Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
618
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vielen wohnt ein humoriſtiſches Element in der wei⸗ teſten Bedeutung des Wortes bei, denn oft handelt es ſich dabei um etwas Witz, Satire, Ironie, alſo gar nicht um Humor im eigentlichen Sinne.

Es kommt jedoch auf den Titel nur wenig an, und die beiden Bändchen, welche Ida von Dürings⸗ feld unter den letzterwähnten Benennungen heraus⸗ gegeben, ſind ſehr dankenswerth, weil ſie eine mit Fleiß und Umſicht gemachte Auswahl aus reichem und vielſeitigem Material darſtellen und ſowohl der wiſſen⸗ ſchaftlichen Literatur als Hülfsquellen nützen, als auch dem Laien eine intereſſante Lectüre darbieten.

Die Verfaſſerin hat in beiden Bändchen die ein⸗ zelnen Abtheilungen nach den Hauptgedanken geordnet, die ſich in den Sprüchwörtern verſchiedener Zeiten, Gegenden oder Völker oft hundertfach variiren. Sie ſprechen dabei entweder dieſelbe Idee in anderer Form aus, oder ziehen Nebenideen, Bilder, Vergleiche und verwandte Beziehungen in das Grundthema hinein, z. B.einem geſchenkten Gaul ſieht man nicht ins Maul;geſchenkter Eſſig iſt ſüßer als gekaufter Honig;eine geſchenkte Gans giebt einen fetteren Braten, als eine gekaufte;ein geſchenktes Huhn hat drei Hälften, ein gekauftes nur eine. Oder:Stille Waſſer ſind tief;ſtilles Waſ⸗ ſer wäſcht die Ufer aus;kein ſchlimmer Waſſer, als das welches ſchläft;hüte Dich vor ſtummem Hunde und ſchweigendem Waſſer;es giebt kein gefähr licheres Waſſer als das, welches nicht tönt.Wenn zwei Diebe einander ſchelten, ſo kriegt ein ehrlicher Mann ſeine Kuh wieder;wenn Koch und Kellermeiſter ſich zanken, ſo hört man, wo die Butter geblieben iſt;wenn ſich die Hirten zan⸗ ken, hat der Wolf gewonnen Spiel;wer will wiſ ſen, was er ſei, erzürne der Nachbarn zwei oder drei.Was Du weißt allein, das iſt gänz⸗ lich Dein;was drei wiſſen, das wiſſen bald drei⸗ ßig;ſage Deinem Freunde Dein Geheimniß, und er hat den Fuß auf Deinem Genick;das Geheim⸗ niß iſt Dein Gefangener, ſo lange Du es nicht offen⸗ barſt; offenbart, biſt Du ſein Gefangener;wenn Du Dein Geheimniß ſagſt, dann überlieferſt Du Deine Freiheit;man muß das Feuer des Hauſes mit der Aſche des Hauſes bedecken;die Felder haben Augen, die Wälder haben Ohren.

Die Leſer erſehen aus dieſen wenigen Proben, wie zahlreiche Parallelſtellen das Sprüchwort darbietet; es würde durchaus keinem Sammler möglich ſein, den ganzen Umfang derſelben zu erſchöpfen.

An treffenden, ſarkaſtiſchen Bemerkungen, die in kürzeſter Weiſe die Belehrungen der großen Meiſterin Erfahrung ausſprechen, fehlt es dabei nicht, und ich

Novellen⸗

Zeitung.

will hier nur einige, welche wenig bekannt find, in bunter Reihe anführen, um eine Probe von der Kau⸗ ſtik und Geſundheit des echten Volkswitzes zu geben:

Eile iſt des Teufels Bote;den Uebereilten ſtößt ſelbſt der Tiſch;je voller das Faß, je be⸗ ſcheidener der Klang;je leerer ein Faß, je voller der Klang;mancher geht nach Wolle aus und kommt geſchoren ſelbſt nach Haus;wer Jemand beleidigt, ſchreibt's in den Sand; wer beleidigt wird, ſchreibt's auf Marmor;halte Jeden für redlich und ſchließe Deine Schränke zu.

Indeſſen würde man irren, wenn man annehmen wollte, daß des Witzigen und Humoriſtiſchen in gro⸗ ßer Anzahl vorhanden wäre. Das Volk ſieht weſent⸗ lich auf das Sachliche und hat überall für das Tri⸗ vialdidaktiſche eine warme Vorliebe, die ſich auf den eigenen trivialen Fond der Menge ſtützt. Man muß

ſonderm geiſtigen Fond findet.

Das andere von Reinsberg'ſche WerkchenInter⸗ nationale Titulaturen verbirgt unter dieſem geſuchten ſonderbaren Titel die zweckmäßige Tendenz, aufzuſam⸗ meln, was die einzelnen Völker und Provinzen über ſich ſelbſt und über einander im Sprüchwort reden. Es iſt mit eben ſo viel Fleiß zuſammengeſtellt und zeigt, wie wenig Brüderlichkeit und Einheit unter den Nationen herrſcht und wie überſcharf und doppel⸗ ſehend ihr Auge für die Fehler ihres Nächſten iſt.

Das Gehäſſigſte und Gravirendſte, was ſich nur herausfinden läßt, ſagt ein Dorf vom andern, eine Stadt, ja ein Land vom andern, und zwar in der Regel mit mehr Galle als Witz. Viel Treffendes iſt natürlich darunter, denn man hat ſich Jahrhunderte lang gegenſeitig betrachtet und Zeit genug gehabt, die Schattenſeiten zu entdecken.

Man muß aber auch bedenken, daß die überwie⸗ gende Zahl dieſer Verleumdungen und bitteren Ver⸗ ſpottungen in einer Epoche entſtanden ſind, wo man ſich mit mittelalterlicher Sonderſtellung, Feindſchaft und fortwährender Rivaliſation entgegenſtand, wo keine Humanität allgemein war und es oft ganz an geſelligem und mercantilem Verkehr zwiſchen einzelnen Staaten fehlte. Der Groll der Gewalthaber, die ſich gegenſeitig beraubten und bekriegten, ging auf die Völker über, welche noch, durch ihre traurigen Inſti⸗ tutionen veranlaßt, in dem irrigen Wahne ſtehen mußten, das abſcheuliche Treiben ihrer Herren ſei auch ihr eigenes Intereſſe und ſie hätten die Verpflichtung,

ſelben erfüllt war.

Dazu kam außer dem geringen Grad von allge⸗

hundert Sprüchwörter leſen, ehe man eins von be⸗

ihre Mitmenſchen gleichfalls zu haſſen, weil ihr Fürſt mit Wuth und Mißgunſt gegen den Beherrſcher der⸗

aeiner Mange fuhr v jerknech lcce ſi oolche eit u oflegee Hron Vut Krug ſchilt, Neſt narm

ſorüͤch Aid luch täler in der r iche deſal gleich Nt. viele