zu großen Opernhäuſer. Er meint damit zwar weſentlich diejenigen von Paris; doch wir fangen ſchon lange in Deutſchland an, dieſen verderblichen Fehler durch den Bau übermäßig geräumiger Theater nachzuahmen, und alle Gebildete wird es daher feſſeln, einen Theil von Berlioz' Philippika zu hören. Geht er doch auf den Verfall der Ge⸗ ſangskunſt überhaupt ein, die jedem Deutſchen jetzt wärmer als ſonſt am Herzen liegt.
„Der geſunde Menſchenverſtand,“ ſagt Berlioz,„dürfte wohl annehmen, daß die ſogenannten„Opernhäuſer“ Kunſt⸗ anſtalten ſein müßten, in denen die Sänger der Opern wegen da ſind. Aber thatſächlich findet das gerade Gegentheil ſtatt: die Opern ſind nur der Sänger wegen da. Jede Partitur muß erſt mehr oder weniger zugeſtutzt, beſchnitten, ausgeflickt, angeſtickt oder abgekürzt werden, bevor ſie in den Zuſtand geſetzt iſt(und in was für einen Zuſtand!), um von den Künſtlern, denen man ſie überliefert, ausgeführt werden zu können. Der Eine findet nämlich ſeine Partitur zu hoch, der Andere zu tief; Dieſer hat zu viel Nummern, Jener nicht genug; der Tenoriſt verlangt jeden Augenblick ein„i“, der Bariton will immer ein„a“; das iſt der Prima Donna zu
langſam, jenes dem Tenoriſten zu ſchnell. Bei der gegen⸗
würti daum nenne die in lauig den d lähm da ein nuthi Umfa⸗ unsd der v Blün Geſa vir e ſikali hen
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