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kürlich, doch den Anderen kaum vemerkbar, zuckte er zuſammen, dann rückte er mit feſten Schritten, die Augen unverwandt auf ſeinen Gegner gerichtet, deſſen Antlitz Leichenbläſſe überzog, vor. Auch er zitterte nicht, als er das Piſtol erhob, auch er zielte nicht lange, obgleich er wohl wußte, daß, wenn er den Gegner fehlte, dieſer ihm im nächſten Augenblicke die Waffe vor der Stirne abzuſchießen berechtigt war, auch er drückte kaltblütig, als handle es ſich nur um ein Schießen nach der Scheibe, ab, doch als der ſchrille Schrei, der den dumpfen Schall des Schuſſes durch⸗ drang, in ſeine Ohren tönte, da erſchütterte der ſchreck⸗ liche Gedanke, ſeiner Leidenſchaft ein Menſchenleben geopfert zu haben, ſein aus der Betäubung aufgerüt⸗ teltes Herz bis in die innerſten Tiefen, und mit der moraliſchen ſchwand auch die phyſiſche Kraft. In die Kniee ſinkend, ſchleuderte er das Piſtol weit von ſich und eilte auf den gefallenen Gegner zu, der in den Armen der beiden Secundanten lag und von dem Wundarzte ſchon unterſucht wurde.
Matt, aber freundlich lächelnd ſtreckte Guido ſei⸗ nem Gegner die Hand entgegen.„Laſſen Sie uns nicht als Feinde ſcheiden,“ ſagte er leiſe,„ich ver⸗ zeihe Ihnen.“ Dann, nachdem er ihm noch ein zier⸗
8 zuſammengelegtes Briefchen überreicht hatte, ſank
Ker ohnmächtig zurück.
Der Wundarzt erhob ſich.„Mir bangt, hier iſt menſchliche Hülfe vergebens,“ ſagte er,„die Kugel hat edle Theile in der Bruſt verletzt.“
„So iſt gar keine Hoffnung?“ fragte Arthur, in— dem er die Hand des Arztes ergriff und ihm ſchmerz⸗ lich in's Auge ſah.
„Hoffnung?“ entgegnete dieſer, die Achſel zuckend, —„nur Gott kann hier noch helfen!“ Dann hüllte
er den Verwundeten ſacht in eine Decke und ließ ihn
von den Kutſchern langſam in ſeinen mit Kiſſen ver⸗ ſehenen Wagen tragen.
Oskar ergriff den Arm ſeines Freundes, der re⸗ gungslos, den Blick zu Boden geſenkt, daſtand, und zog ihn mit ſich fort.„Ich hatte mich auf dieſen Ausgang vorbereitet,“ ſagte er,„in dieſem Portefeuille wirſt Du Deine Päſſe, die ich geſtern ausſtellen ließ, und Reiſegeld finden. Raſch ſteige ein, bevor das Gerücht von Deinem Duell ſich verbreitet, und reiſe glücklich!“ 4
Bei den letzten Worten ſteckte er ein Portefeuille in die Rocktaſche des Dichters und ſchob dieſen, der wiczenlos Alles mit ſich geſchehen ließ, in den Wagen. Schon wollte er die Thüre ſchließen und dem Kut⸗ ſcher die Weiſung geben, nach der nächſten Eiſenbahn⸗ ſtation zu fahren, als Arthur ſeine Hand ergriff.
„Mein Weib, meine Kinder!“ ſagte er tonlos.
Novellen⸗Zeilung.
„Sei unbeſorgt,“ fiel ihm Oskar in die Rede, „ſie ſollen in mir einen Beſchützer finden. Sobald Du in Sicherheit biſt, ſchreibe mir, wo Du Dich be— findeſt.“
Arthur hielt die Hand des Freundes noch feſt. „Halt,“ ſagte er,„warte noch einen Augenblick.“— Dann, als kehre ſeine Seele jetzt zu ihrem klaren Bewußtſein zurück, entfaltete er das Brieſchen Gui⸗ do's, kaum aber hatte er daſſelbe geleſen, als er mit einem ſchmerzlichen Schrei die Hand ſeines Freundes fahren ließ und das Geſicht in ſeine Hände barg.
Oskar gab dem Kutſcher einen Wink, und in demſelben Augenblick, als der Wagen des Arztes ſich in Bewegung ſetzte, um einen Sterbenden, der vor einer Stunde als lebensluſtiger, kräftiger Jüngling die Stadt verlaſſen hatte, dahin zurück zu bringen, fuhr ein zweiter Wagen in entgegengeſetzter Richtung von dannen, um ein gefoltertes, ruheloſes Herz, das nun unſtät die Welt durchirren ſollte, ſeiner Heimath zu entführen. Oskar ſah dem Wagen, der ſeinen einzigen Freund davon trug, lange nach, und leiſe entrang ſich ein Seufzer ſeiner gepreßten Bruſt.„Ar⸗ mer Freund,“ murmelte er,„mögeſt Du draußen das Glück wieder finden, welches Du hier von Dir ſtie⸗ ßeſt, um in verblendeter Leidenſchaft einem Phantome nachzujagen!“ Dann hob er den Brief auf, der bei der ſtürmiſchen Bewegung Arthur's zu Boden gefallen war.„Ich wußte es wohl,“ ſagte er leiſe, als er die Zeilen geleſen hatte,„ſeine Liebe wurde von der Gräfin nicht erwidert. Wenn er noch einen Zweifel hegte, dieſe glühenden Worte, mit denen ſie Guido bittet, ſich nicht der Gefahr auszuſetzen, werden ihn verſcheucht haben.“(Fortſetzung folgt.)
Der Marquis of Lansdomne.
Das Land der Erbweisheit, wie England von einem geiſtreichen Könige in der neuern Zeit genannt wurde, beſitzt unter den Vorzügen, die es vor andern europäiſchen Staaten unbeſtreitbar hat, auch den, eine wahre, ſich auf großen Grundbeſitz ſtützende Ariſto⸗ kratie zu haben, der die Intereſſen des Landes in der Regel weit mehr gelten, als die perſönlichen, ja die ſogar zu eignen Opfern bereit iſt, ſobald ſie die Ueberzengung gewonnen hat, daß die Wohlfahrt des Landes und Volkes dieſe Opfer fordern. Schon in Folge deſſen, daß der große Grundbeſitz ſtets dem älteſten Sohne zufällt, ſehen ſich die jüngern Söhne gezwungen, ſich für den höhern Staatsdienſt durch
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