Erfahrung.
Sie wollen deinen Himmel, Nicht ſeine Wolken auch;
Von deiner Geiſtesflamme Scheucht ſie der ſchwache Rauch.
Sie wollen wohl die Roſe, Doch nicht an ihr den Dorn; Verſchmäh'n der Schale wegen Das edle Perlenkorn.
Am grünſten Baume findet Ihr Aug' ein falbes Blatt,— Ihr Ohr am ſchönſten Liede Den Ton zu ſcharf, zu matt.
Und preiſen deine Freundſchaft Sie heut' als reinſten Born, Sie finden morgen drinnen Gewiß ein ſandig Korn.
Dem Einzelnen aus Vielen Magſt du genügen ſchon; Doch Allen zu gefallen, Braucht's ein Chamäleon.
Drum laß den Haufen mäkeln Und achte nicht darauf;
Zieh' doppelt dichte Schleier An deinem Himmel auf!
Der Schwäche leichte Wolke Vergeben ſie dir nie;— Nimm Donner auf die Zunge! Den Donner achten ſie.
Tod und Leben.
Es ſtreicht auf geſpenſtigem Roſſe Ein finſterer Reiter durch's Feld; Wie Frucht, gefällt von der Schloße, Lag da manch ſtattlicher Held.
Der Finſtere muſtert die Leichen
Und ſchlägt noch einmal an's Schwert: „Hier hab' ich mit kernigen Streichen Den alten Helden bewährt.
Novellen⸗Jeitung.
Heinrich Freimuth.
Feind Leben! An dieſen Todten Verſuche deine Macht!
Dir ſei der Lorbeer geboten, Wenn Einer, nur Einer erwacht.
Aus tro Nur ei Pflanz'
In eine
Adern ſ
hier ein!
Dann geb' ich dir die Ehre, Gleichwie ich Fehde dir bot.“
Drauf ſpornt ſeine aſchgraue Mähre Der finſtere Reiter— Tod.
Und Herbſt und Winter vollbrachten Den alten Lauf um die Welt,
Bis im Lenz die Fluren lachten
Und grün ward das Todtenfeld.
Da ſtand in der Morgenfrühe Ein Alter auf blumigem Plan, Und riß aus dem Boden mit Mühe Einen Schädel und ſtaunte ihn an.
Ein tiefblaues Veilchen ſchaute
Dort aus dem Knochenring,
D'rin ein Menſchenaug' einſt blaute, Eh' die Schlacht hier vorüberging.
Jüngſt blies der Wind den Samen In die Höhlung und Staub darauf, Und Wolke und Sonne kamen
Und weckten die Blüthe auf.
Den Alten faßte ein Beben— Hier ſtand das Auge blau, Das der Tod gefordert vom Leben
Dann wankte er grinſend weiter, Vom üppigen Leben umlacht.— Es war der finſtere Reiter
Vom Tage der blutigen Schlacht.
„Feind Leben! Ich werde erliegen, Wie ich dir hier erlag;
Doch muß ich dich bekriegen
Bis zu dem letzten Tag.“
Gedichte von Heinrich Freimuth. Leipzig, Verlag von E. Wengler. 1863.
Nach der Schlacht bei der Leichenſchau.
Laure Sof ben Zun


