Jahrgang 
31-52 (1863)
Seite
570
Einzelbild herunterladen

zu werden verdient. Die jungen Handlungscommis in Paris waren damals auf den Einfall gekommen, Spo⸗ ren zu tragen und ſich Schnauzbärte wachſen zu laſſen, was für ihre friedlichen Beſchäftigungen ziemlich un⸗ erwartete Sinnbilder waren. Scribe beſang dieſe Manie ganz heiter auf der Bühne, und in Folge deſſen entfeſſelte ſich aus den Comptoirs ein wahrer Sturm gegen ihn. Man klagte ihn an, das Natio⸗ nalgefühl beſchimpft zu haben, und dieſe ſeltſamen Patrioten, welche Recht hätten haben können, wenn ſie die Sporen etwas früher angeſchnallt hätten, ver⸗ folgten lange Zeit von Bühne zu Bühne ihren unſchul digen Feind, gegen den ſie ſichrere Waffen gefunden hatten. Kurze Zeit nach dem in dem öffentlichen Geläch ter ſtattgefundenen Erlöſchen dieſes Sturmes ſtellten einige der lieblichſten Werke Scribe's die Geſetze einer beſondern Art von Theaterſtücken auf, worin er ſich auszeichnete, obgleich er ſie eines Tages über⸗ holen mußte.Les deux Précepteurs,la Som- nambule,Michel et Christine,P'Intérieur d'un bureau führten nach und nach jene ungezwungenen, mit Geſängen vermiſchten Luſtſpiele ins Leben, welche in ganz Europa den Namen und die Reize einer un⸗ ter dem Himmel Frankreichs gebornen dramatiſchen Form, das Vaudeville, populär machten. Im Leben Scribe's darf man dieſe erſte Phaſe ſeines Talents, welche den Frühling ſeines literariſchen Lebens bildete, nicht aus Nachläſſigkeit überſchlagen, wenn auch be⸗ reits an dieſem Punkte ſeiner Laufbahn die eingeleg⸗ ten Geſänge ſeinen Werken allerdings einen Reiz mehr gaben, aber doch nur eine Nebenſache blieben. Seine Vaudevilles nahmen mehr und mehr den Ton des Luſtſpiels an; es war die Zeit, wo ſein Talent ſich gänzlich einer der Pariſer Bühnen zweiten Ran⸗ ges widmete, um derſelben während einer langen Zeit den erſten Platz in der Gunſt des Publicums zu ſichern. In jener Zeit verfaßte er eine Menge aus gezeichneter Stücke, die den Theaterfreunden die ge⸗ nußreichſten Abende verſchafften und von denen wir nur'Héritière,Ja Haine d'une femme,le Diplo- mate,Estelle, le Mariage de raison c. nennen wollen, die aber allein hingereicht haben würden, ſei⸗ nen Ruhm feſt zu begründen, ſolche ſeltne, ausge zeichnete, originelle Eigenſchaften entfaltete er darin, die man, trotz glücklicher Freundſchaften, ſtets untrenn⸗ bar von ſeinem Namen und niemals ohne denſelben wiederfindet. Wenn von dieſem Zeitpunkte an und für eine lange Zeit ein dramatiſches Erzeugniß ſich durch be⸗ ſondre Verdienſte, durch die verführeriſche Erfin⸗

Novellen⸗

ben mit ſeiner geiſtreichen Güte das große Geheidf

Zeitung.

Frohſinn mit der Rührung, die Thränen mit dem Lächeln, die Grazie mit der Vernunft zu vermiſchen, auszeichnete, ſo wartete das Publicum nicht, um Scribe zu begrüßen, daß man ihm denſelben erſt

und nie wurde ein Herr ſo ſehr geliebt. Dieſe ſ beſtändige, ſo warme Gunſt, die das Gepräge einer beſondern Herzlichkeit an ſich trug, welche ſeine Zu⸗ hörer ihm zu Theil werden ließen, verſuchte Scrihe ſeinen jungen Collegen zu erklären, indem er denſel⸗

ſeiner Kunſt enthüllte. Er ſagte:das Publicum liebt mich, weil ich dafür Sorge trage, es immer in mein Vertrauen zu ziehen; es iſt in dem Geheimniß des Luſtſpiels; es hat die Fäden in den Händen, welche meine Perſönlichkeiten ſpielen laſſen; es kenut die Ueberraſchungen, die ich ihm bereite, und es glaubt ſie ſelbſt in Scene ſetzen zu können; kurz, ich nehme es zum Mitarbeiter an; es bildet ſich ein, das Stüͤck mit mir gemacht zu haben, und natürlich nimmt es daſſelbe mit Beifall auf.

Meine Herren, ich geſtehe, daß dieſe Erklärung trotz der feinen Lehre, die ſie enthält, mir nicht ge nügt. Ich finde eine beſſere, aus der ſich, nicht di Erfolge Scribe's, die ſein Talent gebot, ſonder

dem Publicum vereinigte und ihn überlebte, ganz ge⸗ nügend erklären läßt. Die ſchwierigſte Kunſt in dem Gebiete der literariſchen Erfindung iſt die, die Einbildungskraft zu reizen, ohne ſie zu erſchüttern, das Herz zu rühren, ohne es zu beunruhigen, die Menſchen zu beluſtigen, ohne ſie zu verderben; das war die erhabene Kunſt Scribe's. In welche lä⸗ chelnde, lichtvolle, tröſtende Welt verſetzt ſeine fami⸗ liäre Dichtkunſt den Zuſchauer!. Kaum iſt der Vor⸗ hang aufgezogen und das Gemälde beginnt ſich zu entwickeln, ſo fühlt man ſich von dieſer ſüßen Magit durchdrungen. Hier ſieht man eine Weinlaube vo der Thür eines Wirthshauſes, vor dem ein jung

junges, weißgekleidetes Mädchen durch einen Pu

jene tiefe, faſt liebevolle Sympathie, die ihn miſ

Iſt es zu verwundern, daß man ſich darin zu leben

dung des Gegenſtandes, die unvergleichliche Geſchmei⸗

4

gefällt? Aber dieſes Land nimmt uns noch durch

digkeit der Intrigue, die glänzende Lebhaftigkeit enen ernſ des Dialogs, durch eine bewunderungswürdige Kunſt affenhei das Intereſſe zu ſteigern oder es zu unterbrechen, den ſaffenbei die Auc Stribe's uter den nce Ficti nenne. Vielleicht war nie ein Gebieter der Schau⸗ bühne vollſtändiger Herr des Publicums ſeiner Zeit, mnditione entbehrlic kler. ſenn Herz, pee alle( u zeichnen lct, es e n der We

ies Ma

Se

1os Maßi zächen de paſönlich icerlicht ſiid ſie ſte Foler de ſöner 8 Iigend ſ einer Au ſrd daw nes H aten; ſten gr enem ſe ti ein dwon in Lrrfaſſer Rurz, Sc

Man tinismus ſcließe. dennoch agriffen lih, ſo etennen iren An en läßt ejenthün naraliſche ud die

ſtel des d be