Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
595
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vogen

low. 1852

der Kinder konnte dieſelbe nicht verſcheuchen.

Vierte

Folge. 595

Novellen-Zeitung.

Die Heimkehr.

Original⸗Novelle von Ewald Auguſt König. (Fortſetzung.) Als Helene das Frühſtück bereitet, die Kinder

geweckt und angezogen hatte, ordnete ſie die beiden Zimmer, die ihre ganze Wohnung bildeten, und ſetzte

ſich dann mit ihrer Arbeit an den Tiſch, geduldig auf

die Rückkehr des Gatten harrend. Als es aber acht Uhr ſchlug, und Arthur noch immer nicht erſchienen war, wollte ſie die Kinder, die inzwiſchen mit ihrem

einzigen Freunde, dem Canarienvogel, in ihrer Weiſe geplaudert hatten, nicht länger warten laſſen, ſie ſetzte

denſelben das für ſie beſtimmte Morgenbrod hin und nahm dann ſchweigend neben ihnen Platz. Eine un⸗ erklärbare Unruhe bemächtigte ſich ihrer, die Ahnung, daß ein furchtbarer Schickſalsſchlag ſie in den nächſten

Stunden treffen würde, beſchlich ihre Seele mehr und

mmaehr, und ſelbſt das heitere, unbefangene Scherzen Die Erinnerung an ihren Traum in vergangener Nacht, der auffallend frühe und ungewohnte weiche Abſchied des Gatten, ſein langes Ausbleiben und der Auftritt vom geſtrigen Abend, das Alles beſtärkte ihre Vermu⸗ tthung, daß bei Arthur nicht Alles ſo ſei, wie es ſein ſolle, und von Minute zu Minute ſteigerte ſich ihre Unruhe und die Angſt vor einem plötzlich eintretenden, herzerſchütternden Ereigniſſe, das freilich nur noch un⸗ klar und verworren, dafür aber um ſo furchterregender ihrem geiſtigen Auge vorſchwebte.

Die Kinder hatten's ſich inzwiſchen gut ſchmecken laſſen, und auch der Canarienvogel, der ſein gelbes Köpfchen durch das Gitter des Käfigs zwängte und ſeinen kleinen Freunden zuſah, ſein Theil von der Semmel erhalten.

Eduard holte eine Schachtel mit bleiernen Sol⸗ daten hervor und heſchäftigte ſich mit dem Aufſtellen

des lebloſen Kriegsheeres. Nach einer Weile fiel ſein Blick auf die ihm theilnahmlos zuſchauende Mutter. Warum trinkſt Du denn noch nicht, Mama? hob er an.

Helene fuhr aus ihrem Sinnen auf;ich warte noch auf den Papa, erwiderte ſie.

Auf Papa? fragte Eduard,kommt er denn wieder? Er bleibt doch ſonſt immer bis Mittag aus.

Ach, ich fürchte mich vor Papa, fiel ihm ſein Schweſterchen in die Rede,er iſt immer ſo böſe.

Fürchten? fragte Helene ſanft,Papa hat Euch lieb, und Ihr müßt ihn auch lieb haben.

Eduard hatte die Soldaten jetzt aufgeſtellt, ſeine großen ſinnigen Augen auf die Mutter richtend, ant⸗ wortete er:Wenn Papa nicht immer ſo garſtig wäre, hätte ich ihn auch lieb, aber doch noch lange nicht ſo lieb wie Dich. Weißt Du, wenn ich den kalten garſtigen Schnee draußen ſehe, unter dem die armen, ſchönen Blumen ſchlafen und frieren müſſen, dann muß ich immer an Papa denken.

Aber, liebes Kind, wie kommſt Du darauf? fragte Helene erſtaunt,Papa iſt doch nicht kalt und garſtig.

Marie überließ es ihrem Bruder, dieſe Unterhal⸗ tung fortzuſetzen, ſorglos und unbekümmert wandte ſie ihre Aufmerkſamkeit dem Kriegsheere zu und rich⸗ tete mannigfache Verheerungen in demſelben an, wäh⸗ rend Euard fortfuhr:

Papa iſt lange nicht ſo gut wie Du, er ſieht uns immer ſo böſe an und ſpielt nie mit uns, und wenn er hier iſt, dürfen wir nicht laut ſprechen, ſonſt bekäme er Kopfweh, ſagt er immer.

Papa iſt auch ein großer Mann, entgegnete Helene,und ein großer Mann kann nicht mehr mit Kindern ſpielen; wenn Du einmal ſo groß biſt, thuſt Du es auch nicht.

Aber Du thuſt es doch, Mama, Du lachſt und ſpielſt doch mit uns, biſt Du denn nicht auch groß?

Das iſt etwas Anderes, ſagte Helene,wenn Papa den ganzen Tag gearbeitet hat, iſt er zu müde,