Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
634
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Nowgorods getraut ſind, dringen die Boten Iwan's in das Heiligthum ein, und unter dem Vorwande, daß die Ehe erſt kirchlich, aber noch nicht weltlich voll zogen ſei, bemächtigen ſie ſich gewaltſam der Jungfrau Marfa und führen ſie fort, ein Act des Kampfes, bei dem Andreas von den ruſſiſchen Kriegsknechten tödtlich verwundet wird.

Während ſeines ſchmerzlichen Krankenlagers fin⸗ det die große weltberühmte Brautſchau im Kreml ſtatt; hören wir ein wenig des Dichters Schilderung, welche dieſe Scene ſo einfach reizend darſtellt:

Cirkaſſiens ſchlanke Maid, die ſtolze Polin,

Die blaſſe Ruſſin, üppige Gruſierin,

Armenierin, Koſakin und Mongolin,

Von Finnlands Felſen bis zum Pont⸗ Euxin

Wohl an zweitauſend Jungfraun ſah man ziehn

Gen Moskau zu dem königlichen Feſte,

Zum Kampf um Diadem und Hermelin.

Von Frauenſchönheit ſah man hier das Beſte,

Dazu von nah und fern viel reichgeſchmückte Gäſte...

Damit durch blendende Umhüllung keins

Ihn täuſche von den ſchönen Menſchenkindern,

Ließ er ſie alle kleiden übereins,

Die Qual und Schwierigkeit der Wahl zu mindern Und Vorzugsunterſchiede zu verhindern,

Die nicht der Schönheit freie Gaben waren.

So leicht ward es den Frauenüberwindern

Wohl nie gemacht, wie dem gewalt'gen Zaren,

Doch ſollt' er bettder Wahl noch Qual genug erfahren.

tzt paarweis zieht der Jungfraun Schaar herbei, i Purpurkleid ſieht man den Czaren thronen; ie ſah die Welt ſolch wunderbar Turnei,

ie dieſe minniglichen Amazonen.

Man kämpft mit Blicken und man wirbt um Kronen. Hier dröhnt der Boden nicht von Roſſeshufen:

Die ſchönſten Jungfraun vieler Nationen

Nahn ehrfurchtsvoll des Czarenthrones Stufen.

Doch welche wird erwählt von allen, die berufen?

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Wie einſt der Herr der Welt am Tiberſtrom

Gewünſcht( den noch die Menſchheit nennt mit Grauen),

Daß einen Kopf nur alles Volk von Rom Beſäße, um vom Rumpfe ihn zu hauen:

So wünſchte hier der mächt'ge Zar beim Schauen Der jungen Schönen, daß ein einz'ger Leib Umſchlöſſe allen Liebreiz dieſer Frauen,

Daß er die Tauſende, gleichwie ein Weib, Umarm' in Minneglück und ſüßem Zeitvertreib.

Sein ganzes Leben lag in ſeinen Augen,

Sie glühten aus den buſch'gen Brau'n hernieder, Als wollt' er alle Schönheit in ſich ſaugen.

Er ſteigt herab vom Thron, geht auf und nieder Und prüft der Jungfraun reizevolle Glieder Bald ſcheint ihn dieſe, jene bald zu rühren Doch dreinmal kehrt er um zu Marfa wieder, Die ſchönſten läßt er gleich von hinnen führen, Um aus der kleinen Zahl die Königin zu küren.

Novellen⸗Jeitung.

Moskau ſich mit Groß⸗Nowgorod verbünden

Die Wahl iſt ſchwer; wo ſo viel Sonnen blenden, Braucht's Zeit, daß ſich das Auge erſt gewöhne, Jetzt möcht' er huldvoll ſich zu dieſer wenden,

Doch flugs entzückt ihn eine andre Schöne.

Er ſchwankt umher, wen er als Schönſte kröne.

Da plötzlich traf ſein Blick Eudoxia

Sie ſah ihn an, als ob ſie ihn verhöhne,

Und als er ihr in's dunkle Auge ſah,

Der mächt'ge Czar, vor ihr ohnmächtig ſtand er da...

Eudoxia ſieht mit wachſendem Entzücken,. Wie Marfa's Wangen blaß und bleich von Leiden, Die leichte Falten auf die Stirn ſchon drücken. Der Czar ſteht lange prüfend vor den Beiden Er ſcheint ſich für Eudoxia zu entſcheiden,

Denn immer wieder kehrt er zu ihr hin,

An ihrer Schönheit ſeinen Blick zu weiden,

Doch ihn verdrießt, daß ſie mit ſtolzem Sinn

Ihm ſchon entgegentritt wie eine Königin.

Noch iſt ſie's nicht und braucht es nicht zu werden!

Soll ihm, vor dem ſich ganze Völker neigen Bis in den Staub, als Mächtigſtem auf Erden, Das Antlitz eines Weibes Hochmuth zeigen? Noch iſt die Macht und Majeſtät ſein eigen!

Vor Moskau's grauſem Czaren ſoll man zittern, Wie Marfa, in erwartungsbangem Schweigen, Vor ihm, deß mächt'ger Zorn gleich Ungewittern Verheerend niederwirft die Ernte ſammt den Schnittern.

Er wendet von Eudopxia ſich ab,

Und Marfa hat des Czaren Wahl getroffen, Die ihm in's Auge ſtarrt, wie in ihr Grab Mit einem Schlag zerſtört iſt all ihr Hoffen!

Und ihren Schmerz, ihr Widerſtreben offen Bekennt ſie, wirft dem Czaren ſich zu Füßen; Doch iſt er freudig nur davon betroffen,

Ihm ſcheint die Qual den Anblick zu verſüßen; Marfa ſoll alte Gluth durch neue Gluthen büßen.

Sie hebt das Auge flehend himmelwärts; Er weidet ſich an ihrer wilden Pein;

Er hebt ſie auf, er drückt ſie an ſein Herz, Er will Tyrann auch in der Liebe ſein.

Auf ſeinen Wink der Herold tritt herein Und wird entſandt dem Volke zu verkünden: Der Czar will Marfa Waſſilewna frein,

Die Botſchaft wiederhallt aus hundert Feuerſchlünden.

Die unglückliche Marfa aber kann ſich nicht frei willig entſchließen, des Czaren Gattin zu werden, ob⸗ gleich ſie auch nicht die Macht hat, es zu hindern. Sie ſpricht offen ihre Empfindungen, ja ihren Haß und Abſcheu gegen ihn aus. Er aber nimmt dieſe Demüthigung mit Ruhe hin und läßt ihr in wür⸗ diger Offenbarung ſeines innern eigentlichen Weſens und beſſeren Selbſt ſein Herz ſehn und bittet ſie um Gegenliebe mit rührenden, edelhochſinnigen Worten. So erhält ſie Bedenkzeit und ſchon iſt ſie geneigt, ſich in ihr Schickſal zu fügen, um vielleicht durch ihre