Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
613
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dentflohn, die duch eiſcalt, erſte den datte. Er e.Eins er Geſang ſe, als ich nach vie⸗ Herzens ſo n Sänger ſch auf die ratur kann

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die Hand et,Sie mir Ihren inen Stuhl habe noch mes Ihnen rrungen anl Name iſt ßen. agte er in

Sie, JIhre

Vierte

lange zu bedenken, packte ich meine Habſeligkeiten ein und ſagte der Heimath Lebewohl.

Nun, und habt Ihr gefunden, was Ihr ſuchtet?

Gewiß, fuhr Koch fort,ſchon am zweiten Tage nach meiner Ankunft hatte ich vollauf zu thun, und wenn der Himmel mir die Geſundheit läßt, kann ich in zehn Jahren ein gemachter Mann ſein.

Der Fremde ſah lange ſinnend vor ſich hin, end⸗ lich fragte er:Kennt Ihr den Dichter des Liedes,

das Ihr ſoeben geſungen habt?

Koch blickte den Fragenden überraſcht an.Al⸗ lerdings, entgegnete er,Arthur Winter heißt er. Wenn Ihr ſeine Lieder hört, werdet Ihr glauben, er ſei ein ſinniger, edler Menſch, und doch es thut mir weh, dies geſtehen zu müſſen, iſt das Gegentheil der Fall. Er war Buchhalter in einem großen Bank⸗ geſchäfte meiner Vaterſtadt, hatte ein liebes, braves Weib und zwei herzige Kinder, ſeine Mitbürger ach⸗ teten und ehrten ihn, ſeine Lieder lebten im Munde des Volkes, aber das Alles ſtellte ihn nicht zufrieden. Vor achtzehn Monat etwa verſchwand er eines Mor⸗ gens, Niemand wußte wohin, Niemand hörte mehr etwas von ihm. Die Veranlaſſung zu ſeiner Flucht war ein Duell, welches er mit einem Huſarenlieute⸗ nant gehabt hatte, und wißt Ihr, weshalb? Eines anderen Weibes wegen, freilich, es war ein ſchönes, vornehmes Weib, eine Gräfin, aber doch nur eine Buhldirne, wie es ſich ſpäter erwies, denn als der Lieutenant von ſeiner tödtlichen Wunde geneſen war, hatte ſie, für die er ſein Leben wagte, ihn ſchon ver⸗ geſſen, und einige Tage ſpäter reiſte ſie mit einem reichen Ruſſen ab. Seitdem hat man nichts mehr von ihr gehört.

Alſo der Lieutenant iſt geneſen? fragte der Fremde haſtig.

Ja, er genas, fuhr Koch gleichgültig fort, freilich, ſo ganz kerngeſund wird er wohl nicht wie⸗ der werden; als ich meine Heimath verließ, wanderte er noch am Stocke umher, an den Rücktritt in ſeinen früheren Dienſt darf er nicht mehr denken.

Nun? Und die Familie des Dichters? fragte der Fremde.

Herr, das iſt eine traurige Geſchichte. Denkt Euch ein armes, hülfloſes Weib mit zwei kleinen Kindern, denen plötzlich der einzige Ernährer genom⸗ men wird! Hätten ſie nicht an dem Commerzienrath Reichendorff, in deſſen Geſchäft Winter arbeitete, eine Stütze gehabt, Gott weiß, was aus ihnen geworden wäre! Ihr hättet das arme Weib ſehen ſollen! So ſchön, ſo fromm, ſo tugendhaft, und die Kinder ich ſage Euch, ich habe nie ſchönere Kinder geſehen. Und das Alles einer Dirne willen, anders kann ich

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dieſes herzloſe, intriguante Weib nicht nennen, zu opfern! Seht, ſeit der Zeit habe ich alle Achtung vor dem Dichter verloren, obgleich ich ſeine Lieder gern ſinge, er iſt ein treuloſer Gatte und herzloſer Vater.

Der Fremde hatte ſich bei den letzten Worten des Handwerkers erhoben, haſtig ging er einige Mal durchs Zimmer, dann blieb er vor Koch ſtehen und ſah dieſem finſter in's Auge.Ihr urtheilt ſtreng, ſagte er,wißt Ihr ſo gewiß, daß Winter ein Weib hatte, welches ihn liebte? Könnt Ihr mit Sicherheit behaupten, daß er in ſeinem Hauſe das Glück fand, welches Ihr mit ſo reizenden Farben ſchildert?

Ja, das kann ich, erwiderte Koch,und wenn Winter vor mir ſtände, ich ſagte es ihm offen und frei in's Geſicht, daß er ein herzloſer, charakterloſer Menſch iſt. Würde er in der erſten Zeit ſeiner Ehe mit ſeiner Gattin ſo glücklich gelebt haben, wenn er nicht Liebe bei ihr gefunden hätte? Wann fing das Unglück an? Erſt dann, als er ſeiner unſeligen Lei⸗ denſchaft den Zügel ſchießen ließ und der Dirne nach⸗ lief. Ihr ſagt, ſeine Gattin hätte ihn nicht geliebt? Mann, Ihr kennt das Mutterherz noch nicht, daß Ihr ſo ſprechen könnt. Wenn ein Weib einmal Mut⸗ ter iſt, dann hängt ſie an dem Vater ihrer Kinder, ſie müßte denn ein ehrloſes, gottvergeſſenes Herz ha⸗ ben. Und das hatte jene Frau nicht.

Und hat man nichts mehr von Winter gehört? fragte der Fremde.

Nichts, erwiderte Koch,wie ich nicht beſſer weiß, iſt er verſchollen. Seine Frau hat kurz nach ſeiner Flucht ihre Wohnung verlaſſen und ernährt ſich und ihre Kinder durch Handarbeit. Er wird ihr wohl manchmal ſauer werden, durchzukommen, doch glaube ich, daß ſie jetzt ruhiger lebt als früher. Frei⸗ lich wird ihr das Andenken an den ſo früh verlorenen Gatten noch manche ſchlafloſe Nacht machen, ſie ſah noch immer ſehr angegriffen und leidend aus. Aber was iſt Euch? Ihr ſitzt ja da, als ginge die Geſchichte Euch ſelbſt an? 4

Der Fremde fuhr aus ſeinen Träumen auf und ergriff die Hand des Handwerkers.Ihr ſeid ein biederer, braver Mann, entgegnete er,offen und grade heraus mit der Sprache, juſt wie ich es liebe. Habt Dank für Eure Worte, ſie waren hart, aber gerecht. Wenn Ihr je einmal in Eure Heimath zu⸗ rückkommt, dann ſagt es den Leuten, daß Winter be⸗ reut und gebüßt habe. Lebt wohl!

Der Fremde wollte hinausgehen, Koch aber ſprang auf und ergriff ſeinen Arm.Ihr ſeid der Dichter, ſagte er,jetzt erkenne ich Euch wieder. Himmel, wie habt Ihr Euch verändert! So aber wollen