Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
646
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Wie, in aller Welt, kommen die Kinder aber gerade auf dieſe Idee? ich werde mir einen Sammetkra⸗ gen auf den ſchwarzen Frack machen laſſen müſſen.

Thue das, Brüderchen! Wenn Du übrigens meine Caſſe in Anſpruch nehmen willſt, ſo ſteht ſie Dir ganz zu Dienſten.

O bewahre!

Nun, genire Dich nicht; meine Cameraden bor⸗ gen öfter von mir und ich von ihnen, das gleicht ſich immer wieder aus. Weißt Du übrigens, daß ich eigentlich an Deinem Unfalle die Schuld habe?

Du, alter Freund und Bruder?

Gewiſſermaßen ja, denn ich habe der Laura vor drei Jahren die Geſchichte von dem Profeſſor Boe⸗ necke und der Tintenflaſche erzählt.

Ah! machte der Candidat verwunderungsvoll. Das hätteſt Du nicht thun ſollen, lieber Bruder.

Ich dachte nicht, daß ſie ſich unſer Beiſpiel zu Gemüthe ziehen würde, erwiderte der Rittmeiſter ſorglos.

Du ſiehſt nun, wie wenig Weiblichkeit dieſes junge Mädchen beſitzt!

Nein, wahrhaftig nicht! rief Vetter Caxl la⸗ chend.Ich ſehe nur, daß Du ein langweiliger Pe⸗ dant biſt, deſſen Methode bei einem munteren und hübſchen Mädchen von ſechszehn Jahren immer fehl⸗ ſchlagen wird.

Der Candidat blickte ſeinen Schulfreund ſtarr an.

Solche ſchalkhafte Sylphennaturen, fuhr der Rittmeiſter, immer noch ſcherzend, fort,laſſen ſich nicht durch ſteife und gemeſſene Worte, eine gerun⸗ zelte Stirn und nun erſt gar durch gewaltſame Ein⸗ ſperrung feſſeln, Du haſt ja geſehen, wie ſie davon fliegen. Iſt es Dir ſchon je eingefallen, Bruder, meine kleine Couſine merken zu laſſen, daß ſie eine bildhübſche Hexe ſei? Frei heraus mit der Sprache!

AäAber, lieber Bruder! Erſtens habe ich das wirklich noch nicht gefunden, und dann bedenke doch meine Stellung

Lieber Emil, Du konnteſt ziemlich ſicher über⸗ zeugt ſein, daß Laura ſich nicht zum Sterben in Dich verlieben würde, rief der Rittmeiſter übermüthig; ich meinte auch gar nicht, daß Du es auf ein ſolches Ziel abſehen ſollteſt, ich dachte nur, Du hät⸗ teſt ihr hin und wieder eine kleine Aufmerkſamkeit erzeigen, eine kleine liebenswürdige Schmeichelei in Deinen Vortrag einfließen laſſen ſollen, das würde ſie mit der Langweiligkeit des letzteren wieder ver⸗ ſöhnt haben, zumal ihr hier gewiß kein anderer Menſch Schmeicheleien ſagt. Statt deſſen haſt Du

Still, Herr Bruder, das kannſt Du nicht ver⸗ ſtehen, unterbrach ihn der Candidat energiſch,ich

Novellen⸗Zeitung.

weiß, was meines Amtes iſt, und habe bereits Pro⸗ ben davon abgelegt, daß ich es verſtehe. Dein Be⸗ ruf iſt ein ganz anderer als der der Erziehung*

Was? ſchrie der Rittmeiſter.Muß ich dem Könige nicht jahraus jahrein Pferde und Menſchen heranziehen? Remonten reiten und Rekruten exer⸗ ciren laſſen?

Aber, Herr Bruder

Nichts da, alter Freund! wenn ich den ganzen Tag über mit der Peitſche in der Hand hinter mei⸗ nen Remonten ſtehen wollte, würde auch nichts aus ihnen werden; zur Zeit muß man ſtrafen mit Sporen und Peitſche, zur Zeit aber auch klopfen und cajo⸗ liren. Das iſt Reſße Anvgen ganz ebenſo, glaube mir das ſicher!

Soll ich Dir's beweiſen? fuhr er fort, als er den Candidaten ungläubig den Kopf ſchütteln ſah. Ich habe zwar blos ſechs Wochen Urlaub, die ich hier beim Vetter Rautenkranz zuzubringen gedenke, Couſinechen Laura ſoll aber eine ganz Andere werden, wenn ich ihre Erziehung übernehme.

Du? fragte der Candidat erſtaunt.

Ja, ich; ich will mir die angenehme Mühe ma⸗ chen. Du ſollſt Dein Wunder daran erleben, alter Freund. 1

Aber was wird der alte Herr dazu ſagen?

Siehſt Du, Pedant? daran erkenne ich Dich gleich wieder. Was brauche ich den Vater zu fragen, wenn ich mit der Tochter etwas zu thun habe?

Aber ſtill! bei Leibe kein Wort von meiner Abſicht,

oder ich kündige Dir meine alte Freundſchaft auf. Hm, das wird nicht gehen, meinte der Magiſter

bedenklich;wenn ich meine Lehrſtunden bei ihr ſechs

Wochen ausſetze, ſo hat ſie inzwiſchen das Wenige, was ſie bisher gelernt, wieder ganz vergeſſen.

Davon iſt keine Rede, Du mußt Deinen Un⸗ terricht ungeſtört fortſetzen, ich werde für den meinigen Zeit und Gelegenheit finden.

Wenn ich nur wüßte, wo das hinaus ſoll!

Wir werden's ja ſehen. Laura war bei Dir eine ungelehrige Schülerin, das iſt erwieſen, in ſechs Wochen oder ſchon früher ſoll ſie wie umgewandelt ſein. Abgemacht, Brüderchen! und nun gieb heute Deine Stunden, ohne Dich zu ärgern, verlaſſe Dich ganz auf Vetter Carl!.

Damit ſprang der Rittmeiſter lachend auf, warf das Ende ſeiner Cigarre fort und nahm den Candi⸗ daten unter den Arm, um mit ihm dem Schloſſe zu⸗ zugehen.

Seit der Anweſenheit des Vetters Carl ſah es im Schloſſe doch ganz anders aus als ſonſt. Abge⸗ ſehen davon, daß ſein Huſar im rothen Dolman viel

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