Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
574
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Schuhwerk der Franzöſinnen iſt hier häufigen Proben ſeiner Waſſerdichtheit ausgeſetzt, Albions Töchter allein, die jetzt zahlreich Paris paſſiren, ſchreiten mit den für die Schweizer Bergreiſen berechneten Stiefeln ſicher und unbefangen durch den aufgeweichten Macadam. Nächſt England treffen jetzt die meiſten Gäſte aus Deutſchland hier ein; erſtere erkennt man auch ohne die ſpecifiſchen Kennzeichen ihres Coſtüms leicht an der Gleichgültigkeit, mit der ſie an allem Sehens⸗ werthen vorübergehen; während der Deutſche reiſt um zu ſehen, reiſt der Engländer um geſehen zu haben. Paris hat ſeit einigen Wochen in ſeinen Hauptſtraßen und öffentlichen Orten ein völlig verändertes Anſehen, überall fremde, aus⸗ ländiſche Erſcheinungen; Paris hat ſein Scepter als Reſidenz der faſhionablen Welt Europas für die nächſten Monate niedergelegt, Baden und die rheiniſchen Bäder kämpfen um die Ehre die Sommerreſidenz der eleganten Welt zu ſein, Paris iſt jetzt ein großes Karawanſerai für Beſucher aus allen Zonen geworden, und die Auswanderung der Franzoſen während der heißen Monate nimmt mit jedem Jahre zu; die ſchönen Punkte der Umgegend, das ſchattige Ville d' Avray und Meudon, St. Germain und Verſailles genügen dem wachſenden Reiſebedürfniſſe nicht mehr, an den Ufern des Rheins, in den Pyrenäen, der Schweiz und in den Nordſee⸗ Bädern muß man jetzt die Pariſer ſuchen; nur die Sclaven der Arbeit und des Berufs bleiben hier zurück. Die Zahl derer, welche ſich rühmen können, nie in ihrem Leben das Weichbild der Stadt überſchritten zu haben, wird in Paris bald klein werden, während ſie bis vor nicht langer Zeit noch ungemein groß war. Die zahlreichen Unglücksfälle, welche während der letzten Wochen auf dem Pflaſter von Paris und der nächſten Umgebung vorgekommen, bilden einen weſent⸗ lichen Beſtandtheil der Tageschronik. Der nachtheilige, menſchengefährliche Einfluß, welchen die Hitze dieſer Jahres⸗ zeit ſonſt auf die Hunde auszuüben pflegt, zeigt ſich dies Mal bei den Pferden; faſt täglich berichten die Journale über traurige Folgen vom Scheuwerden und Durchgehen von Pferden. Mehrere der hieſigen Schauſpielerinnen ſind nur hierdurch in der größten Lebensgefahr geweſen; die auch als Schriftſtellerin bekannte Auguſtine Brohan vom Théatre fran⸗ gais rettete ſich nur durch die Geiſtesgegenwart, mit der ſie ſich an dem Wagen feſthielt, zwei ihrer Begleiter fanden auf der ſteil abfallenden Chauſſée über St. Cloud, welche das wildgewordene Pferd hinabeilte, den Tod, ein dritter erhielt eine ſchwere Verletzung. Auch fremde Namen ſind auf der Liſte dieſer trüben Ereigniſſe verzeichnet: der Profeſſor Fiſchel aus Heidelberg, welcher allein zu einem kurzen Be⸗ ſuche hierhergekommen, hat unter den Rädern eines Omnibus, von denen er beim Ueberſchreiten einer Straße erfaßt wurde, ſein Leben verhauchtz der Herzog von Hamilton fand in Folge eines Sturzes von der Treppe des maison dorée, das er nach einem Mahle mit mehreren Freunden verließ, nach einer viertägigen furchtbaren Agonie, während welcher der Unglückliche zeitweiſe ſtehen und gehen, aber keinen Laut von ſich zu geben vermochte, im beſten Mannesalter den Tod. Dieſe und viele andere ähnliche Unglücksfälle haben einen Schrecken in der hieſigen Bevölkerung hervorgerufen, wie etwa während des letzten Winters in London die Ueberfälle der Garotteurs; man hält das Leben in den Straßen für ge⸗ fährdet und findet darin einen weiteren Vorwand zur Flucht, Nur einzelnen der hohen Staatsbeamten und Diplomatei gönnen die Verhandlungen in der polniſchen Frage keine Ferien, und ſelbſt der Kaiſer wird ſeine Muße in Vichy ab⸗ kürzen, und in den erſten Tagen dieſes Monats hier wieder

Novellen⸗Zeitung.

eintreffen. Die Villeggiatur der vornehmen Welt hat in dieſem Jahre ſpäter begonnen als ſonſt; Viele wollen bei der zunehmenden Anglomanie auch hierin eine Nachahmung des Londoner high life ſehen und glauben, daß die Pariſer Sai⸗ ſon ſich gleich der von London mehr in die Frühjahrszeit ver⸗ legen werde; es fehlen dafür jedoch hier die Gründe, welche

jene unzweckmäßige engliſche Sitte hervorgerufen: der Zuſan⸗

mentritt des Senats und des corps législatif hat auf die ge⸗ ſellſchaftlichen Pariſer Verhältniſſe wenig Einfluß, während erſt mit der Eröffnung des britiſchen Parlaments im F⸗ bruar oder März faſt die geſammte Ariſtokratie und Gentn Englands von ihren ländlichen Schlöſſern in die Hauptſtah überſiedelt. Ein ſo langes Verbleiben außerhalb Paris würz dem franzöſiſchen Geſchmacke aber nicht zuſ gen; der hieſige Adel lebt im Gegenſatze zu dem engliſchen auf ſeinen Gütem ſtill und zurückgezogen; nur wenigen Familien iſt es noch möglich mit dem Luxus des ſtets ſich erneuernden Kreiſts reicher Ausländer während des Winters in der Hauptſtadt zu concurriren und zugleich auf ihren Landſitzen eine ausgedehnie Gaſtfreiheit zu üben. Die ſpätere Auswanderung der Pariſeu Geſellſchaft hat vielmehr ihren hauptſächlichen Grund in den vielen wichtigen Ereigniſſen der innern und äußeren Politik, welche während der letzten beiden Monate das Publi⸗ cum beſchäftigt haben. Vor allen die ſtatt gehabten Wahlen.

Paris hat in dieſer wichtigen Angelegenheit wiederum der Stimmung des Landes Ausdruck verliehen; nirgends iſt der Einfluß der Hauptſtadt auf die Geſchicke der Nation größer in,d als in Frankreich; Paris kann von ſich ſagen: la Frances G est moi! Paris iſt der Kopf des Staates und die Provin⸗fein

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zen ſeine dienenden Glieder, aber in politiſchen Fragen bi⸗ lieder!

hält ſich dieſer Kopf auch die Executive vor, und die Provin⸗ zen leiſten ihm in ſolchen Fällen ſtets bereitwillig Indemnität das politiſche Intereſſe, welches man ſeit der Gründung de Kaiſerreiches wegen der geringen Theilnahme bei den letzten und vorletzten Wahlen für geſchwächt erachtet hatte, iſt die Mal bei der größeren Freiheit der Wahlbewegung in voller Kraft wieder hervorgetreten; die ausſchließliche Ernennußſ. liberaler, reſp. oppoſitioneller Deputirten wie Thiers iſt von der Regierung in ihrer vollen Bedeutung gewürdigt worden. Der jetzige Kaiſer hat ein zu feines Gefühl für die öffentliche Meinung, um einer ſolchen Demonſtration gegenüber nicht ſo viele und ſo zeitgemäße Conceſſionen zu machen, als die Umſtände erfordern und geſtatten. Einem Wechſel in den lei⸗ tenden Perſönlichkeiten der innern Verwaltung folgten bald darauf Reformen, die mit allſeitigem Beifall aufgenommen ſind: der ſeit zehn Jahren unterdrückte Curſus der Philoſo⸗ phie iſt in den Univerſitäten wieder eingeführt worden; das Bäckereigewerbe iſt gegen den Willen des einflußreichen Seine⸗Präfecten vom Herbſte ab frei gegeben, und Paris wird ſomit hoffentlich aufhören, die große Stadt zu ſein, in der man jenes Monopols halber das ſchlechteſte und trotz die officiellen Brodtaxe das theuerſte Brod ißt. Den wichtigſten Fortſchritt in den innern Reformen bezeichnet aber der Erlaß des Kaiſers, wonach die Centraliſation der Verwaltung nach Möglichkeit gemildert werden ſoll: das Miniſterium des In⸗ nern ſoll nicht mehr in dem Maße wie bisher der Mittelpundt des großen Adminiſtrationsnetzes ſein, das über Frankreich ausgebreitet liegt, und von wo aus die 40,000 Maires, welche das Land regieren, in allen Angelegenheiten, ſelbſt locala Natur, ihre Weiſungen erhalten. Freilich wird es keine leichte Aufgabe ſein, den Geſchäftsgang einer ſo complicirten Ma⸗ ſchine, wie die bisherige franzöſiſche Verwaltung iſt, zu ver⸗ einfachen und zu beſchleunigen, und der Widerſtand der zahl⸗

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