Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
636
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Novellen⸗

Zeitung.

Feuill eton.

Der Feldmarſchall Lord Clyde.

Dem am 14 Auguſt in Chatham entſchlafenen Feldmar⸗ ſchall Clyde, in dem England ſeinen ausgezeichnetſten Feldherrn der Gegenwart verloren hat, widmet die Times vom 15. Aug. volle vier ihrer Rieſenſpalten. Da ſich dieſer Mann als Sir Colin Campbell in dem Krimkriege und während der letzten großen Verſchwörung in Oſtindien viel Ruhm erwor⸗ ben und ſich überall bekannt gemacht hat, ſo wird eine kurze Mit⸗ theilung über das Leben dieſes Mannes, das gleichzeitig Licht über engliſche Verhältniſſe verbreitet, die von den unſrigen ſo ſehr verſchieden und keineswegs allgemein bekannt ſind, unſern Leſern ſicher willkommen ſein.

Am 20. October 1792 wurde entweder in Glasgow oder ganz in der Nähe dieſer Stadt ein Knabe geboren, deſſen ärmliche Wiege von keinem Strahl der Hoffnung und des Reichthums erleuchtet war, und dem Niemand prophezeit haben würde, daß er einſt als engliſcher Peer und Feldmar⸗ ſchall ſterben würde. Sein Vater hieß M' Livor, ſtammte von der Inſel Mull und iſt erſt, nachdem ſein Sohn bereits zum Lord Clyde ernannt, doch ehe derſelbe noch aus Oſtin⸗ dien zurückgekehrt war, im Alter von 94 Jahren in der Nähe von Granton geſtorben. Seine Mutter war eine geborne Campbell von der Inſel Islay, ſie ſtammte aus einem kriegeriſchen Geſchlechte, und ihr Bruder, der Major Camp⸗ bell, legte den Grund dazu, daß ſein Neffe, Colin M'Livor, ſo hieß der erwähnte Knabe, ſich für den Soldatenſtand be⸗ ſtimmte. Am 10. October 1800 trat dieſer alſo damals noch nicht ganz acht Jahr alte Knabe in Glasgow in die untere lateiniſche Claſſe am High der jetzigen Grammar School in Glasgow ein, aus der er ſpäter auf Veranlaſſung ſeines Onkels in die Militärſchule in Gosport übertrat. Major Campbell hatte die Ehre dem Herzog von York, dem ſogenanntenSoldatenfreund, perſönlich bekannt zu ſein, mit dem er 1793 und 1794 auf dem Continente geweſen war, und ſich deſſen Wohlwollens zu erfreuen. Im Jahr 1808 ſagte der Herzog bei irgend einer Gelegenheit zu dem alten Bekannten:Major Campbell, kann ich Ihnen in irgend einer Art einen Dienſt erweiſen? und erhielt von ihm die Antwort:Ja, Ihre Königliche Hoheit, ich habe einen Nef⸗ fen, welcher, wie ich glaube, gern eine Commiſſion(ſo heißt in England das Officierspatent) haben möchte.Laſſen Sie uns ihn ſehen, ſagte der Herzog, und als er den noch nicht ſechszehn Jahr alten jungen Mann geſehen hatte, ſagte er zu ſeinem Secretair:Tragen Sie den Herrn Campbell als Fähnrich ein, was derſelbe ſofort that und den jungen Colin M'Livor als Colin Campbell in die Armeeliſte eintrug. Der neue Fähnrich theilte ſeinem Onkel ſofort mit, daß man ihn unter einem unrechten Namen eingetragen habe, erhielt aber von ihm die Antwort:Durchaus nicht, Du biſt als ein Campbell eingetragen und ein Campbell ſollſt Du wer⸗ den. So wurde aus Colin M'Livor ein Colin Campbell, welchem Namen er ſpäter große Ehre gemacht hat. Kaum war ſeine Commiſſion als Fähnrich ausgeſtellt, ſo mußte er die Militärſchule in Gosport verlaſſen und ſich ſofort nach Lon⸗ don begeben, wo ſein Onkel ihn als Fähnrich ausſtattete. Am Abend desſelben Tages, an dem er ſeine neue Uniform

wo er in das 9te Infanterie⸗Regiment eintrat, mit dem er am folgenden Tage nach Margate marſchiren mußte, wo ſich das Regiment nach Portugal einſchiffte. Kaum waren drei Wochen vergangen, ſeitdem er die Schulbänke in Gosport verlaſſen hatte, als er ſchon bei Vimeira den Franzoſen gegen⸗ über ſtand und an den Gefechten Theil nahm, welche den Anfang der Feldzüge bildeten, die ſchließlich Spanien von der Herrſchaft der Franzoſen befreiten. Das Glück lächelte anfangs dem jungen Krieger nicht, denn das Corps, bei dem

runa zurückziehen, wo es ſich einſchiffte, um nach England zurückzukehren. Kaum war ſein Regiment 1809 in England gelandet, als ihm der Befehl zuging, ſich an der Expedition nach der Inſel Walcheren zu betheiligen, die ſich ſehr unheil⸗ voll herausſtellte, und während welcher Colin Campbell, der bereits Lieutenant geworden war, vom Fieber ergriffen wurde, das ſich, bis er 30 Jahr ſpäter nach China ging, jedes Jahr

nien zurück, wo er mit mehr Glück im März 1811 an der Schlacht bei Baroſſa und am 5. Januar 1812 an der Ver⸗ theidigung von Tarifa Theil nahm. 1812 wurde er zu einem ſpaniſchen Armeecorps verſetzt, das viele Scharmützel gegen die Franzoſen zu beſtehen hatte. Dies verſchaffte ihm Gelegenheit, die Spanier genau kennen zu lernen, die er weit günſtiger beurtheilte, als es von vielen andern Seiten geſchehen iſt. Ganz beſonders rühmte er ihre Unermüdlich⸗ keit beim Marſchiren, ihre große Nüchternheit und Mäßig⸗ keit. Im Jahr 1813 kam er wieder zur Armee unter dem Herzog Wellington und er bewies ſich in den vielen Gefech⸗ ten, die in dieſem Jahr geliefert wurden, ſtets als Einer der Muthigſten und Unermüdlichſten. Er war damals 21 Jahr alt und hatte ſich durch ſeine Thätigkeit, Entſchloſſenheit und ſeinen Muth in dem ganzen Heere einen Namen gemacht. In der Schlacht von Vittoria blieb er unverletzt, doch bei der Erſtürmung von San Sebaſtian war er hicht ſo glücklich, denn in dieſem verzweifelten Gefecht trug er zwei Wunden davon. Am 9. November 1813 erhielt er das Capitains⸗ patent nicht durch Kauf, ſondern in Folge ſeiner Dienſte, und in dieſer Stellung blieb der Held von San Sebaſtian, der bei dem Uebergang über die Bidaſſoa einen Schuß durch den Schenkel bekommen hatte, zwölf lange Jahre. Kaum aus Frankreich zurückgekehrt, mußte er ſich 1814 ſchon wieder einſchiffen, um in dem Kriege, den England mit Nordamerika unternommen hatte, Dienſte zu leiſten und zwar bei dem 60ſten Schützenregimente, zu dem er verſetzt worden war. Nach Beendigung des kurzen Krieges bot ſich ihm keine Ge⸗ legenheit zum Avancement, und er ſah zum großen Verdruß viel jüngere Officiere, die gar kein Pulver gerochen hatten, die aber Geld genug beſaßen, ſich höhere Stellen zu kaufen, in ſolche einrücken. 1823 diente er als Brigade⸗Major der Truppen, die den Aufſtand der Schwarzen in Demerara zu unterdrücken hatten. Als er 1832 in der Blüthe ſeiner Jahre ſtand, und ſich beinah in das Geſchick ergeben hatte, ſeine Laufbahn als Major mit Halbſold zu beſchließen, kam er in den Beſitz einer Geldſumme, die gerade hinreichend war, um ſich die Stelle als Obriſtlieutenant zu kaufen, und die er auch nach längerm Bedenken zu dieſem Zweck benutzte. Ohne

angelegt hatte, mußte er ſich bereits nach Canterbury begeben,

dieſen Umſtand würde er als ein obſcurer Veteran geſtorben

er ſich befand, mußte ſich vor dem Marſchall Soult nach Co⸗

bei ihm einſtellte. Von Walcheren kehrte er 1810 nach Spa⸗