Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
588
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588 Literariſche Briefe von Otto Banck.

Der Geiſterſeher Swedenborg. Deutſch von J. Muſäus. Weimar, Voigt's Verlag. 1863.

Wenn Sie ſich in den Zeitepochen umſchauen, in denen nicht nur die meiſte Bildung herrſchte, ſondern in welchen man auch am meiſten mit derſelben Co⸗ ketterie trieb, ſo werden Sie immer finden, daß gerade in ſolchen Perioden der Glaube an das Wunderbare, ja Abſurde ſeine höchſte Blüthe trieb. So glaubte man in der aufkläreriſchen Zeit Ludwig's XV., wäh⸗ rend die beſten franzöſiſchen Claſſiker ſchrieben, am eifrigſten an die Künſte der Nativitätſteller, und Leute wie St. Germain, Caglioſtro und Caſanova fanden für ihre Betrügereien in den berühmteſten Cirkeln der geiſtreichen Converſation das fruchtbarſte Terrain. Die Beherrſcher der Unterhaltung, die Zweifler gegen den religiöſen Glauben, denen das kleinſte bibliſche Wunder, wie billig, zu ungereimt war, um es mit ihrer Verſtandesanalyſe verbinden zu können, glaub⸗ ten doch gern an Alles, was ihnen der romantiſche Aberglaube angenehm machte. Sie ſuchten den Stein der Weiſen, quälten ſich mit Goldmachern in heim⸗

licher Mitternachtſtunde und tranken die abſcheulichſten Toëheriakmiſchungen als Lebenselixir mit gewiſſenhafter Conſequenz.

Aehnlich trieb man es etwas ſpäter in England, gleichzeitig in Deutſchland, und gegenwärtig, da man wirklich angefangen hat, in den Naturpiſſenſchaften einige Schleier zu lüften, gehört ein Unfug überſinn⸗ licher Täuſchungen wieder zum Lieblingsthema vieler gebildeter Kreiſe. Niemals hätte die Tiſchklopferei mit all ihrem Zubehör eine willigere Aufnahme fin⸗ den können, als in jüngſter Vergangenheit. Das Citiren von Verſtorbenen, das Hineinblicken in die Ferne, das heißt in die gegenwärtige Ferne, z. B. von England nach Paris hinüber, iſt an der Tages⸗ ordnung, und in London und Paris treibt man mit halbem Spott und mit ganzer Herzenshingabe einen lächerlichen Cultus des Aberglaubens. Die alberne, überſchwengliche Ausartung deſſelben in Amerika iſt ſo bekannt, daß jedem Leſer die lächerlichſten und maſſenhafteſten Beiſpiele gegenwärtig ſind. Natürlich bemächtigt ſich dort die Ungereimtheit ganzer Gemein⸗ den, ja Bevölkerungen, da ſie mit einem religiöſen Wahn und Betrug Hand in Hand geht, was wenig⸗ ſtens in England in nicht ſo ausgedehntem Maße der Fall iſt.

Dieſe umfangreiche Entartung des Aberglaubens kann allerdings durch nichts weiter vollſtändig erklärt werden, als durch die Thatſache, daß der Welt im

Großen und Eanzen nicht wohl zu Muthe iſt, wenn!

Novellen⸗Zeitung,.

(ſie nicht von irgend einem Spitzbuben, ſei es ein Diplomat oder ein religiöſer Schwarzkünſtler, in un terhaltender Weiſe, wenn auch auf Koſten ihres Beu⸗ tels und ihrer Vernunft, betrogen wird.

Heutigen Tages haben dieſe Verſuche eine außer⸗ ordentliche Stütze in den myſtiſchen Naturerſcheinun⸗ gen, die noch nicht erforſcht, nur ſporadiſch entdeckt ſind und die wir mit allgemeinen Namen bezeichnen. So entſchuldigt man durchMagnetismus,Od, Somnambulismus,Clairvoyance,Senſitivität ꝛc. alles noch ſo ſehr der Vernunft Zuwiderlaufende, und der Induſtrie der Abenteurer iſt eine neue Phaſe geöffnet.

Es haben ſich aber auch Leute von großer Ehren⸗ haftigkeit und geiſtiger Begabung in dieſes Gebiet begeben und entweder darin Dilettantismus oder wirkliche Geſchäfte getrieben, ohne daß man ihnen irgend eine üble Abſicht zur Laſt legen könnte. Wer erinnert ſich nicht, um nur Einen ſtatt Vieler zu nennen, des biederen Dichters Juſtinus Kerner, bei welchem ſich innere Ueberzeugung für die Wahr⸗ heit ſeiner hellſeheriſchen Phantasmagorien mit einer nur ſehr geringen Schalkheit verband. möglich und unfruchtbar zu unterſuchen, wie weit ſolche Perſonen der Selbſttäuſchung unterlagen. Alle die⸗ jenigen wenigſtens, welche den factiſchen Beſtand ſom⸗ nambuler Kräfte zugeben, haben kein Recht, zu be⸗ ſtimmen, wie weit ſolche Kräfte reichen ſollen, denn Dinge, deren Weſen ſie nicht begreifen und deren

von ihrer Schulweisheit begrenzen zu laſſen.

Zu den intereſſanteſten Erſcheinungen ehrlicher, ja ſittlich reiner Charaktere, die ſich mit ihrer Ein⸗ bildungskraft während ihres ganzen Lebens zum Theil verirrten, zum Theil wirklich unbegreifliche, wunder⸗ bare Vorahnungen entweder in der That hatten oder mit unerklärbarem Treffer zu haben vorgaben, zu dieſen merkwürdigſten Perſönlichkeiten des vorigen Jahrhunderts gehörte ohne Frage Emanuel Swe⸗ denborg. 4

Sehr dankenswerth iſt es, daß der bekannte nor⸗ wegiſche Gelehrte J. Muſäus neuerdings durch eine Ueberſetzung der Lebensgeſchichte Swedenborg's manche Irrthümer über dieſen merkwürdigen Mann aufgehellt und manches Seltſame aus deſſen Werken mitge⸗ theilt hat..

Aus Allem geht hervor, daß Swedenborg, de Mathematiker und Bergbauverſtändiger war, in ſei⸗ nem bürgerlichen Wandel ein durchaus tadelloſer Menſch geweſen iſt, der nicht einmal ſeinen zahlreichen und oft boshaften Feinden in Bezug auf ſeine Moral eine Achillesferſe darbot.

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