Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
571
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Vierte

Lebhaſti

ürdige gun erbrechen, d nen mit d zu vermiſ m nicht,

ainen ernſteren Reiz gefangen: ſhaffenheit der Leute, die es bewohnen. Dieſe Recht⸗ ſhaffenheit, die nach meiner Anſicht der am meiſten un die Augen ſpringende Charakterzug in den Stücken Ecribe's iſt, kann man mit einem Zuge ausdrücken; denſelben unter den vielen Perſönlichfriten⸗ welche ſeine fruchi⸗ dr der Sih tare Fiction uns darſtellt, findet man nicht ein rüns a ſeiner 3 iges Mal, unter einer beſtimmten Farbe, eine der

naditionellſten und ſcheinbar der unumgänglich un⸗ e di gtbehrlicſten Typen des Theaters: Verrä⸗

lhjer. Seine Feder, und man kann wohl ſagen lch ſine g ſiin Herz, weigerten ſich ſtets, dieſe verhaßte Figur, 4 5 wie alle Geſichter, die der Menſchheit zuwider ſind, en Er benſag zeichnen. Er ſchien zu glauben, und man iſt ent⸗ ohe Geheim aickt, es eine Stunde lang mit ihm zu glauben, daß ds Publia in der Welt, wie in ſeinem Theater, das Uebel nie e immer ms Maß überſchreitet, wo es noch lachen läßt. Dieſes em Geheim zeichen des Optimismus iſt der Stirn aller ſeiner

durch die große Recht⸗

=

den

den Hände gerſönlichkeiten eingeprägt; ſie haben Thorheiten, aſſen; es kn gicherlichkeiten an ſich, doch keine Aaſter Zuweilen und es glau ſad ſie ſtrafbar, doch nie unverbeſſerlich. Der ſchlimmſte

urz, ich uller der jungen Leute, die er in Secene ſetzt, iſt ein ein, das Süſhöner Fehler, der am ſicherſten ſich verliert, ihre lich nimmt Jagend ſelbſt; ſeine jungen Mädchen ſind alle von einer Aufrichtigkeit, welche beruhigt; ſeine Witwen ſiuud kaum kokett; ſeine Soldaten beſitzen Alle ein gol dares Herz, und ſeine Bauern ſind lauter alte Sol⸗ ee aten; ſeine Diplomaten ſind heiter, ſeine Capita⸗ ſic zücte lſten großmüthig; ſeine Miniſter ſind Mäcene. In gebot jome einem ſeiner Vaudevilles macht ein junger Angeſtell⸗ de ih 7 ter ein Lied gegen ſeinen Miniſter; der Miniſter wird eöte, gand devon in Kenntniß geſetzt, lieſt das Lied, und dem ſſe Kunſt Lerfaſſer wird dafür eine Beförderung zu Theil.

wit nen Kurz, Scribe malt uns das goldene Zeitalter. zu erſchülte

unruhigen,) Man darf indeſſen nicht glauben, daß dieſer Op⸗ verderben; u timismus Scribe's die Wahrheit der Beobachtung aus⸗ In w nelce ſchließe. Seine Typen ſind allerdings verſchönert, ſfett ſeine fi dennoch aber Portraits, von deren Wahrheit wir uns

iſt der 1 ergriffen fühlen. Er malt die Menſchen ziemlich ähn d tich lich, ſo daß ſie das Vergnügen haben, einander zu tein Ma eckennen, doch nicht ähnlich genug, um uns durch er nnſ müren Anblick traurig zu machen und zu entmuthigen. Wen jung So läßt er in dem Geiſte ſeiner Zuſchauer einen 6 1au eigenthümlich ſympathiſchen und zu gleicher Zeit tief bl ſea 9- moraliſchen Eindruck zurück, weil die Idee des Glücks ch tine ſn und die der Rechtſchaffenheit ſich darin vermiſcht fin⸗ den. Ich weiß in der That nicht, ob ich mich täuſche, aber ich hege die Ueberzeugung, daß die beſte mora⸗ t.lſſche Lection, die man den Menſchen in der Erdich⸗ th tung wie in der Wirklichkeit geben kann, das Schau⸗ 4 z ſpiel des Guten, der Anblick rechtſchaffener Leute iſt. d 3ch bezweifle, daß der trunkene Sclave, welcher in

deſe Golr mir nicht

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der Erziehung der jungen Spartaner eine große Rolle ſpielte, eine nützliche Belehrung und für die wahr⸗ haften Inſtincte der menſchlichen Natur geeignet war. Iſt nicht einer unſrer mächtigſten Inſtincte der der Nachahmung? Es iſt ſicher nichts Seltenes, in den Schopfungen des modernen Romans und der Bühne den trunkenen Sclaven unter verſchiedenen Masken erſcheinen zu ſehen, und doch bemerkt man nicht, daß er jemals irgend Jemanden gebeſſert habe. Die man⸗ nigfaltigen Werke Scribe's bieten der Menge nie dieſe verkehrten Verſuchungen dar. Es iſt dies ein Verdienſt, das man nicht zum weſentlichen Geſetz der literariſchen Fietion machen kann, ohne die Freiheit des Geiſtes in Feſſeln zu legen, es iſt aber ein aus⸗ gezeichnetes Verdienſt und eins derjenigen, die von dem Publicum mit der größten Dankbarkeit erkannt und mit einſtimmiger Gerechtigkeit gewürdigt worden ſind. Wenn man in der That jenen gelehrten und mitleidsloſen Gemälden, welche die verborgenſten und ſcheußlichſten Wunden des menſchlichen Herzens Zug für Zug darſtellen, ſeine Bewunderung nicht verſagen kann, ſo liebt man doch weit mehr, bei dem Schau⸗ ſpiel und den Aufregungen des Lebens in dem Frie⸗ den einer eingebildeten Welt auszuruhen und eſich in dieſem flüchtigen Verkehr einer beſſern Menſchheit beſſer zu fühlen.

Doch neben dieſem reizenden Optimismus, der ihn charakteriſirt, und neben den natürlichen Rechten ſeines großen Talents beſaß Scribe mehr als einen intereſſanten Anſpruch auf jene große und faſt freund⸗ ſchaftliche Gunſt, die ſeinen Namen fortwährend um⸗ geben hat. Um in Frankreich und außer Frankreich zu gefallen, hatte er zuerſt eine höchſt mächtige Tu⸗

gend: er war Franzoſe und von reiner franzöſiſcher Race. Seine dichteriſche Ader, ſo fruchtbar ſie auch iſt, bleibt in der Wirklichkeit unvermiſcht und entlehnt

dem Auslande nichts. Der Fond und die Form ſei⸗ ner Schriften, die durchſichtige Klarheit, die lebhafte und ein wenig leichte Auffaſſung, die eher leichte und anmuthige als tiefe Rührung, die ſtets ſcharfe, doch nie blutig verletzende Satire, die immer bereite Groß⸗ muth, der ſprudelnde Ueberfluß von Witz, der belebte und belebende Dialog, Alles zeigt bei Scribe die ech teſten und beliebteſten Eigenſchaften des franzöſiſchen Charakters und Geiſtes, um ſie noch beliebter zu ma⸗ chen. Mit dieſen Verführungskünſten hat er Europa durchlaufen, wie Einer jener jungen und glänzenden Obriſten, mit denen er ſeine Gemälde erhellt, und wie ſie hat er es erobert.

Um indeſſen das ganze Geheimniß dieſer unver⸗ gleichlichen Popularität zu beſitzen, darf man ſich nicht ſcheuen, zum Lobe Scribe's ein Wort auszuſprechen,