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ten ſie im Geiſte der Whigs verfahren und die von ihnen zunächſt bewirkte Katholikenemancipation war nichts weiter als ein Triumph der Whigs. Eben ſo trugen die Grundſätze der Whigs in der Reform des Strafgeſetzbuches, deſſen drakoniſche Strenge mil— deren Beſtimmungen Platz machte, und der Reguli⸗ rung der Scheidemünze den Sieg davon. Auch die für England ſo wichtige Parlamentsreform iſt das Werk der Whigs, die im Sommer 1830 unter Lord Grey an der Spitze— der Marquis of Lansdowne war Präſident im Conſeil— die Tories im Mini⸗ ſterium erſetzten, die Reform aber doch erſt am 4. Juni 1832 durchſetzen konnten, die am 7. Juni von dem König beſtätigt, dann zum Landesgeſetz wurde.
Der Parlamentsreform folgte die Abſchaffung der Sclaverei, die Verwandlung des Zehnten in eine Geld⸗ abgabe, die Verbeſſerung des Armengeſetzes und Maß— regeln zu Gunſten der Erziehung. Kurz, die Whigs leiſteten viel für die Wohlfahrt des Landes, wenn man ihnen auch nicht mit Unrecht eine mangelhafte Kenntniß der Finanzfragen und den von ihnen geüb⸗ ten Nepotismus zum Vorwurf macht, welcher letztere ihnen die Mittelelaſſen entfremdete und die geringern Claſſen mit Ekel erfüllte. Während des größten Theils dieſer Periode und während der nächſten zehn Jahre war der Marquis of Lansdowne der Führer der Whigs im Oberhauſe, und es hat nie einen Partei⸗ führer im Parlament gegeben, der ſich nicht nur von ſeiner Partei, ſondern auch von Seiten ſeiner politi— ſchen Gegner einer größern Achtung, eines volleren Vertrauens erfreut hat, als es bei dem Marquis of Lansdowne der Fall war. Von einem Führer im Unterhauſe erwartet man, daß ſein Benehmen würdig, ſeine Art und Weiſe höflich, ſein Takt vollendet ſei. Im Oberhauſe verlangt man außer dieſen Eigenſchaf⸗ ten von ihm auch noch, daß er nicht bloß in ſeinem Angriff, ſondern auch mitten in der Unthätigkeit mei⸗ ſterhaft ſei. Im Oberhauſe iſt es oft möglich, eine Reſolution annehmen zu laſſen und eine Bill durch⸗ zubringen, wenn man ſie zu einer Zeit zur Abſtim⸗ mung bringt, wo die Gegner derſelben im Hauſe ſchwach vertreten ſind. Ein ehrenwerther Führer darf ſich einen ſolchen Umſtand nie zu Nutzen machen, ſon⸗ dern muß eher auf die Vertagung der Debatte an⸗ tragen, damit die Abſtimmung der wirkliche Ausdruck der Geſinnungen des Hauſes iſt. Lord Lansdowne verſtand es, ſeinem Poſten als Führer der Whigs in einer Art vorzuſtehen, die ihm das Vertrauen ſeiner politiſchen Gegner gewann, ohne daß er das ſeiner Partei verloren hätte. Fünf Jahre lang, namentlich während des Miniſteriums von Sir Robert Peel, von 1841 bis 1846, war Lord Lansdowne in der
Novellen⸗Zeitung.
Oppoſition, die ſechs folgenden Jahre unter dem Miniſterium Lord John Ruſſell gehörte er zur Re⸗ gierung; doch mochte er Mitglied der Regierung oder in der Oppoſition ſein, während der zwanzig Jahre, die zwiſchen der Annahme der Reformbill und der Bildung eines Miniſteriums unter Lord Derby im Jahre 1852 lagen, war er ununterbrochen der gute Genius des Oberhauſes. Im Jahre 1852 erklärte der Marquis of Lansdowne ſeinen Entſchluß, nicht länger eine Stellung in einem Miniſterium bekleiden zu wollen, wohl aber werde er es noch immer für ſeine Pflicht und ſeine Neigung halten, ſich an wich⸗ tigen Discuſſionen zu betheiligen und ſeine Meinung offen darüber auszuſprechen. Er wußte nicht, wie ſchnell er in Folge der Ereigniſſe aufgefordert werden würde, ſein Verſprechen zu erfüllen. In demſelben Jahre ſtarb der Herzog von Wellington, der ehrwür⸗ dige Greis, der alle Parteien kannte, alle öffentlichen Fragen ſtudirt hatte, von der Stärke jeder europäiſchen Nation genau unterrichtet war und in jeder wichtigen Angelegenheit der Königin mit ſeiner langjährigen Erfahrung, die oft etwas Prophetiſches an ſich zu haben ſchien, zur Seite ſtand. Nach dem Herzog von Wellington war der Marquis of Lansdowne der aus⸗
Auge! ſetzung Ueber⸗ der zu ring,
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gezeichnetſte Peer Englangs, und es war daher ganz
natürlich, daß die Königin nunmehr in ihm ihren wichtigſten Rathgeber zu finden hoffte.
Als daher Lord Derby im Jahre 1853 ſeine und ſeiner Collegen Demiſſion einreichte, bat die
Königin den Marquis of Lansdowne um ſeinen Rath,
und nur ſeinem großen Einfluſſe war es zuzuſchreiben, daß die Whigs unter Lord Aberdeen die berühmte Coalition mit den Peeliten bildeten. Lord Lansdowne rieth nicht bloß zu dieſer Coalition, ſondern willigte ſogar ein, dem neuen Cabinet perſönlich anzugehören, doch ohne die Verwaltung eines Portefeuilles zu übernehmen. Als dieſe Coalition ſich auflöſte, behielt er doch ſeinen Sitz in dem Cabinet auch unter Lord
Palmerſton bis 1858 bei, und ſeine Stellung war
durchaus keine Sinecure. Allen Angelegenheiten, die vor das Cabinet kamen, ſchenkte er ſeine größte Auf⸗
merkſamkeit, und es wurde keine wichtige Maßregel
ohne ſeine Genehmigung beſchloſſen, für die er ſtets die Verantwortlichkeit mit übernahm.
Es iſt charakteriſtiſch von Lord Lansdowne und zeigt eben ſo wohl ſeine ſocialen Geſinnungen wie die Mäßigung ſeiner Politik, daß er an der Bildung der drei bedeutendſten Coalitionscabinets, die Eng⸗ land in dieſem Jahrhundert gehabt hat, einen ſo wich⸗ tigen Antheil hatte. In der erſten Coalition verband
er ſich mit Tories von dem Schlage der Sidmouth
t und Ellenborough, wobei die Letztern den Zweck in in
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