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wälzte all ſeine Schuld auf das Haupt des Anklägers. —„Du könnteſt Dich doch betrogen haben,“ erwiderte er rauh,„von einer Rückkehr kann hier keine Rede ſein! Wer trägt die Schuld daran, daß ich die Abende außer dem Hauſe zubrachte? Wer hat den Kindern den Vater entzogen? Wer hat den größten Antheil an den Schulden, die Du mir zum Vorwurf machſt? Du,— kein Andrer! Dein mürriſches, verſchloſſenes Weſen, die Kälte, mit der Du mich ſtets empfingſt, die Gleichgültigkeit, mit der Du Ab⸗ ſchied von mir nahmſt, Deine ewigen, ungerechten Vorwürfe, das Alles verleidete mir das eigene Haus und zwang mich, im Kreiſe Andrer meine Erholung zu ſuchen. Dadurch haſt Du mich Dir und meinen Kindern entfremdet und mein Glück vernichtet. Hät⸗ teſt Du jene wahre Liebe zu mir gebegt, die ich von meiner Gattin und der Mutter meiner Kinder ver⸗ lange, Du würdeſt mir die kleine Ausſpannung, die ich mir dann und wann machte, gegönnt und der thörichten Eiferſucht keinen Raum in Deinem Herzen gegeben haben. Aber Deine Liebe war nur Egois⸗ mus; wenn ich nicht meine ganze freie Zeit Dir wid⸗ mete, wenn ich nicht jeden Deiner Wünſche erfüllte, wurdeſt Du mürriſch und verdroſſen, meine begründe⸗ ten Entſchuldigungen verwarfſt Du; nur um Deine Perſon ſollte ſich Alles drehen, und in dieſem Egois⸗ mus mußte die Liebe bald ihren Tod finden.“
Arthur hatte haſtig geſprochen, und Helene fühlte wohl, daß er nur nach Entſchuldigungen ſuchte, um die erwachende Stimme ſeines Gewiſſens zu betäuben. Die Vorwürfe, ſo ungerecht ſie auch waren, überraſch⸗ ten ſie nicht, ſie hatte dieſelben ja ſchon oft hören müſſen,— nur daß ſie jetzt, in demſelben Augenblicke, wo ſie an ſeine Reue und Rückkehr zu ihr und einem beſſeren Leben glaubte, über ſeine Lippen kamen, ſetzte ſte in Beſtürzung. Wohl wiſſend, daß ein Widerſpruch ſeinen Zorn nur reizte, ſchwieg ſie, ſo weh es ihr auch that, die goldnen Luftſchlöſſer, die ſie in ihrem Herzen ſchon gebaut hatte, ſo plötzlich wieder einſtür⸗ zen zu ſehen.
Eben wollte Arthur in ſeinem rauhen Tone fort⸗ fahren, als plötzlich die Hausglocke ertönte.
„Wer iſt das?“ fragte er kurz.
„Es wird mein Vater ſein,“ erwiderte Helene ſchüchtern,„er hatte mir verſprochen, mich heute Abend beſuchen zu wollen.“
Arthur nahm eine Kerze und zündete dieſelbe an der auf dem Tiſche ſtehenden Lampe an.„Ich bin nicht in der Laune,“ ſagte er,„auch deſſen Vorwürfe und gute Rathſchläge noch anzuhören; wenn er nach mir fragt, ſage ihm, ich ſei zu Bette gegangen.“
Nach dieſen Worten teat er in's Schlafzimmer,
Novellen⸗
Zeitung.
verriegelte die Thüre und warf dann einen flüchtigen Blick auf ſeine ſchlafenden Kinder.„Arme Kinder,“ murmelte er,„Ihr werdet vielleicht morgen ſchon ver⸗ gebens nach dem Vater fragen!“ Doch als wolle er das aufkeimende beſſere Gefühl gewaltſam erſticken, wandte er ſich raſch um, fuhr mit der Hand über die Augen und ſetzte ſich dann an ſeinen Schreibtiſch.
Er ſchrieb lange, dann verſiegelte er das Papier, ſchrieb die Worte:„Mein letzter Wille“ auf die Rück⸗ ſeite, ſteckte den Brief in ſeine Rocktaſche und legte ſich erſchöpft in's Bett.
Als Helene nach dem Fortgange ihres Vaters, der ihr Verhältniß zu dem Gatten wohl zum Theil, nicht aber ganz durchſchauen konnte, in's Schlafzim⸗ mer trat, lag Arthur ſchon in tiefem Schlummer. Leiſe hauchte ſie einen Kuß auf die feuchte Stirne des heißgeliebten Mannes, dann ſuchte auch ſie in den Armen des mitleidigen Schlummergottes Ruhe für ihre ſchwerbedrückte, kummervolle Seele. Doch trug die gehabte Gemüthserſchütterung oder jene un⸗ erklärbare Ahnung, die, ein Geheimniß der Natur, den Menſchen oft einen kurzen flüchtigen Blick in die nächſte Zukunft werfen läßt und ihm zuflüſtert, daß ein großes Unglück ihm bevorſtehe, Schuld daran, daß ihre Seele keine Ruhe finden konnte, und furcht⸗ erregende Traumbilder an ihr vorüberzogen,— wer kann dies ergründen? Ihr träumte, ſie wandle mit Arthur in einem duftigen Thale über Blumen und weiche Raſen. Sie horchte dem Klange ſeiner Stimme, er erzählte ihr feenhafte Märchen und poetiſche Sa⸗ gen der Vorzeit, und plauderte ihr vor von ſeiner treuen, unſäglichen Liebe zu ihr. Plötzlich war er von ihrer Seite verſchwunden, ſie ſchaͤute um und er⸗ ſchrak, als ſie ihn haſtig einen ſteilen Felſen erklet⸗ tern ſah, auf deſſen Spitze eine prachtvolle Blume blühte. Sie rief ihm zu und bat ihn, von ſeinem Vorhaben abzuſtehen, er hörte nicht, immer höher und höher ſtieg er hinauf, und ſchon hatte er die Blume erreicht, ſchon wollte er ſie pflücken, als ſie ihn wan⸗ ken und hinunter in den Abgrund ſtürzen ſah. In unſäglicher Angſt laut aufſchreiend, wollte ſie hineilen, doch die Glieder verſagten ihr den Dienſt, nur mit Mühe vermochte ſie vorwärts zu ſchreiten, und als ſie endlich an der Stelle anlangte, wo ſie ſeine zer⸗ ſchmetterten Gebeine zu finden glaubte, war keine Spur von ihm zu entdecken. Sie ſuchte, rief, durch⸗ eilte dienSchluchten, umſonſt, nirgend war er zu fin⸗ den. af ſie die Hoffnung, ihn je wieder zu ſehen, ſchon aufgegeben hatte, trat er hinter einem Felſen hervor und kam ihr lächelnd entgegen. Eben wollte ſie in ſeine Arme ſtürzen und den verloren ge⸗ glaubten Geliebten an ihr Herz drücken, als ſie erwachte.
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