Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
594
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Novellen⸗Zeitung.

Alham.

V 1. Bechſtein. Der Kinder Kreuzzug. Er ruft's, und eine Oriflamme Entrollt er ſchnell, Darauf ein Bild vom Kreuzesſtamme Ein fremder Knabe wandelt ſingend Sich zeiget hell. Von Land zu Land, Um aller Kinder Herzen ſchlingend Und wie ſein Lied, den Muth beſchwörend, Ein Zauberband. So laut erſchallt, Ergreift's der Knaben Sinn bethörend Nach Thüringens ſo ſchönen Gauen Mit Allgewalt. Den Weg er nahm, Doch Keines weiß, ſo Viel ihn ſchauen, Sie folgen jauchzend ſeinem Zuge Woher er kam. Ganz Aug' und Ohr. Die Fahne wandelt ſtolz im Fluge Wohin er kommt, ruft er die Knaben Dem Heere vor. 1 Zu ſich heran,

1 Und hebt mit wunderbaren Gaben Es ſchwoll der Schwarm, wie Meereswogen gewe Zu ſingen an. Am Uferrand, Zimn Viel Tauſende ſind fortgezogen 5 Bald iſt's, als wallten Engelsſtimmen Vom Heimathland. ſichd

Sanft erdenwärts, die N Bald ſcheint ſein Lied empor zu ſchwimmen Ob auch die Mütter jammern, weinen Alr ſ An Gottes Herz.. Und flehen bang, war. Nicht Mutterliebe hemmt die Kleinen.6 Bald ſcheint zu jubeln, bald zu klagen Auf ihrem Gang. fond Sein leiſer Sang, gepla Bald himmelan den Flug zu wagen Und will ſie Vaterzürnen halten, denſe Im heißen Drang. So redet Trutz: ahm Wir folgen höheren Gewalten allä Er ſingt von Oſt, von Morgenröthe, In Gottes Schutz! Vom Jakobsſtern, 1 Von Mördern, die den Heiland tödten, Sie ziehen fort und ſingen Lieder; 8 S Vom Kreuz des Herrn. Die Heimathaun, m Die ſchönen, ſoll kein Auge wieder der Das Kreuz, zu dem die Frommen wallen, Von ihnen ſchaun. Er Im heil'gen Land, So tönt ſein Sang,es iſt gefallen Und keine Kunde war vernommen der In Heidenhand. Von ihrem Zug; des Und Keiner iſt zurückgekommen, vor Und legten ſie das Kreuz in Ketten, Der Botſchaft trug. th So löſt das Blut. Wer zieht mit mir, das Kreuz zu retten, Und Niemand weiß, wie der geheißen, ſol Voll Siegesmuth? Der wunderbar Un Entführt den heimathlichen Kreifen herz Will's nicht den Mächtigen gelingen, Die Kinderſchaar. lar Das theure Pfand ihr Den blinden Heiden abzuringen Die Mütter ſtehn mit lauten Klagen, Thu's unſre Hand! Die Väter ſtumm.. Warum geſchah's, wer kann's uns ſagen? laſſ A Der Herr iſt mit den Schwachen mächtig! Warum? Warum? äir Wer zieht mit mir? ſein Zum heil'gen Zuge führt uns prächtig 12 Dies Kreuzpanier! de r⸗Chronik deutſcher Helden. Zuſammengeſtellt von Adolf Böttger. Vierte Auflage. Leipzig, Friedr. Wilh. Grunow. 1862. date