Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
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zuſammenzupreſſen, in ſich aufgenommen hat, führt es dieſe Luft mit ſich in die Behälter, deren Atmoſphäre in dieſer Art erneuert und gereinigt wird. Das überflüſſige Waſſer fließt durch eine Oeffnung in einer Ecke des Behälters ab, geht durch ein Seihtuch und kommt dann in einen unterirdi⸗ ſchen Waſſerbehälter, aus dem es in den verſchloſſenen Cylin⸗ der zurückgeſchickt wird, um dort wieder dem Luftdruck unter⸗ worfen zu werden und ſeinen Kreislauf von neuem zu be⸗ ginnen. Durch dieſen fortwährenden Kreislauf iſt das Waſſer immer mit einer großen Menge Luft vermiſcht. Man verſichert, in Folge dieſes Syſtems könne dasſelbe Waſſer zehn Jahr lang benutzt werden, ohne daß eine Erneuerung desſelben vorgenommen zu werden brauche; es iſt gewiß, daß es ſeit achtzehn Monaten ſich in einem vollkommen normalen Zuſtande erhalten hat.

In Folge der großen Oberfläche der Behälter vermin⸗ dert die Verdünſtung unaufhörlich das Volumen des Waſſers und vermehrt folglich den Salzgehalt desſelben. Ein Aräo⸗ meter zeigt den Grad dieſer Concentration an, und man hilft derſelben ab, indem man von Zeit zu Zeit in die Behälter zu Erſetzung des verdünſteten Waſſers Regenwaſſer fließen läßt, das von dem Dache des Hauſes kommt und beinah ganz rein iſt.

Der verſchloſſene Cylinder, welcher Seewaſſer enthält, iſt in die Erde vergraben, was erlaubt, darin beſtändig eine Temperatur von ungefähr 16⁰ C.(12,80 Réaumur) zu er⸗ halten. Im Winter wird das Aquarium geheizt. In dieſer Art wird das Waſſer im Winter nicht zu kalt, im Sommer nicht zu heiß.

Die meiſten Seethiere ſind in Folge der Ebbe und Fluth des Meeres daran gewöhnt, abwechſelnd ins Waſſer verſenkt oder der Luft ausgeſetzt zu ſein. Um dieſe natür⸗ lichen Bedingungen nachzuahmen, hat man Vorkehrung ge⸗ troffen, um vermittelſt eines Mechanismus das Waſſer in den Behältern nach Belieben ſinken zu laſſen. Während der Nacht entzieht man den Behältern einen Theil ihres Waſſers, und am Tage füllen ſich dieſelben wieder. Die Thiere, denen es Bedürfniß iſt, ſich von Zeit zu Zeit dem Aufenthalt im Waſſer zu entziehen, begeben ſich dann zur Nachtzeit auf die von Waſſer entblößten Felſen und Strandſteine in dem Be⸗ hälter und ſind dort der Luft ausgeſetzt, wie ſie es am Strande ſein würden. Dieſe Felſen und Muſchelgrotten, welche das Aquarium ſchmücken, ſind alſo nicht blos zur Zierde dort; ihre Erhöhungen dienen einer großen Zahl Waſſerthiere als Zufluchtsort und zum Schutz und erlauben ihnen, aller⸗ dings gegen das Meer in einem ſehr verjüngten Maßſtabe, ſich die Waſſertiefe zu wählen, die ihnen beſonders zuſagt.

Alle dieſe Vorſichtsmaßregeln und noch manche andre, die wir mit Stillſchweigen übergehen, machen aus dem Pari⸗ ſer Aquarium ein wahres Meiſterſtück, in dem man das, was in andern Aquarien durch die Erfahrung ſich als zweck⸗ mäßig und vortheilhaft herausgeſtellt, mit Glück benutzt hat.

Die Waſſerbehälter werden in einer ganz beſondern Art beleuchtet. Das Licht kommt nur von dem obern Theile des Waſſers; alle übrigen Theile liegen im Schatten. Die Thiere werden in Folge deſſen von der Seite, nicht von oben nach unten wie in einem Fluſſe, geſehen. In dieſer Art zwiſchen das Licht und das Auge; des Zuſchauers geſtellt, werden ſie in der günſtigſten Weiſe beleuchtet. Das auf ſie fallende Licht hebt ihre Formen, ihre glänzenden Farben, ihre geſchmeidigen und graziöſen Bewegungen in einer bewun⸗ dernswerthen Weiſe hervor. Das Aauarium ſtellt ſie in einer zum Malen geeigneten Art vor unſre Augen, und ſo

Novellen⸗Jeitung,

konnte man bei den Waſſerthieren Formen und Anſichten unterſcheiden, welche man kaum vermuthete. Die Seeane⸗ monen bieten, wenn man ſie nur außerhalb ihres Elements und ſo, wie die Fiſcher ſie kennen, geſehen hat, blos eine un⸗ förmliche und klebrige Maſſe dar. Nur in dem Aquarium offenbart ſich die Eleganz ihrer Formen vollſtändig.

Sieht man durch den doppelten Kryſtall des Waſſers und der Glaswände, wie ſich Seethiere, welche von wenig Men⸗ ſchen lebend geſehen worden ſind, beluſtigen, wie ſie mit Grazie ſchwimmen, ſich im Waſſer erheben und dann wieder hinab ſenken, ſo entdeckt man Formen und Anſichten, welche zu er⸗ denken die Einbildungskraft zu ohnmächtig geweſen ſein würde. Selbſt an den am beſten bekannten Thieren entdeckt man ganz neue charakteriſtiſche Züge, weil man ſie in Situ⸗ ationen überraſcht, in denen ſie im Meer oder in Flüſſen zu ſehen unmöglich geweſen ſein würde. Kurz, wenig Schau⸗ ſpiele ſind ſo verſchiedenartig, ſo pittoresk; es giebt deren wenige, welche ſo viel Stoff zu Betrachtungen liefern und welche uns die unerſchöpfliche Fruchtbarkeit der Hülfsquellen der Natur beſſer enthüllen.

Doctor Rufz de Laviſon hob auch noch eine andre inter⸗ eſſante Seite dieſes natürlichen Muſeums hervor, nämlich daß das Aquarium eine Art von moraliſchem Theater ſei, das einem Lafontaine ſehr reichen Stoff zu intereſſanten Fabeln darbieten würde. Soviel iſt ſicher, daß der Beobachter, ſei er Naturforſcher oder nicht, mit Vergnügen der Betrachtung dieſes Schauſpiels, das ihm ganz neue Einblicke in das Leben und den Charakter der Seethiere eröffnet, ganze Stunden ſpendet.

Zum Schluß müſſen wir uns auch noch mit der prakti⸗ ſchen Seite dieſer ſchönen Anſtalt beſchäftigen. Nach einem ſehr glücklich gewählten Ausdruck des Doctor Rufz de Laviſon iſt das Aquarium dieEgeria der Fiſchzucht. In der That ge⸗ langte Coſté bei ſeinen Studien über die vergleichendeEm- bryogénie, die er vor ſeinem Aquarium im Colleège de France machte, zu der bewundernswerthen Kunſt, mit welcher er in Frankreich die Fiſchzucht organiſirt hat. Dieſem Na⸗ turforſcher hat Frankreich es zu verdanken, daß die franzöſi⸗ ſchen Seeküſten im Zuge ſind, ſich in wahre Fiſchzüchtereien, in große Fabriken von Nahrungsmitteln umzugeſtalten. Tau⸗ ſende von Arbeitern, die geſtern noch zu den Proletariern gehörten, finden jetzt am Meeresſtrande eine leichte und ein⸗ trägliche Induſtrie, welche die ſociale Lage der ganzen Bevöl⸗ kerung der Küſte plötzlich umgeſtaltet und deren Wichtigkeit von Tage zu Tage ſteigern läßt. Die Conceſſionsgeſuche für die Anlegung künſtlicher Auſternbänke vervielfältigen ſich unaufhörlich, und die Regierung fühlt ſchon jetzt die Noth⸗ wendigkeit, dieſe neuen Eroberungen der Wiſſenſchaft, welche die Veranlaſſung zu großen Mittelpunkten der Induſtrie ge⸗ ben werden, einer beſondern Regulirung zu unterwerfen.

Bei dieſer glücklichen Ausſicht verſpricht das Studium des Aquarium Erfolge zu geben, die ſofort auf die Induſtrie anwendbar ſind. Das Aquarium wird die Vorbereitungs⸗ ſchule der künftigen Fiſchzüchter ſein.

Kurz, es hat ſich bereits unbeſtreitbar herausgeſtellt, daß das Aquarium der Wiſſenſchaft und den materiellen In⸗ tereſſen weſentliche Dienſte geleiſtet hat und deren ſicher in der Zukunft noch weit mehr leiſten wird. Deshalb verdient das⸗ ſelbe volle Anerkennung, und eine nähere Bekanntſchaft mit dem Grade der Ausbildung, den die Aquarien bereits erreicht haben, und dem, was durch ſie bereits geleiſtet worden iſt, iſt ſicher Allen, die ſich für den Fortſchritt in Wiſſenſchaften und Künſten intereſſiren, willkommen. C

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