um mit Euch ſpielen zu können. Ihr müßt deshalb nicht traurig und auf Papa nicht böſe ſein, ſondern ihn recht lieb haben, ſo lieb wie mich. Er giebt uns ja Alles, was wir eſſen und trinken; wenn er nicht wäre, bekämt Ihr nicht jeden Morgen eine Semmel und Milch. Papa ſorgt für Euer Eſſen, und ich ſpiele mit Euch und erzähle Euch ſchöne Geſchichten; des⸗ halb ſeid nur fröhlich, und wenn Papa kommt, dann lauft ihm einmal entgegen und gebt ihm einen Kuß.“
„Fröhlich?“ erwiderte Eduard leiſe,„das biſt Du auch nicht, Mama, und unſer Vögelchen iſt ja auch immer traurig!“
„Das Vögelchen trauert, weil es Winter iſt und es keine Blumen ſieht,“ entgegnete die Mutter, die gewaltſam an ſich halten mußte, um ruhig zu bleiben; „wenn der Frühling wiederkehrt, und die Sonne die Blumen wieder weckt, dann wird's auch ſingen und ſich freuen.“
Eduard war von ſeinem Stuhle herabgeklettert und legte nun ſein Köpfchen in den Schooß der Mut⸗ ter.„Bitte, Mama,“ ſagte er,„erzähle uns etwas, Du haſt es uns ja geſtern Abend verſprochen.“
Marie ward aufmerkſam; ihren Blick von den Soldaten abwendend und auf die Mutter richtend, wiederholte ſie die Bitte ihres Bruders, während auch ſie ihren Sitz verließ und ſich an die andere Seite neben ſie ſtellte.
„Wenn Ihr recht artig ſein und Papa recht lieb haben wollt,“ erwiderte Helene,„will ich Euch ein ſchönes Märchen erzählen.“
Die beiden Kinder verſprachen dies, und Helene fuhr fort:
„Seht Ihr den Schnee draußen, Kinder? Ihr ſagt immer, er wäre kalt und garſtig, und er iſt doch auch ſchön; ſeht nur, wie friſch und weiß er iſt. Ich will Euch nun das Märchen von Schneewittchen er⸗ zählen. Es waren einmal ein König und eine Kö⸗ nigin, die hatten keine Kinder. Und die Königin hätte ſo gerne ein Kind gehabt, aber der liebe Gott gab ihnen keins. Da ſaß ſie einmal an ihrem Näh⸗ tiſchchen und nähte.“
„Müſſen Königinnen denn auch Geld verdienen?“ fragte hier Eduard.
„Königinnen nähen zu ihrem Vergnügen,“ ant⸗ wortete Helene,„aber nun hört weiter. Wie ſie nun da ſaß und nähte, ſtach ſie ſich plötzlich mit der Na⸗ del in den Finger, und ein rother Blutstropfen fiel auf das weiße Linnen. Da ſagte ſie: Ich wünſche, ich hätte ein Kind, deſſen Haare ſo ſchwarz wie das Ebenholz an meinem Nähtiſchchen, deſſen Haut ſo weiß wie der friſch gefallene Schnee, und deſſen Wan⸗ gen und Lippen ſo roth wie Blut wären.“
1
Novellen⸗Zeitung.
„Schwarz wie Ebenholz, weiß wie Schnee, roth wie Blut,“ wiederholte Eduard ſinnend.
Die Angſt, welche das Herz Helene's bedrückte, war durch das Ausbleiben Arthur's von Minute zu Minute gewachſen, bei den letzten unſchuldigen Wor⸗ ten Eduard's war es ihr, als hätte plötzlich ein Dolch⸗ ſtoß ihr gequältes Herz getroffen.„Weiß wie Schnee, roth wie Blut,“ murmelte ſie unwillkürlich, dann er⸗ hob ſie ſich haſtig, und die Kinder ſanft abwehrend, eilte ſie in ihr Schlafzimmer, deſſen Thüre ſie hinter ſich verſchloß.
Laſſen wir die Kinder, die ſich ahnungslos ihren
Bleiſoldaten wieder zugewandt haben, ruhig weiter
ſpielen und das kummervolle, ruheloſe Mutterherz in heißem Gebete Troſt und Frieden ſuchen, und treten wir auf einen Augenblick in das elegante Privatca— binet Reichendorff's ein.
Der alte Herr ſaß in ſeinem weich gepolſterten
Lehnſeſſel und hielt nachdenkend ſeinen Blick auf Os⸗ kar gerichtet, der vor ihm ſtand und eben ſeinen Be⸗ richt über das, was in den letzten Stunden vorge⸗ fallen war, beendet hatte. „Winter iſt ein excentriſcher Menſch,“ hob er edlich an,„ſein Charakter hat ſich noch nicht geſetzt. Er iſt einer von denen, die ihr Glück nicht in ſich und im Kreiſe ihrer Familie, ſondern draußen ſuchen. Die Gabe der Reflexion fehlt ihm, er haſcht nach dem, was der Augenblick ihm bietet, unbekümmert um die Zukunft, und folgt gedankenlos mit ſeinem gan⸗ zen feurigen Temperamente der Stimme ſeiner Lei⸗ denſchaften, die ihn in's Verderben lockt.— Haſt Du Dich nach dem Verwundeten ſchon erkundigt?“
„Er lebt noch,“ entgegnete Oskar,„doch iſt keine Hoffnung auf Geneſung verhanden.“
Der Commerzienrath erhob ſich.„Es war klug von Dir, daß Du für Mittel zur Flucht Winter's ſorgteſt, und ich rathe Dir, reinen Mund zu halten, ſonſt ſind Dir einige Monate Gefängniß ſicher.“
„Ich fürchte ſie nicht,“ erwiderte Oskar,„meine Ehre würde durch ſie nicht befleckt.“
„Auch nicht gehoben,“ ſagte Reichendorff trocken. „Die Gräfin Altheim werde ich im Laufe des Tages bitten laſſen, mich in der erſten Zeit mit ihrem Be⸗ ſuche nicht mehr zu beehren,“ fuhr er nach einer Weile fort,„ich denke, ſie bleibt dann meinem Hauſe für immer fern. Was Winter's Familie anbetrifft, ſo überlaſſe mir die Sorge für dieſelbe, ich werde gleich
hingehen und ſie auf ihren Verluſt vorbereiten.—
Wenn Du hinaufgehſt, ſage unſrer Haushälterin, ſie ſolle die Fremdenzimmer im zweiten Stock in Ord⸗ nung bringen laſſen, ich erwartete Beſuch.“
Dieſe Worte waren für Oskar ein Wink, daß
ein und R geitlan hen,” heit ne u har
4 darau
Xrof ſelbe Aud hob zur Kal Ha aus erſe den


