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ggsreſultate.
Novelle
von hre Stanislaus Graf Grabowski. ten(Fortſetzung.)
Vor drei Jahren hatte der Vetter noch„Du“ zu Laura geſagt; warum that er es jetzt nicht mehr? So fragte ſich Laura insgeheim, aber auch ihr blie⸗ ben die Worte:„Mein lieber Couſin Carl!“ auf der Zunge. Und wie ſein Kuß auf ihrer Stirne brannte! K— Der eine Moment hatte Laurachen klüger gemacht 3 als ſämmtliche Lehrſtunden, die ſie bisher bei dem Magiſter gehabt hatte. Dieſer Letztere betrachtete die kleine Scene mit ute, offenen Augen und Munde. Daß der alte Herr von Rautenkranz noch dazu lachen konnte, kam ihm ſchon waunderbar vor, aber noch viel wunderbarer, wie das f lunge Mädchen, das er doch ſelbſt eingeſchloſſen hatte, ierher gelangen könne; in Gegenwart des Vaters und Vetters wagte er aber nicht, danach zu fragen. Laura war ſo verwirrt, daß ſie die Frage ihres Vet⸗ ters nicht beantwortet hatte; erſt als der alte Herr, laut lachend, rief:„Aber, Mädchen, wo kommſt Du denn her? Der Magiſter hat mir doch geſagt, daß er Dich eingeſperrt hätte?“— erwiderte ſie, noch im⸗ mer nicht frei von ihrer Befangenheit und dem Arme des Vetter Carl: „Lieber Papa, ich bin aus dem Fenſter geſprun⸗ gen, als ich hörte, daß der Herr Vetter da ſeien.“ 1„Aus dem Fenſter, das zehn Fuß über dem Bo⸗ dden liegt und unter dem die Glasbeete ſind?“ rief der Alte, beinahe erſchrocken, und gleichzeitig mit hm der Rittmeiſter und der Candidat: „Meinetwegen, theuerſte Couſine?“ und„Aber äulein Laura!“ „Ja, ich konnte mir nicht anders helfen, aber Uie beiden Jungen ſitzen noch, und ſie ſind ſo neu⸗
ſchau.
Vierte Folge.
Novellen⸗-Zeitung.
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gierig auf Vetter— ich wollte ſagen: den Herrn Rittmeiſter.“
„Ja, die beiden Jungen, den Wilhelm und den Fritz!“ rief der Rittmeiſter.„Die muß ich ſehen! Höre, Emil, laſſe ſie ſogleich los. Was zuckſt Du mit den Achſeln, alte Schraube? wäre es uns, wenn wir damals im Carcer ſaßen, nicht auch ſehr wohl zu Muthe geweſen, wenn uns die plötzliche Ankunft eines guten Vetters davon befreit hätte? Ich will
doch nicht hoffen, daß Du ein ſteifer Schulpedant ge⸗
worden biſt?“
Der Candidat ſchwankte zwiſchen Gefühlen der Pflicht und Freundſchaft; der alte Herr nickte ihm lächelnd zu, und Laura genirte ſich, vielleicht um wie⸗ der etwas feſteren Boden zu gewinnen, nicht, zu ihm zu gehn, ſeine Hand zu ergreifen und zu bitten:
„Beſter Herr Magiſter, laſſen Sie heute noch einmal die beiden armen Jungen los; ich habe ja die Schuld an Allem gehabt!“
Aber der Candidat war ſo leicht nicht zu rühren; er ſtarrte vor ſich auf den Boden hin und erwiderte kein Wort. Die Antwort war übrigens auch nicht von Nöthen, denn ſchon ſtürmten die beiden Arreſtan⸗ ten mit dem ohrenzerreißenden Freudengeſchrei:„Vet⸗ ter Carl! Vetter Carl!“ in das Zimmer; ſie hatten denſelben abenteuerlichen Weg wie ihre Schweſter ge⸗ nommen.
Die Jungen waren weniger blöde als die Letz⸗ tere; ſie herzten den Vetter, der ſich dies gefallen ließ, nach beſten Kräften ab und machten einen ſol⸗ chen Lärmen, daß weder der Vater noch der Magiſter, deſſen Stirn ſich in drohende Falten gelegt hatte, zu Worten kamen. Jetzt war auch nicht der Augenblick da, Vorwürfe zu machen und neue Strafen zu ver⸗ hängen; die unvorhergeſeheue Ankunft des geliebten
Gaſtes beſchwichtigte Alles.
Der Candidat war an dieſem Abende bald ver⸗ drießlich, wenn er an ſeine Zöglinge dachte, bald wieder heiter und glücklich geſtimmt, wenn der Ritt⸗ meiſter ihn an ſeine frohe Jugendzeit erinnerte. Man ſaß bei der brodelnden Theemaſchine zuſammen, Laura
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