Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
633
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an.Hört

geben, daß

als die Laura mit Sie ſchien Arme des An, als ſie uge ſich auf Boden ge⸗ en ſchlagen. drei Jahren dangen war, ſo verlegen

ſe Maͤdchen, 1s Jungftau arer Bewun⸗ ¹, faßte ſie wandten um irn und be⸗

Iſine Laura

Vetter Car

8MWi

Hanch.

dr. Boden⸗

Decker ſche

Vierte

braucht, als der Autor eines Epos von gebundener Rede zu der ſeinigen, eben ſo iſt auch dem Leſer der ſttzteren ein ſchnelleres Verſchlingen der Production nöglich. Der beſte Roman von Walter Scott läßt ich in den hundert zerriſſenen Mußeviertelſtunden verfolgen, welche als Zwiſchenpauſen von den Arbeits⸗ junden des Lebens abfallen. Hierzu iſt nicht die Weihe, nicht die abgeſchloſſene Stille, nicht die zu ſammenhängende Dauer nöthig, welche ein epiſcher Vortrag in Hexametern, Stanzen, Terzinen, mit einem Worte, welche das erzählende Kunſtwerk in Verſen verlangt. Freilich dringt auch dafür jede Gedanken⸗ pointe, jede Charakterdarſtellung, überhaupt jede Tiefe und Schönheit der Leiſtung, die das geſchloſſene Kunſt⸗ werk gewährt, nachhaltiger und dauernder in die Men⸗ ſchenſeele, ja in die Menſchheit ein, als es die noch ſo hervorragenden Eigenſchaften der Proſadarſtellung vermögen.Hermann und Dorothea, in Novellen⸗ ſorm behandelt, würde bei denſelben Einzelvorzüglich⸗ kiten der Production doch lange nicht ſo tief und bleibend in das Erz der Ruhmesſäule eingegraben ſein, als es die jetzige Geſtalt möglich machte. Wohl uber hätte es gleich zu Anfang mehr Leſer gefunden, henn ſo anziehend und feſthaltend jede ſchöne Form ſebundener Rede iſt, ſobald man ihre Bekanntſchaft, hren Genuß erſt begonnen hat, ſo abſchreckend, we⸗ nigſtens fernhaltend wirkt ſie im erſten Augenblick, weil ſie in ihrer Feſtigkeit etwas Zwingendes, Tyran⸗ uches hat. Sie macht mehr Auſprüche auf unſere lhaun geiſtige Hingebung, indem ſie alle unſere uneren Kräfte erregt und beſchäftigt. Deshalb aber rird eine treffliche Erzählung in gebundener Form zuch längere Zeit Leſer finden und noch immer als u ſin plaſtiſches Kunſtwerk ſich Beachtung erzwingen,

wenn eine Proſadarſtellung längſt vergeſſen und von

Beobachtung der Gegenwart verbraucht iſt. Man kann darum be⸗

tige Literat

uhaupten, daßHermann und Dorothea nicht nur

65 vermocht ſiinem ſeeliſchen Gehalt, auch ſeiner äußern feſtgerun⸗

alentvoll, eutſprechen dennoch

ha

i dheten Kunſtgeſtalt die lange Dauer und Geiſtesmacht d von Geſchlecht zu Geſchlecht zu danken hat.

Dieſen Segen fühlt jeder echte Dichter, und wenn

j der ciſce ſuch der moderne Sinn in ſeiner materiellen Leicht⸗ egentheil Sam frtigkeit nur für die bequeme Form der Proſa ein⸗ dieſes i ſenommen iſt, ſo konnte das doch Talente wie Ju⸗ den Geſchnal ſus Moſen, Kinkel, Lenau, Möricke nicht abſchrecken, wil das ite bedeutendſten Compoſitionen in der gebundenen ebensfragen kede des Epos zu behandeln. An Undankbarkeit des

arbietet, damit man un, demn eines Rom

riger zeit

gublicums hat es ihnen dabei nicht gefehlt

4;z aber ſie

1 Avannen dennoch für ihre Werke einen bleibenderen 11 Siſtand, eine gewiſſe literaturgeſchichtliche Weihe und Kürde, die ihnen nur das geſchloſſene Kunſtwerk in Nlchem Grade gewähren konnte.

Folge. 633

Es iſt dankenswerth, daß immer noch ab und zu ſolche Verſuche gewagt werden, denn ſie bilden eine Schutzmauer gegen die Verſeichtung des Geſchmacks. Wer ſich indeſſen als Autor nicht ganz dabei opfern will, kann derartige Unternehmungen blos in kleinerem Umfang in's Leben treten laſſen. Nur das kürzere Epos wird noch vom Publicum tolerirt, und wir ha⸗ ben Beiſpiele, daß ſelbſt ungemein ſchwache, ungeſunde und ſüßlich kokette Ausgeburten dieſer Gattung zum Modeartikel geworden ſind.

Um ſo willkommener ſind geſundere Richtungen, und ſolche finden wir auch von Bodenſtedt ſchon meh⸗ rere Male mit verdientem Erfolg auf epiſchen Wegen eingeſchlagen.

Zu ihnen geſellt ſich auch das vorliegende Bänd⸗ chen, welches in ſeinem Inhalt ſowohl für leichte als ernſte Lectüre feſſelnde Producte darbietet. Es ent⸗ hält drei kleine Epen:Andreas und Marfa;der Edelfalk undNino. Während die beiden Letzteren zum Theil im humoriſtiſchen Legendenton morgenlän⸗ diſcher Färbung auftreten und nur wenig Raum ein⸗ nehmen, breitet ſichMarfa weiter aus und erzählt einen düſter gewaltigen Inhalt in einem ruhig epi⸗ ſchen Tone. Der Gang der Handlung, welche um das Jahr 1478 vor ſich geht, iſt ungefähr folgender: Andreas, ein edler Jüngling aus der damals blühen⸗ den freien Stadt Nowgorod, iſt daſelbſt mit Marfa verlobt. Er begiebt ſich auf eine Reiſe und während der Zeit ſeiner Abweſenheit wird ſeine ſtolze Vater⸗ ſtadt vom Czaren Iwan III. erobert und zerſtört. Er findet nur den Schutthaufen von der gewohnten Herr⸗ lichkeit wieder, mitten darin aber doch auch das un⸗ berührte Vaterhaus ſeiner Geliebten, worinnen er dieſe mit ihrem Vater antrifft. Der Letztere hat zur Uebergabe Nowgorods gerathen, indeſſen Andréas' Vater die Bürger zur Vertheidigung ermuthigte. Deshalb ward auf des Zaren Befehl Jener verſchont und Dieſer mit all den Seinen vernichtet. Gleich nach dieſer Begebenheit ereignete es ſich aber, daß dergrauſe Czar Iwan III. Waſſiljewitſch das Ver⸗ langen empfand, ſich wieder zu vermählen. Er ſandte Wahlboten aus, mit dem Befehl, in allen Ortſchaften ſeines Reiches die ſchönſten Jungfrauen auszuwählen, ohne Unterſchied des Standes und Blutes. Fürſten⸗ töchter und Bojarenkinder bis herab zur Bauerndirne ſollten genommen werden, um ſie alle nach Moskau vor ſein Angeſicht zu führen. So wurden über 2000 Jungfrauen in der Alexandowiſchen Sloboda im Kreml verſammelt, zur Prüfung und Auswahl des rechtgläu⸗ bigen Czaren.

Gerade in dem Augenblicke, als Andreas und Marfa in einer der noch ſtehengebliebenen Kirchen