Vierte
Furore unter den Maͤdchen von der Küche und den Ställen machte, ging es auch in dem herrſchaftlichen Kreiſe lebendiger zu. Die Lehrſtunden des Magiſters waren, als eine Art von Ferien, auf drei an jedem
dereits Pra⸗ 1 Dein Be⸗ lehung— 4
uß ich den d Meiſcen Vormittage beſchränkt worden; ſo konnten ſich die ruten exer Kinder ſchon des Morgens im Garten umhertummeln,
die Jungen ihren Turnſtudien unter Aufſicht des Rittmeiſters obliegen, und Laura, während ſie für da ganzen den Letzteren Kränze band, die ſie alle Morgen friſch hintet ei⸗, in ſeinem Zimmer aufhängte, als Zuſchauerin bei⸗ Hrichs aus wohnen. Wenn die Stunden vorbei waren, ſchoß mit Sporenman nach der Scheibe mit Piſtolen, dann ging man u und caje zu Tiſche, und nach dem Eſſen ritt der Better ſeine ganz cbenſe beiden Pferde, das eine i leitung der Jungen,
die ihre Ponies hatten, bei dem zweiten gewohnlich längeren Spazierritte pflegte ihn Laura zu begleiten; den Reſt des Tages brachte man dann im Garten oder bei ſchlechtem Wetter im Theezimmer zu.
Herr von Rautenkranz, obgleich ehemals ein ſehr gaſtfreier Wirth, machte und empfing ſeit einiger Zeit keine Beſuche mehr, hauptſächlich aus dem Grunde, weil er die Erziehung ſeiner Tochter noch nicht für
ſort, als er hütteln ſah. aub, die ich gen gedenke, dere werden,
4 Nühe m ollendet hielt. Das war auch ein Punkt, um deſſent— leben, alta willen Laura den Candidaten ſo wenig leiden mochte,
denn ſein Urtheil gerade fiel in dieſer Beziehung bei ſagend dem Vater ſchwer in das Gewicht und verſchloß ihr
noch immer die Pforten der großen Welt, nach deren Oeffnung ſie ſich ſo ſehr ſehnte. „Wenn ich zwanzig Jahre alt bin, werde ich bei
nne ich Dich er zu fragen
un habe?— 3 4 einer Abſcht dem abſcheulichen Candidaten noch immer franzöſiſche zaſt auf“ Vocabeln lernen müſſen,“ klagte ſie dem Vetter Carl de Nagüt iefſchmerzlich;„und dann iſt es mit dem Leben für de ür ſa⸗ mich aus. Was bilft es mir dann noch, wenn ich viirklich fertig franzöſiſch parliren gelernt haben das Wenige, ſollte?“ 3 3 p g 1 p gefſe. r„Aber Couſinechen, mit zwanzig Jahren hat mein Deinen 1 Leben eigentlich erſt angefangen, ich wurde damals den meinigen gerade Officier.“.
„Ja, bei uns Mädchen iſt das anders, wir ſind aus ſoll mnit ſechszehn Jahren ſchon ſo alt wie die Männer pat bei dir wit vierundzwanzig.“ eſen, iu ſec„J, woher Sie das wiſſen? aber gleichviel, man ungewandelt muß ſein ganzes Leben hindurch lernen.“
u gieh heute„Das ganze Leben hindurch? ich werde als Frau verlaſſe Dich doch nicht mehr franzöſiſche Vocabeln zu lernen brau⸗ en?“ 38 end auf! war„Als Frau? wollen Sie ſich denn ſobald ſchon u den Candie werheirathen?“ 1 Schlſ 3u„Ach, Herr Vetter, wie Sie reden können!“ ant⸗ portete das Fräulein verwirrt.„Das habe ich doch cht geſagt! Allerdings hoffe ich einmal zu heirathen, enn, ich in die Jahre gekommen bin.“
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Folge 647
„Ja, ja,“ meinte der Vetter,„und da Sie dann jedenfalls einen Mann wählen werden, der in der guten Geſellſchaft auftritt und Sie dort einführt, wer⸗ den Sie franzöſiſch ſprechen müſſen.“
„Mein Gott, wozu iſt denn das aber in Deutſch⸗ land nöthig, Herr Vetter?“
„Vergeſſen Sie nicht, Couſinechen, daß Deutſch⸗ land und die gute Geſellſchaft zwei ganz verſchiedene Begriffe ſind.“
„Alſo Sie meinen, daß ich durchaus Franzöſiſch lernen müſſe?“ fragte das Fräulein nachdenklich.
„Allerdings; Sie werden nicht eher heirathen können, theuerſte Couſine.“
„Sprechen Sie denn franzöſiſch, Herr Vetter?“ fragte ſie, ihr blaues Auge auf ihn heftend, ſinnend weiter.
„Gewiß; wie könnte ich ſonſt in der Geſellſchaft meinen Stand behaupten?— Wenn ich einmal hei⸗ rathen ſollte—“*
„Was? Sie ſind deſſen noch nicht ſicher?“
„Nein, weil ich nur eine Frau heirathen würde, die vortrefflich franzöſiſch ſpräche.“
Laurachen ſeufzte leiſe, aber ſie brach das Ge⸗ ſpräch, das bei einer Promenade im Garten geführt worden war, ab.
Am Abend, als ſie dem Vetter eine Taſſe Thee präſentirte, flüſterte ſie ihm zu:
„Herr Vetter, ich habe eine große Bitte an Sie.“
„Sie iſt Ihnen im Voraus gewährt, Couſinechen.“
„Wenn wir des Morgens im Garten ſpazieren gehen oder Nachmittags ausreiten, wollen wir dann nicht immer franzöſiſch mit einander ſprechen, Herr Vetter? Ich werde mich anfangs allerdings ein Bis⸗ chen geniren, und Sie müſſen auch ſchon Nachſicht mit mir haben und mich nicht auslachen—“
Der Rittmeiſter drückte zärtlich die kleine Hand, als er die Theetaſſe aus ihr nahm, und flüſterte zur Erwiderung:
„Kein Wort weiter, Couſinechen! Wir wollen beim Reiten immer franzöſiſch ſprechen, und ich werde nicht lachen; Ihr Anerbieten iſt mir ungemein ange⸗ nehm, denn auch ich bedarf der Uebung. Alſo abge⸗ macht, nicht wahr?“
„Warum küſſen Sie denn dem Backfiſche die Hand, Vetter Carl?“ rief der alte Herr lachend über den Tiſch hinüber.„Das Mädchen iſt im Stande, ſich noch etwas darauf einzubilden.“
„Vetter, Laura's Pätſchchen iſt zu appetitlich.“
Der Candidat ſchnitt ein gräuliches Geſicht, denn er dachte bei ſich:„Eine ſchöne Methode, den kleinen Satan ganz in Grund und Boden zu verderben!“
Aber am andern Morgen war er doch nicht wenig


