Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
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ihrer Kinder feſt an's ſtürmiſch pochende Herz ge⸗ drückt hielt.

Beruhigen Sie ſich, ſagte er mild, nachdem er Helene aufgehoben und in den Seſſel geſetzt hatte, und vertrauen Sie feſt auf die Wahrheit deſſen, was ich Ihnen geſagt habe. Ihr Gatte iſt geſund, nach dem Duell, welches er, um ſeine tiefgekränkte Ehre zu rächen, gehabt hat, mußte er die Flucht er⸗ greifen, weil ſein Gegner verwundet iſt.

Helene ſah nach einer Weile auf.Kann ich Ihren Worten trauen? fragte ſie,iſt Arthur nicht verwundet?

Der Beamte, der wohl einſah, daß hier der, wel⸗ chen er ſuchte, nicht zu finden war, hatte den Brief wieder eingeſteckt und ſeinen Hut ergriffen.

Was der Herr Commerzienrath Ihnen da be⸗ richtet, iſt wahr, ſagte er;mir hat der Arzt, der bei dem Duelle zugegen war, daſſelbe geſagt.

Nach dieſen Worten ging er hinaus, und ſo ſehr Reichendorff auch anfänglich die Dazwiſchenkunft deſ⸗ ſelben geſcheut hatte, freute es ihn jetzt doch, daß dieſe erfolgt, und er alſo nicht mehr genöthigt war, ferner nach Nothlügen zu ſuchen.

Nach einigem Zureden gelang es ihm, Helene wieder zu beruhigen, er ordnete die Ueberſiedelung der kleinen Familie in ſein Haus an, in dem ſie ſo lange wohnen ſollte, bis er eine andere paſſende Wohnung für ſie gefunden hatte, und verließ dann das Häuschen mit dem Verſprechen, noch am näm⸗ lichen Tage den Umzug durch ſeinen Kutſcher bewerk⸗ ſtelligen zu laſſen.

4.

Ein halbes Jahr war ſeit der Flucht Arthur's verſtrichen, und mit ihm die Erinnerung an jenes Duell, welches wochenlang die Gemüther und Zungen der Klatſchbaſen und Kaffeeſchweſtern beſchäftigt hatte, geſchwunden. Alle Bemühungen der Polizei, den Dichter in ihre Gewalt zu bekommen, ſowie die Na⸗ men der Secundanten zu erfahren, waren vergeblich geweſen, ſelbſt der Wundarzt behauptete über den letzten Punkt ein hartnäckiges Schweigen.

Es war ein drückend heißer Nachmittag, der Vo⸗ gel flog in's Gebüſch, um unter den belaubten Zwei⸗ gen ein ſchattiges, kühles Ruheplätzchen zu ſuhen, die Blumen ſenkten verdurſtend ihre matten Köpfchen, und das Sonnenlicht nahm allmählich jenen matten, falben Schimmer an, der dem heranziehenden Gewitter oft vorauszugehen pflegt. In den Straßen der Stadt war es ſtill und öde, nur Wenige durchwanderten die⸗ ſelben, um ihren Geſchäften nachzugehen, dieſe We⸗ nigen aber gehörten, wie ſich leicht denken läßt, dem

Novellen⸗Jeitung.

daheim in ſeinen mit allem Comfort ausgeſtatteten Gemächern bleiben konnte, waren ſelbſt die Pferde zu lieb, als daß er bei ſolcher Hitze ihre Dienſte hätte beanſpruchen mögen.

In dem eleganten, luxuriös eingerichteten Bou⸗ doir der Gräfin von Altheim, deſſen Fenſter durch ſchwere Vorhänge von rothem Damaſt behangen wa⸗ ren, lag an dieſem Nachmittage Hedwig in ihrem Fauteuil und ließ den Blick bald auf dem koſtbaren perſiſchen Teppich, welcher den Fußboden bedeckte, bald auf einem bleichen jungen Manne ruhen, der ihr gegenüber in einem Lehnſeſſel ſaß und mit leiſer, matter Stimme der Gräfin Vorwürfe machte.Es war ein lange bittere Zeit, ſagte er,in den erſten Wochen ſah ich von Stunde zu Stunde meinem Ende entgegen, und doch waren jene Tage die ſchlimmſten nicht, denn Du kamſt doch an das Lager des Ster⸗ benden, ich fühlte doch Deinen Hauch meine heiße Stirne kühlend umwehen, Deine Hand in meiner kraftloſen, feuchten Rechten ruhen. In jenen Augen⸗ blicken, wo Du an meinem Lager ſtandeſt, hätte ich gerne ſcheiden mögen, ich wäre ja mit dem Glauben an Deine Liebe, Deine Treue geſtorben. Und doch wie freudig durchzuckte es mich, als der Arzt mir ſagte, daß ich wieder geneſen würde! Für Dich hatte ich mein Leben preisgegeben, für Dich geduldet, gelitten, für Dich wollte ich nun auch leben! Deine Liebe, ſo wähnte ich, würde mich königlich be⸗ lohnen, und in Deinen Armen würde ich ein Eden finden, wie es ſelbſt die kühnſten Träume der betro⸗ genen Seele nicht vorzaubern können! Ich ſah mich getäuſcht; von der Zeit an, als mir der Stern der Geneſung aufging, neigte ſich der Stern der Liebe ſeinem Untergange zu. Du kamſt nicht mehr, um nach dem Kranken zu ſehen, der für Dich auf ſeinem Schmerzenslager litt, kamſt nicht, um ſeine feuchte Stirne zu trocknen und den Fieberpulsſchlag ſeines gequälten Herzens mit Worten der Liebe zu beruhigen. Ich fragte nach Dir, ſchrieb Dir, ſandte Boten über Boten, vergebens Du kamſt nicht, und heute, wo ich komme, heute, wo ich nach einer ſechs⸗ monatlichen ſchmerzlichen Krankheit wieder vor Dir erſcheine, empfängſt Du mich, als wäre ich ein Frem⸗ der, den Du nie geſehen, von deſſen Daſein Du nie eine Ahnung gehabt hätteſt.

Einbildung, Guido, erwiderte die Gräfin gleich⸗ gültig, indem ſie die Achſeln zuckte,ſo lange Du

kommen, ſpäter, als Du auf dem Wege der Geneſung warſt, konnte ich Dich nicht mehr beſuchen, weil es ſich nicht ſchickte! Wenn ich Dir heute nicht

Handwerker⸗ und Arbeiterſtande an; dem Reichen, der

ſtürmiſch entgegen flog und Dich an mein Herz drückte,

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